Es kommt nicht selten vor, dass selbst gläubige Menschen nicht genau wissen, woher eigentlich manche ihrer religiösen Bräuche oder Feiertage kommen. So auch mit dem Palmsonntag: Warum werden am letzten Sonntag vor Ostern in vielen Kirchengemeinden Prozessionen abgehalten? Und was hat der Palmesel damit zu tun?

Jesus in Jerusalem: Die Bibelgeschichte im Schnelldurchgang

Kurzum: Die Feierlichkeiten am Palmsonntag sollen an den triumphalen Einzug von Jesus Christus in Jerusalem erinnern, von welchem in den Evangelien des Neuen Testaments erzählt wird. Demnach ritt Jesus auf einem Esel in die Heilige Stadt, während ihm das dortige Volk Palmzweige auf den Weg streute und ihn bejubelte - daher der Begriff „Palmesel“, der allerdings im alltäglichen Gebrauch auch andere Bedeutungen angenommen hat.
Doch warum all dies? Warum marschierte Jesus auf diese Weise nach Jerusalem. Warum die Palmzweige und warum der Jubel?

Der Esel war für den Einzug von Jesus in Jerusalem entscheidend

Jesus hatte eine klare Agenda, als er nach Jerusalem ging: Er wollte für sich die Rolle des von Gott gesandten Königs der Juden beanspruchen. Neben der Abstammung aus dem fabulösen Haus David musste er vor und während des Einzugs mehrere weitere Bedingungen erfüllen, um die Menschen davon zu überzeugen, ihre prophezeiter Erlöser zu sein, der das Volk wieder einen und aus der Unterdrückung der Römer führen würde.
Dass Jesus - statt wie üblich zu Fuß zu gehen - auf einem Esel nach Jerusalem ritt, war eine dieser Bedingungen. Denn im Alten Testament hatte der Prophet Sacharja vorhergesagt, dass der König der Juden ebenso eintreffen würde: „Frohlocke laut, Tochter Zion! Brich in Jubel aus, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir; gerecht und ein Retter ist er, demütig, und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen, dem Jungen einer Eselin.“ Mit seinem Einzug erfüllte Jesus also diese Prophezeiung und überzeugte damit viele, die bisher noch nicht an seinen Messias-Status geglaubt hatten.

Menschen in Jerusalem glaubten an die Ankunft des Messias

Die Palmzweige, die die begeisterten Bewohner von Jerusalem ihm auf den Weg streuten, zeugen von eben diesem Glauben. Denn Palmen wurden zu jener Zeit als heilige Bäume verehrt und standen gerade in Israel für Unabhängigkeit und den siegreichen König der Juden. Der Jubel der Stadtbewohner ist also leicht nachzuvollziehen: Sie waren überzeugt, mit Jesus zweifellos den einen Anführer des jüdischen Volkes gefunden zu haben, der sie nicht nur von dem Joch der Römer erlösen, sondern sie auch gen Reich Gottes leiten würde.