Es ist eine einfache Logik: Ein bis zum letzten Sitz- und Stehplatz gefüllter Linienbus hält an einer Haltestelle. Die Türen öffnen sich, aber man sieht: Da passt man nicht mehr rein, der Bus ist voll. Konsequenz: Man muss auf den nächsten Bus warten und hoffen, dass dieser einen freien Platz hat. Zum dringenden Termin schafft man es aber ohnehin nicht mehr.
Das Bild passt zur derzeitigen Lage in Krankenhäusern, allen voran zu jenen, die in sogenannten Corona-Hotspots liegen. Benötigen Menschen dort eine medizinische Versorgung, sei es aufgrund einer Covid-19-Infektion, eines Herzinfarkts, eines Schlaganfalls oder eines Unfalls, stehen sie oder die zuständigen Notärztinnen und Notärzte vor vollen Krankenhäusern. Heißt: Eine Aufnahme dort ist nicht mehr möglich, Patientinnen und Patienten müssen dorthin gebracht oder verlegt werden, wo es noch Platz gibt. Ähnlich wie mit der zusätzlichen Wartezeit auf den nächsten Bus an der Haltestelle geht auch bei der Verlegung von Patientinnen und Patienten wertvolle Zeit verloren. Aufgrund dieser Lage richten unter anderen Verantwortliche aus dem Klinikum in Rottal-Inn einen Appell an die Politik.

Patientenverlegung in Bayern: Kliniken verlegen Patienten in andere Krankenhäuser

Ärzte der Rottal-Inn Kliniken im niederbayerischen Eggenfelden sehen aktuell (24.11.) ihre Corona-Intensivstation nicht mehr weit vom Kollaps entfernt, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. „Wir stehen ja erst am Anfang der vierten Welle“, sagte Vorsitzender Bernd Hirtreiter. Er erwartet, dass sich die Zahl der Corona-Patienten binnen der nächsten zwei bis vier Wochen verdoppeln wird. Scharfe Kritik übt er an der Corona-Politik.
Die zehn Intensivbetten in der Klinik seien belegt. „Es ist alles voll, wir haben keine Kapazitäten mehr“, sagte der Vorsitzende der Rottal-Inn Kliniken. In anderen Krankenhäusern sehe es ähnlich aus, was ihnen große Sorge mache. Vor knapp zwei Wochen seien in einer großen Verlegeaktion zahlreiche Patienten in andere Kliniken gebracht worden, berichtete Hirtreiter. „Das hat uns sehr geholfen. Sonst wären wir jetzt schon abgesoffen.“
Auch der ärztliche Direktor der Kliniken sieht die Lage kritisch: Wenn sich die Patientenzahlen verdoppelten, wäre ein Verlegen von Schwerkranken nicht mehr möglich, so Klaus Kienle. Aktuell sei Triage noch kein Thema, es zeichne sich aber ab.
Den Pflegekräften, die nun schon zum vierten Mal an der Corona-Front Dienst täten, sei all das nur noch schwer zu erklären, so Kienle weiter. Die Mitarbeiter seien zunehmend erschöpft, ergänzt Hirtreiter. „Und auch wütend, weil so viele Patienten da sind, wo es nicht notwendig gewesen wäre, wenn es mehr Impfbereitschaft und Booster-Angebote gegeben hätte.“

Patientenverlegung aufgrund voller Krankenhäuser: Probleme für Kliniken und Ärzte

Bernd Hirtreiter berichtet, dass die die Arbeit erschwert würde, wenn Angehörige versuchen, eine Patientenverlegung zu verhindern. „Das ist eine wahnsinnige Kraftanstrengung. Wir haben nicht für jeden Patienten 30 Minuten Zeit, mit den Angehörigen zu telefonieren, um ihn zu verlegen.“
Seltener hingeben werden die Probleme mit wenig verständnisvollen Corona-Leugnern, so Kienle. Er berichtet von einem Fall, in dem sich ein schwer an Corona erkrankter Leugner der Krankheit gegen den ausdrücklichen ärztlichen Rat selbst entlassen habe. Zuhause habe sich sein Zustand dann derart verschlechtert, dass er schließlich den Notarzt gerufen habe. „Dieser Mann hat es nicht mehr lebend ins Krankenhaus geschafft.“

Corona in Bayern aktuell: Intensivstationen voll, Krankenhäuser teils am Limit

In Bayern ist die Zahl derer, die sich wegen eine Corona-Infektion aktuell in Behandlung in einem Krankenhaus befindet, nah an der 1000-Marke: Heute, am Mittwoch, 24. November 2021, lautet die Behandlungsfallzahl von Covid-19-Patientinnen und -Patienten in bayerischen Krankenhäusern 983. Von diesen werden aktuell 532 Menschen invasiv beatmet. Bereits seit Wochen sind die Intensivstationen in einigen städtischen Krankenhäusern und in bayerischen Landkreisen voll, oder wie es das Divi-Intensivregister ausdrückt: Der Anteil der freien Betten an der Gesamtzahl der Intensivbetten: 0 Prozent.

Intensivstationen Bayern: Hier gibt es keine freien Betten mehr

In diesen bayerischen Städten und Krankenhäusern folgender Landkreise gilt derzeit (Stand: 24.11.2021) die Kapazität von 0 Prozent:
  • Freising
  • Erding,
  • Ebersberg,
  • Kreis Ostallgäu
  • Kreis Unterallgäu
  • Aichach-Friedberg
  • Roth
  • Erlangen
  • Erlangen-Höchststadt
  • Würzburg Landkreis
  • Miltenberg
  • Kreis Aschaffenburg
  • Haßberge
  • Kreis Bayreuth
  • Schwandorf
  • Straubing
  • Dingolfing-Landau
  • Altötting

Patientenverlegung in Deutschland: Wie werden Patienten weiter verteilt?

Die Verteilung von Patientinnen und Patienten in Deutschland wird durch ein „Kleeblatt“-System geregelt. Am gestrigen Dienstag, 23.11.2021, aktivierten laut einer Pressemitteilung des Divi-Intensivregisters das Land Bayern (Kleeblatt Süd) sowie die Länder Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg (Kleeblatt Ost) offiziell das überregionale Kleeblatt-Konzept zur strategischen Verlegung von Intensivpatienten.
Wie funktioniert das Kleeblattkonzept? Deutschland wird demnach in fünf Regionen aufgeteilt, die Bundesländer zusammenschließen: Süd, Südwest, West, Nord und Ost. Wenn ein Krankenhaus an die Kapazitätsgrenze stößt, wendet es sich zunächst an Kliniken der Umgebung und im eigenen Bundesland. Wenn dies keine Lösung bringt, können Patientinnen und Patienten im ganzen Gebiet des Kleeblatts verlegt werden. Ist in der kompletten Kleeblatt-Region keine Kapazität mehr frei, kann auch in eine andere Kleeblatt-Sparte verlegt werden - also deutschlandweit.

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