Donald Tusk
: Der Herausforderer und ehemalige EU-Ratspräsident im Porträt

Donald Tusk ist Vorsitzender der polnischen Partei Bürgerplattform (PO). Was ist über den Spitzenpolitiker in Polen bekannt? Alle Infos zu seiner Karriere und Co. gibt es hier.
Von
David Hahn
Warschau
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Donald Tusk bei der Stimmabgabe für die Parlamentswahl in Polen am 15.10.2023.

Petr David Josek/dpa

In Polen stehen am Sonntag, dem 15. Oktober 2023, die Parlamentswahlen an. Hier gibt es alle Infos rund um die Wahl. Donald Tusk tritt dabei als Spitzenkandidat für die Bürgerplattform (PO) an. Vom Widerstandskämpfer über das Amt des Ministerpräsidenten in Polen wurde er auch Präsident des Europäischen Rates. Nach seinen Jahren in der Politik auf europäischer Ebene ist er nun zurück in die Politik Polens zurückgekehrt. Zuletzt machte er mit seiner Partei Bürgerplattform (PO) Schlagzeilen, als diese während dem Wahlkampf in mehreren Städten Polens Proteste ausriefen, die angeblich allein in Warschau mehr als eine Million Menschen mobilisierten. Wer ist der Spitzenpolitiker aus Polen? Alle Infos rund um seine Karriere, Familie und Privates im Porträt von Donald Tusk.

Donald Tusk im Steckbrief: Alter, Beruf, Frau, Kinder, Hobbys

  • Name: Donald Tusk
  • Geburtstag: 22. April 1957
  • Geburtsort: Gdańsk, Polen
  • Partei: Bürgerplattform, polnisch: Platforma Obywatelska (PO)
  • Ausbildung: Studium der Geschichte an der Universität Gdańsk
  • Beruf: Politiker
  • Ehe: Małgorzata Tusk (1978-heute)
  • Kinder: Michał Tusk, Katarzyna Tusk
  • Hobbys: Fußball

Donald Tusk: Familie, Lebenslauf, Kindheit und Jugend

Die Großeltern von Donald Tusk waren Angehörige der Kaschuben, einer ethnischen Minderheit, die in der damaligen Freien Stadt Danzig lebte. Sie überlebten den Zweiten Weltkrieg trotz Zwangsarbeit und Inhaftierung sowohl im KZ Stutthof als auch im KZ Neuengamme. 1944 wurde Józef Tusk (1907–1987), der Großvater von Donald Tusk, zur Deutschen Volksliste zur Wehrmacht eingezogen. Drei Monate später, am 24. November 1944, trat er allerdings den polnischen Streitkräften im Westen bei. Donald Tusks Vater, ein Tischler, verstarb im Jahr 1972. Donald Tusk gab selbst an, als Jugendlicher Hooligan gewesen zu sein.

Politische Anfänge: Wie kam Donald Tusk in die Politik?

Während seines Studiums wurde Donald Tusk nach Angaben des Europäischen Rates politisch aktiv und engagierte sich in der oppositionellen Bewegung gegen das kommunistische Regime in Polen. Wie auch sein heutiger politischer Gegner Jarosław Kaczyński war er in der Solidarnosc Bewegung aktiv und ging daraus hervor. Im Zuge der Verhängung des Kriegsrechts durch General Jaruzelski im Dezember 1981 tauchte er vorübergehend im Untergrund ab. Anschließend fand er Beschäftigung als Brotverkäufer, und in der Zeit von 1984 bis 1989 spezialisierte er sich darauf, seinen Lebensunterhalt durch Arbeiten in großen Höhen mit Kletterausrüstung zu verdienen. Nach dem Fall des Kommunismus in Polen im Jahr 1989 begann Tusk seine politische Karriere in der neu entstandenen Demokratie. 2001 war er Mitbegründer der Bürgerplattform (Platforma Obywatelska, PO), einer liberalkonservativen Partei in Polen, und wurde zu deren Vorsitzendem gewählt. 2007 wurde Tusk zum Ministerpräsidenten Polens gewählt und führte das Land bis 2014. Anschließend verließ er die polnische Politik, um Präsident des Europäischen Rates zu werden, eine Position, die er nach seiner Wiederwahl in 2017 bis 2019 innehatte.

Politische Ausrichtung von Donald Tusk und seiner Partei Bürgerplattform (PO)

Laut der Bundeszentrale für politische Bildung hat die PO ihre Ursprünge sowohl in ideologischen als auch in personellen Verbindungen zu verschiedenen liberalen und konservativen Parteien sowie zur Solidarność-Bewegung. Sie wurde im Januar 2001 als eine liberale und konservative politische Partei von Donald Tusk mitgegründet. Von 2007 bis 2015 war sie Regierungspartei und stellte den Ministerpräsidenten mit Donald Tusk. Die Partei unterstützt die europäische Integration. Die PO steht zudem für eine liberale Wirtschaftspolitik, was von der konkurrierenden PiS oft als Vernachlässigung der Sozialpolitik kritisiert wird. Die Partei (PO) hat jedoch bereits vor den letzten Parlamentswahlen im Jahr 2019 ihre Verpflichtung zur Beibehaltung des Kindergeldes und zur Nichtüberprüfung der Rentenreformen bekräftigt. Ihre Positionen zu Themen wie gleichgeschlechtlicher Ehe, Beziehung zur Kirche und Abtreibung können variieren. In der Abtreibungsdebatte setzt sich die Partei derzeit für eine Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs bis zur zwölften Woche ein. In Bezug auf die Justizreformen der PiS-Regierung steht die PO eindeutig auf der Seite der EU.

Kontroversen um Donald Tusk und seine Partei Bürgerplattform (PO)

Die Partei ist seit mehreren Jahren mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie 2015, kurz vor der Amtsübergabe, zwei Richter für das Verfassungsgericht ernannt hat, obwohl ihre Amtszeit erst nach dem Regierungswechsel abgelaufen wäre. Weiterhin wurden Treffen in Restaurants abgehört, bei denen wichtige Politiker und Unternehmer politische Absprachen trafen. In Nobelrestaurants offenbarten seine Minister ihre Vorliebe für sündhaft teure Weine und ihre Verachtung für die Normalbürger. Dies verstärkte den Eindruck in Polen, dass die PO als abgehoben und elitär angesehen wird. Im Wahlkampf 2023 wurde von der PiS vor allem propagiert, dass die PO und Donald Tusk ein verlängerter Arm der EU und Deutschlands sei, sodass diese die politische Souveränität Polens untergraben würden.

(Mit Material der AFP und dpa)