Wie geht es weiter mit dem Alltag der Menschen in der Corona-Krise, die längst eine Corona-Katastrophe geworden ist? Ist ein Lockdown, der nach mehreren Verlängerungen und Verschärfungen der Maßnahmen offenbar die Zahlen zumindest nicht dauerhaft senken kann, noch das richtige Mittel, um die Pandemie in den Griff zu bekommen?
Die Mutationen des Coronavirus sind auf dem Vormarsch. Dazu auch neue, weit gefährlichere Varianten wie zuletzt das bis zu elfmal tödlichere Coronavirus B1427 in Kalifornien. Die auch hier in Deutschland verbreiteten Varianten wie B117 aus England drohen den bisherigen Erfolg zunichte zu machen.

Neue Corona-Strategien zur Öffnung: Schnelltests, EU-Impfpass, Stufenplan

Deswegen erwägen die Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Landesregierungen neue Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Krise, die über Kontaktvermeidung, Corona-Regeln, Schließungen oder gar weitere Lockdowns hinausgehen.
Dazu gehören unter anderem Öffnungs-Strategien mit
EU-Impfpass und einem
damit Geschäfte, Restaurants und Kultureinrichtungen wieder öffnen dürfen und damit Kontakte und Reisen und Urlaub 2021 wieder möglich werden.
Ist das realistisch? Auch wenn andere Lockerungsstrategien in den Fokus rücken, bleiben die aktuellen Fallzahlen wie Neuinfektionen und die längerfristigen Werte wie 7-Tage-Inzidenz und R-Wert maßgeblich für den Umgang mit der Corona-Pandemie. Das sind die aktuellen Zahlen für Deutschland am Samstag, 27.02.2021:

Neue RKI-Fallzahlen für Deutschland heute: Inzidenz, Neuinfektionen und Tote am 27.02.21

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit einigen Tagen wieder über die Marke von 60.
  • 7-Tage-Inzidenz: Die zur Lagebeurteilung und für Beschlüsse rund um den Lockdown maßgebliche 7-Tage-Inzidenz beziffert die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Der Wert liegt laut dem RKI am Samstagmorgen bei 63,8. „Zeit Online“ meldete am Samstag einen Wert von 66,9.
  • Zum Vergleich: Am Freitag betrug die Inzidenz laut RKI 62,6, am Donnerstag 61,7. Das bedeutet einen stetigen Anstieg in den vergangenen Tagen. Der bisherige Höchststand war am Dienstag, 22.12., mit 197,6 erreicht worden.
  • Zeit Online“ berichtete, dass es 9937 Neuinfektionen gibt. Die Zahlen von Zeit Online basieren auf den direkten Angaben aus den Landkreisen. Sie sind weniger als die Statistiken des Robert Koch-Instituts von verzögerten Meldeketten betroffen und können deshalb abweichen.
  • Infektions-Rekord: Der bisherige Negativ-Rekord bei den Neuinfektionen innerhalb eines Tages war am 18. Dezember vergangenen Jahres mit 33.777 Fällen.
  • Infizierte: Insgesamt wurden dem RKI zufolge seit Beginn der Pandemie in Deutschland 2.434.446 positiv getestete Fälle registriert. Die tatsächliche Zahl der Corona-Infizierten dürfte allerdings weit höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.
  • Tote: Nach Angaben des RKI wurden am Samstag 369 neue Todesfälle im Vergleich zum Vortag gemeldet. „Zeit Online“ meldete 448 neue Corona-Todesfälle.
  • Zum Vergleich: Am Samstag vor einer Woche hatte das Berliner RK-Institut 490 Tote binnen eines Tages gemeldet.
  • Damit hat es in Deutschland seit Beginn der Pandemie 69.888 Corona-Tote gegeben.
  • Höchststand der Todesfälle: Die meisten Todesfälle binnen 24 Stunden wurden am 14. Januar mit 1244 Toten gemeldet.
  • R-Wert: Das RKI gibt in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Dieser Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Dieser Wert lag am Samstagmorgen bei 1,08. Das bedeutet, dass rechnerisch 100 Infizierte weitere 108 Menschen anstecken. Am Vortag hatte der Wert bei 1,05 gelegen. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.
  • Nach Angaben von Zeit Online liegen aktuell 2848 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation.

Corona-Impfung in Deutschland: So viele Menschen haben den Impfstoff erhalten

  • Aktuelle Zahlen zum Impfquoten-Monitoring liefert das RKI werktags.
  • Die Zahl der Menschen mit einer ersten Impfung gegen Corona liegt laut RKI (Stand Samstag) bei 3.881.490
  • Die Zahl der Menschen, welche die zweite Dosis Impfstoff gegen das Coronavirus bekommen haben, beträgt 2.029.047.
  • Damit liegt die Impfquote der erstmals geimpften in Deutschland aktuell bei 4,7 Prozent, bei den zum zweiten Mal Geimpften Menschen bei 2,4 Prozent.

Kanzlerin Angela Merkel: Noch Jahre lang Impfung mit Corona-Impfstoff nötig

Der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Prof. Lothar Wieler, betonte jüngst, dass das Impfen die derzeit wichtigste Waffe gegen das Coronavirus sei. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel (66/CDU) hatte am Donnerstag, 26.02.2021 nach dem EU-Gipfel rund um den EU-Impfpass erklärt, dass man sich wegen der Mutationen über längere Zeit auf Impfungen einstellen müsse. Sie sagte, es könne sein, dass „wir über viele Jahre immer in der Lage sein müssen, mit Anti-Corona-Impfstoffen zu impfen“.
Corona-Impfungen sind laut RKI mit das wichtigste Instrument gegen das Coronavirus.
Corona-Impfungen sind laut RKI mit das wichtigste Instrument gegen das Coronavirus.
© Foto: Thomas Samson, afp

RKI-Chef Robert Wieler: Negative Trendumkehr bei Corona-Neuinfektionen

RKI-Präsident Lothar Wieler, sagte, bei den Infektionszahlen gebe es deutliche Signale einer Trendumkehr zum Schlechteren. „Wir müssen alle Maßnahmen weiter konsequent umsetzten, ansonsten steuern wir in eine dritte Welle hinein“, mahnte er. Varianten des Virus breiteten sich rasch aus. Eine, nämlich die Mutante B117, sei deutlich ansteckender und gefährlicher, und zwar für alle Altersgruppen.

RKI verschärft Hinweise an Ärzte: Quarantäne bei Mutations-Verdacht verlängern

Das Robert-Koch-Institut verschärfte seinen Hinweis für Ärzte und empfahl, bei einem Mutantenverdacht Infizierte vorsorglich 14 Tage per Quarantäne zu isolieren. Bisher enthielt die Empfehlung zu Virusvarianten dazu keine Angabe.

Kultusministerin Susanne Eisenmann will mit Tests weitere Schulen öffnen

Kultusministerin Susanne Eisenmann (56/CDU), die auch CDU-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl 2021 ist, will trotz der auch in Baden-Württemberg wieder steigenden 7-Tage-Inzidenz auch die weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg wieder öffnen – und das sogar schon bald. Sie strebt eine Rückkehr zum Präsenzunterricht am 8.03.2021 an:

Corona-Zahlen für Deutschland, USA und Co.: Die Fallzahlen der Johns-Hopkins-Uni

Die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, welche die Corona-Daten global erfasst, meldet am heutigen Sanstag (Stand 7.00 Uhr) weltweit rund 113.415.604 Infektionen mit dem Coronavirus bisher.
Gestorben sind demnach auf der Welt bisher mehr als 2.517.118 Menschen.
Die drei am stärksten Betroffenen Länder sind:
  • USA: 28.486.111 Infizierte und 510.458 Tote.
  • Indien: 11.063.491 Infizierte und 156.825 Tote.
  • Brasilien: 10.455.630 Infizierte und 252.835 Tote.
  • Deutschland folgt weiterhin auf dem weltweit 10. Rang mit laut JHU bisher 2.436.506 Infizierten und 69.939 Toten.

RKI-Dashboard: Aktuelle Corona-Zahlen für Deutschland

Das Robert Koch-Institut ist nach eigenen Angaben auf seiner Homepage „das Public-Health-Institut für Deutschland“. Das Team des Instituts möchte die Bevöl­ke­rung in Deutschland vor Krank­heiten schützen und ihren Gesundheits­zu­stand verbessern. Es besteht aus 1100 Menschen mit 90 verschiedenen Berufen.
Das Dashboard des RKI liefert während der Corona-Pandemie täglich die neuen Fallzahlen – für die gesamte Bundesrepublik, die Bundesländer, aber auch die darunter liegenden Kreise. Es zeigt unter anderem die Zahl der Neuinfektionen, Todesfälle und Genesenen an. Zum Dashboard geht es hier.

Reproduktionszahl, Neuinfektionen, Inzidenz und Co.: Die wichtigsten Corona-Kennzahlen erklärt

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden jeden Tag Fallzahlen veröffentlicht, die den Verlauf nachzeichnen sollen. Hier die Erklärung, welche Zahlen was bedeuten.

Reproduktionszahl (R-Wert)

Die Reproduktionszahl - oder kurz R-Wert - beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung ansteckt. Liegt die Zahl über eins, breitet sich eine Krankheit immer weiter in der Bevölkerung aus. Je weiter sie sich von der eins entfernt, desto schneller und bedrohlicher verläuft der Trend. Dabei handelt es sich aber immer nur um eine pauschale bundesweite Lageeinschätzung.
Es gibt außerdem gewisse Ungenauigkeiten durch Meldeverzüge und andere Faktoren. In Deutschland schwankt der Wert nach Schätzungen des RKI derzeit um eins. Nach Angaben der Experten dort gilt das schon als Erfolg und weist darauf hin, dass Gegenmaßnahmen zur Kontaktreduzierung wirken. Diese verringern die Chance, dass ein Infizierter weiterer Menschen ansteckt und drücken so den R-Wert. Sonst könnte dieser durchaus bei drei oder vier liegen.

Neuinfektionen

Der R-Wert allein sagt nicht unbedingt etwas aus über die Dramatik der gesamten Entwicklung. Sie ergibt sich erst aus der Kombination mit der Zahl der täglichen oder wöchentlichen Neuinfektionen. Der Grund ist einfach: Bei gleichem R-Wert macht es einen gewaltigen Unterschied, ob täglich 50.000 Ansteckungen hinzukommen oder einige hundert. Die Ausbreitungsdynamik ist theoretisch gleich, belastet die Kapazitäten der Gesundheitssysteme im Fall der höheren Zahlen allein durch die schiere Masse aber mit wesentlich größerer Wucht.
In Deutschland bewegt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen inzwischen zwischen 12.000 und 30.000 Fällen. Das ist ein extremer Anstieg in relativ kurzer Zeit. Noch Anfang Oktober lag die Zahl der täglich neu gemeldeten Fälle laut RKI bei nur tausend bis 4000. In anderen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch dramatischer.

Siebentage-Inzidenz

Die sogenannte Siebentageinzidenz ist ein zentraler Maßstab, um die Infektionsdynamik in einem bestimmten Gebiet zu beurteilen und über Gegenmaßnahmen zu entscheiden. Sie wird in Deutschland auf Gemeinde- oder Landkreisebene erfasst und drückt aus, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen registriert wurden.
Dahinter verbergen sich aber regional unterschiedliche Trends. Als wesentliche Schwelle zur Einführung strengerer Eindämmungsmaßnahmen wurde in Deutschland ein Inzidenzwert von 50 eingeführt, der inzwischen fast flächendeckend aber deutlich überschritten wurde.

Schwere Verläufe und Intensivbettenbelegung

Letztlich entscheiden nicht die Fallzahlen allein darüber, wie gut ein Land die Pandemie bewältigen kann. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, ob die Kapazitäten des Gesundheitssystems ausreichen, um die Erkrankten zu behandeln. Deshalb beobachten Experten und Politik sehr genau, wie sich die Zahl der schweren Verläufe und der verfügbaren Behandlungsplätze entwickelt.
Erstere wird vor allem dadurch beeinflusst, wie sich das Virus innerhalb der Risikogruppen verbreitet, bei denen schwere Verläufe viel wahrscheinlicher sind. Besonders genau betrachtet wird die Anzahl der Intensivpatienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind. Kapazitäten in diesem Bereich sind immer begrenzt, allein schon mit Blick auf das Fachpersonal.
Die Zahl ist auch noch aus anderem Grund ein wichtiger Maßstab bei Entscheidungen über die Eindämmungsmaßnahmen: Es gibt dabei keine Dunkelziffer. Anders als bei Meldezahlen zu Infektionen, die auch durch Teststrategien beeinflusst werden, gibt es bei den künstlich beatmeten Intensivpatienten in Kliniken keine „Untererfassung“. Zu beachten ist aber ein Zeitverzug von zwei Wochen. So lange dauert es nach einer Ansteckung, bis sich schwere Verläufe einstellen. Die Zahl der Intensivpatienten hinkt der Infektionsdynamik hinterher.