Hitze und Krankheiten
: Wie der Klimawandel die Gesundheit in Deutschland bedroht

Eine neue Studie des Robert Koch-Instituts belegt den Zusammenhang zwischen Klimawandel und den Gesundheitsproblemen der Bevölkerung in Deutschland.
Von
David Hahn
Berlin
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Laut der WHO gab es 2022 mit dem heißesten Sommer seit der Wetteraufzeichnung mindestens 15.000 Hitzetote in Europa. Der steigenden Temperaturen bringen aber noch andere Gefahren nach Deutschland.

Jens Büttner/dpa

An den steigenden Temperaturen durch den Klimawandel erfreuen sich nicht nur Sommerliebhaber, sondern auch neue Parasiten und Krankheitserreger. Für manche Personengruppen wird die Hitze gar zur tödlichen Gefahr. Die Ergebnisse der Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen deutlich, dass der Klimawandel ernsthafte Auswirkungen auf die Verbreitung von Krankheiten, Hitzewellen und andere gesundheitliche Risiken hat.

Verbreitung von Krankheitserregern und Gesundheitsrisiken

Die steigenden Temperaturen und veränderten Umweltbedingungen begünstigen laut RKI die Ausbreitung von Krankheitserregern in Deutschland. Insbesondere Zecken, die unter anderem die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, profitieren von den wärmeren Bedingungen. Die Studie zeigt einen deutlichen Anstieg der Zeckenpopulation in den letzten Jahren und eine zunehmende Verbreitung der Krankheitserreger. Mitunter verbreiten sich jedoch auch für Deutschland gänzlich neue Zecken- und Mückenarten wie die Hyalomma-Zecke oder die Tigermücke. Erstere ist zum Beispiel für die Übertragung von Fleckfieber verantwortlich. Die Tigermücke kann den Menschen mit Dengue-Fieber, Gelbfieber oder dem Zika-Virus anstecken. Zudem komme es verstärkt zur Vermehrung von Vibrionen im Wasser. Zu diesen zählt etwa das Bakterium Vibrio vulnificus, das natürlicherweise in Meer- und Brackwasser vorkommt - vermehrt bei Temperaturen ab circa 20 Grad. Schon durch sehr kleine Wunden können diese Erreger in die Haut eindringen. Bei älteren Personen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem müssen diese Infektionen laut RKI umgehend mit Antibiotika behandelt werden.

Die Gefahr von Hitzewellen

Der Sommer 2022 war in Europa der heißeste seit Beginn der Wetterufzeichnung. Im vergangenen Jahr verursachten Hitzewellen RKI-Angaben zufolge alleine in Deutschland etwa 4500 Todesfälle. Die zunehmenden Temperaturen führen zu einem Anstieg der Hitzetage und einer längeren Dauer von Hitzewellen. Dies kann zu einer Zunahme von hitzebedingten Krankheiten wie Hitzschlag, Sonnenstich und Dehydrierung führen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder und Personen mit Vorerkrankungen.

Klimaschutzpolitik muss auch Gesundheitspolitik sein

Die Studie des RKI betont die Bedeutung von Vorsorgemaßnahmen und politischen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels in Bezug auf die Gesundheit der Bevölkerung. Auf individueller Ebene sollten Menschen sich bewusst machen, wie sie ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten und sie sich vor den Folgen des Klimawandels auf die Gesundheit schützen können. Gleichzeitig müssten jedoch auch staatliche Institutionen und Entscheidungsträger geeignete Maßnahmen ergreifen. Diese Pläne hat die EU zur Eindämmung des Klimawandels.

Frühwarnsysteme und Hitzeschutzpläne gefordert

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehört beispielsweise die Verbesserung der Luftqualität, um Atemwegserkrankungen zu reduzieren. Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Verringerung des Einsatzes fossiler Brennstoffe könnten dazu beitragen, Luftverschmutzung und damit einhergehende Gesundheitsprobleme zu verringern. Auch die Förderung nachhaltiger Mobilität, wie beispielsweise der Ausbau des Fahrradwegenetzes und die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs, könnte positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben.

Darüber hinaus betont die Studie die Bedeutung von Frühwarnsystemen und Maßnahmen zur Anpassung an extreme Wetterereignisse. Dies umfasst die Entwicklung von Hitzeschutzplänen, die Bereitstellung von kühlen Aufenthaltsorten für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen und die Sensibilisierung der Bevölkerung für hitzebedingte Gesundheitsrisiken.

(Mit Material der dpa)

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