Hitzewelle USA
: Lebensgefährliche Gluthitze in den USA - Wenn die Gefängniszelle zu heiß wird

24 Tage in Folge werden in der texanischen Stadt El Paso mehr als 37,7 Grad Celsius gemessen. Viele Gefängnisse haben jedoch nicht einmal eine Klimaanlage.
Von
David Hahn
Berlin
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In Phoenix, Arizona hat es den 17. Tag in Folge über 43 Grad Celsius Lufttemperatur. Insgesamt ist der Süden der USA unter einer Hitzekuppel gefangen. Das wird mitunter in Gefängnissen in Texas zum lebensbedrohlichen Problem.

Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Der Wetterbericht warnt in Texas vor „brutalen“ Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius. Insgesamt gibt es eine Hitzewarnung für den gesamten Süden der USA. Für Inhaftierte in den Gefängnissen des südlichen Bundesstaates ist das mitunter lebensgefährlich. In Tierheimen darf die Temperatur in Texas nicht über 29.5 Grad Celsius übersteigen. Hitzevorschriften für die Gefängnisse gibt es aber keine. Während die Gefängnisbehörde anzweifelt, dass die Hitze in Gefängnissen bereits zum Tod geführt hat, melden Angehörige und Studien, dass Inhaftierte zum Teil schwer mit den Temperaturen zu kämpfen haben und mitunter an Hitzeschlägen gestorben sind.

Wegen Hitze unbekleidet im Schlafsaal – Einziger Ventilator fällt aus

Er könne kaum atmen, sagte ein Inhaftierter im Fernsehsender KXAN in der texanischen Hauptstadt Austin. Einmal habe die Temperatur 47 Grad erreicht. „Mir war den ganzen Tag schlecht.“ Er wisse nicht, wie lange er das noch aushalte. Viele Inhaftierte leben in Betonzellen mit minimaler Belüftung.

Die Schwester eines in einer Anstalt in Beeville Inhaftierten, Angelica Ardila, berichtete im Sender KRIS in Corpus Christi (Texas) von schlimmen Zuständen, von denen ihr Bruder erzähle. Die Männer schliefen wegen der Hitze unbekleidet im Schlafsaal. Ein Ventilator solle abkühlen, „doch wenn es heiß wird, setzt er aus“. Die Männer stünden nachts auf zum Duschen, „bis der Ventilator wieder kühlt, und bald fängt alles wieder von vorne an“.

Todesfälle wegen Hitze in US-amerikanischen Gefängnissen

Im Goree-Gefängnis in Huntsville ist laut Medienberichten Ende Juni der 35-jährige Tommy McCullough gestorben. Eine Angehörige sagte, sie sei über einen Hitzeschlag informiert worden. Tommy habe trotz Hitzewarnungen Rasen mähen müssen - mit „sehr wenig Trinkwasser“. In der zweiten Juni-Hälfte seien „mindestens fünf Inhaftierte an Herzversagen gestorben“ in ungekühlten Gefängnissen, berichtete die Online-Zeitung „Texas Tribune“.

Studien unterstreichen die Gefahr durch Hitze für Inhaftierte

Laut einer Untersuchung der Texas A&M University in College Station in Texas im vergangenen Jahr für das Parlament von Texas hat die Gefängnisbehörde seit 1998 mindestens 23 Todesfälle wegen Hitze registriert. Die Zahl der hitzebedingten Todesfälle sei freilich schwer zu ermitteln, erklärte J. Carlee Purdum, Professorin am Umweltforschungszentrum der Universität, dem Hazard Reduction and Recovery Center. Jemand mit Herzversagen sterbe möglicherweise nicht „direkt an der Hitze“, doch jahrelanges Leben bei exzessiver Hitze schwäche die Gesundheit.

Eine Studie im Wissenschaftsmagazin „Journal of the American Medical Association“ kam 2022 zum Schluss, dass von 2001 bis 2019 etwa 13 Prozent der Todesfälle in texanischen Gefängnissen ohne Klimaanlagen in Verbindung stehen mit „extremer Hitze“.

545 Millionen Dollar zum Einbau von Klimaanlagen abgelehnt

Die Sprecherin der Gefängnisbehörde, Amanda Hernandez, zeichnet in einer Mail an den Evangelischen Pressedienst (epd) ein anderes Bild. Sie wisse von keinem „bestätigten Hitzetodesfall seit 2012“. „Wie Texaner, die zu Hause keine Klimaanlagen haben“, setzten Haftanstalten andere Methoden zum Kühlen ein. Jeder Inhaftierte bekomme Wasser und Eis. Ventilatoren würden „strategisch aufgestellt, um die Luft zu bewegen“. Man verlege gesundheitlich angeschlagene Häftlinge bevorzugt in Gefängnisse mit Klimaanlagen.

In der Legislaturperiode 2023 schlug das texanische Repräsentantenhaus angesichts eines Haushaltsüberschusses Ausgaben von 545 Millionen Dollar über mehrere Jahre zum Einbau von Klimaanlagen in Gefängnissen vor. Der Senat war dagegen. Letztendlich wurde kein Geld bewilligt.

(Mit Material der epd und AFP)