Beim nächsten Corona-Gipfel von Kanzlerin Merkel und den Länder-Chefs am 5.1.2021 wird beraten, wie es weitergeht in der Corona-Krise. Dort wird es um die von allen mit Spannung und Ungeduld erwartete Antworten auf die Kernfrage gehen, ob der Lockdown verlängert oder verschärft wird - oder ob mit Lockerungen zu rechnen ist. Diskutiert werden insbesondere die Bereiche
  • Kultur
  • Private Feiern

Wegen des Lockdowns derzeit kaum Reisen

Eines der wichtigsten Themen für die Deutschen ist - betrachtet man den zeitweise kaum zu kontrollierenden Ansturm auf Ausflugsgebiete nach Weihnachten - das Reisen. Aus Sicht von Virologen und Politik ein sehr heikler Punkt, denn die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Infektionszahlen mit der Reiselust und der Zahl der Urlauber - siehe der Ausbruch in Ischgl oder die steigende Kurve durch Reiserückkehrer nach den Sommerferien - in die Höhe schnellen.
Deswegen gelten aktuell in Deutschland strikte Beschränkungen, Gebote und Regeln der Bundesregierung:
  • Alle Bürgerinnen und Bürger bleiben aufgerufen, auf Reisen im In- und ins Ausland - beruflich oder privat - zu verzichten.
  • Für das Ausland gelten seit dem 1. Oktober weltweit individuelle Reisehinweise.
  • Eine Reisewarnung gilt automatisch für Corona-Risikogebiete.
  • Zurzeit hat die Bundesregierung knapp 150 von rund 200 Ländern weltweit als Risikogebiete eingestuft und warnt vor Reisen dorthin. Das bedeutet zwar kein Reiseverbot, soll aber eine möglichst große abschreckende Wirkung auf Touristen haben.
  • Allgemein halten sich die Deutschen dem Sender N-TV zufolge trotz großen Interesses noch beim Buchen zurück, weil die Lage ungewiss ist. Das könnte sich nach dem Gipfel aber schnell ändern.

Lockdown-Lockerungen beim Reisen - oder weiter Einschränkungen?

Ist mit dem nächsten Corona-Gipfel endlich eine Lockerung beim Reisen zu erwarten? Eher nicht. Aktuell zeigt der Ansturm von Tagesausflüglern auf die Skigebiete und andere Ausflugsziele, wo die Corona-Regeln offenbar komplett missachtet werden, dass hier gefährliche Infektionsherde entstehen können - das wissen auch jene, welche beim Gipfel über das Reisen beraten werden.
Und: Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland sinkt noch immer nicht wesentlich. Die für die Entscheidung über Lockerungen oder Verschärfungen entscheidende 7-Tage-Inzidenz liegt in Deutschland auch fast zwei Wochen nach Beginn des harten Lockdowns bei rund 158 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen 7 Tagen.
Andererseits wären Lockerungen bei Reisen innerhalb Deutschlands denkbar, da hier das Infektionsgeschehen im Gegensatz zu Reisen ins Ausland überschaubarer bliebe. Ebenfalls möglich wäre die viel diskutierte Frage, ob Menschen, die bereits gegen Corona geimpft sind, bei Lockerungen - und mithin auch beim Reisen - bevorzugt würden.
Nur jeder zehnte (9 Prozent) Deutsche glaubt daran, dass man im Sommer wieder überall Urlaub machen kann. 77 Prozent sehen das nicht kommen.

Was Kanzlerin Merkel zum Reisen in Corona-Zeiten sagt

Der Kurs von Kanzlerin Angela Merkel dürfte klar sein. Sie hatte bereits vor dem Beschluss des harten Lockdowns Mitte Dezember zum Thema Reisen über die Feiertage gefordert, dass Kontakte und Reisen weiterhin vermieden werden müssten, Hotelübernachtungen für Verwandtenbesuche halte sie mit Blick auf die Festtage „für falsch“.
An dieser Haltung dürfte sich nichts ändern, sofern die Fallzahlen bei Neuinfektionen und 7-Tage-Inzidenz bis zum nächsten Corona-Gipfel nicht signifikant sinken, also eine Inzidenz-Grenze von 50 unterschreiten. Und danach sieht es aktuell nicht aus. Vieles wird auch vom Erfolg der Massenimpfungen in Deutschland und auch in andern Ländern Europas abhängen. Die Impfaktion wird aber bis mindestens Mitte des Jahres dauern, bevor sie Wirkung zeigen kann.

Länderchefs sind skeptisch mit Blick auf mögliche Lockerungen

Mehrere Ministerpräsidenten, die am 5.1. beim Corona-Gipfel mit entscheiden werden, gehen davon aus, dass der Lockdown über den 10.1.2021 hinaus verlängert wird, und damit auch die Reise-Einschränkungen.
  • Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) etwa glaubt, dass man bis März mit Einschränkungen leben müsse.
  • Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte: "Wir sind noch nicht durch und wir müssen deutlich unter eine Inzidenz von 50 kommen, damit wir wieder in besserem Fahrwasser sind." Und das werde „noch eine lange Strecke". Sie sagte auch: „Die zweite Welle zeigt, dass es manchmal besser ist, Einschränkungen hinzunehmen. Was hatten diejenigen davon, die im Oktober die Testpflicht für Reisen aus Risikogebieten weggeklagt haben? Jetzt sind Hotels ganz geschlossen.“
  • Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) warnte vor zu hohen Erwartungen an Impfungen. Ob man im neuen Jahr direkt wieder über Lockerungen reden könne, sei durchaus zweifelhaft.
  • Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann setzt auf das Impfen: Am Ende lasse sich die Pandemie nur durch Impfen besiegen. „Die Alternative wäre eine Durchseuchung der Bevölkerung, das würde viele Jahre dauern und wäre mit Hunderttausenden Toten und mit schweren Erkrankungen zu bezahlen.“

Hotel-Branche ist pessimistisch hinsichtlich des Urlaubs in 2021

Die Hotel- und Gaststätten-Branche blickt in Sachen Reisen und Urlaub pessimistisch in das Jahr 2021. Lars Schwarz, Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern, rechnet laut dpa damit, dass es selbst bei günstigem Verlauf bis ins dritte Quartal dauern wird, bis genügend Menschen geimpft sind, um von einem ausreichenden Reiseverkehr für die Branche sprechen zu können. Im Umkehrschluss hieße dies, dass das Reisen abhängig von den Fallzahlen und der Durchimpfung der Bevölkerung ermöglicht wird.

Ferien früh planen und buchen: Urlaub 2021 in Deutschland wird begehrt sein

Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski prognostiziert nach einer gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut ipsos durchgeführten Umfrage unter Bundesbürgern, dass die Deutschen 2021 beim Reisen bescheidener sein würden. Über zwei Drittel der Befragten (70 Prozent) wollten in der kommenden Saison auf Auslandsreisen verzichten und Urlaub in Deutschland machen.

Reisen 2021 wird wohl teurer werden

Der Sender NTV zitiert Experten, denen zufolge das Reisen und Urlaub 2021 teurer werden könnte. Deswegen solle man - wenn ein aktuelles Angebot günstig erscheine, zugreifen Allerdings: Eine Reisewarnung ist immer möglich und sollte auch einkalkuliert werden. Hier ist man mit Pauschalreisen sicherer, weil das Stornieren leichter ist als etwa bei privat gebuchten Ferienwohnungen.

Das sind begehrte Reiseziele 2021

Der Reiseanbieter TUI verzeichnet jetzt schon eine steigende Nachfrage bei den Deutschen. "Der Trend zum Urlaub im eigenen Land wird sich in 2021 massiv fortsetzen", sagte ein Sprecher. Die deutsche Ostseeküste werde auch 2021 beliebteste Urlaubsregion innerhalb Deutschlands bleiben. Sehr gefragt seien auch neben
  • der Ostseeküste
  • der Schwarzwald,
  • der Bayerische Wald,
  • das Allgäu und
  • die Ostfriesischen Inseln.