Angesichts stark steigender Zahlen von infizierten Reiserückkehrern aus Kroatien hat Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) ihren Sommerurlaub in dem Mittelmeerland abgesagt. „Es ist für mich wirklich sehr, sehr schwer. Es ist die einzige Zeit im Jahr, die ich ungestört mit meinen Eltern verbringen kann“, sagte die Ministerin, die kroatische Wurzeln hat, dem „Münchner Merkur“ (Mittwoch). Ihre Eltern waren demnach Ende der 1960er Jahre nach Deutschland eingewandert.

Corona-Zahlen steigen: Ministerin Kaniber zufolge könnte Kroatien Risikogebiet werden

Die ganze Familie treffe sich jeden Sommer im Geburtshaus ihres Vaters, sagte Kaniber. Sie habe aber eine Vernunft-Entscheidung getroffen. Jeder müsse für sich selbst entscheiden, ob er seien Urlaub abbreche. Aber: „Ich rate zur Zurückhaltung.“ In Kroatien seien die Zahlen da hochgeschnellt, wo das Nachtleben tobe. Sie fürchte, dass es notwendig werde, Kroatien offiziell zum Risikogebiet zu erklären. „Die Lage dort hat sich doch sehr zugespitzt.“

Infektionen bei Reiserückkehrern: Kretschmann und Södern wollen Kroatien zum Risikogebiet erklären

Baden-Württemberg und Bayern hatten bereits gefordert, das Land zum Risikogebiet zu erklären. Die Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) und Markus Söder (CSU) hätten einen entsprechenden Schritt am Dienstag vereinbart, hieß es im Stuttgarter Staatsministerium. Kretschmann habe kein Verständnis dafür, dass diese Entscheidung in Berlin bislang noch nicht getroffen worden sei.

Coronazahlen mit Infektion im Ausland laut RKI gestiegen - Kroatien ein Infektionsherd

Fast 40 Prozent der zuletzt in Deutschland positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen haben sich im Ausland angesteckt. Das geht aus Daten des Robert-Koch-Instituts hervor. Von den bekannten Corona-Neuinfektionen in Meldewoche 33, bei denen es eine Angabe zum wahrscheinlichen Infektionsland gab, lag der Anteil der Ansteckungen im Ausland bei 39 Prozent. Zum Vergleich: In der Meldewoche 32 hatten sich 34 Prozent wahrscheinlich im Ausland infiziert, in der Meldewoche 31 waren es 21 Prozent. Am häufigsten wurden - auf vier Wochen betrachtet - der Kosovo, die Türkei, Kroatien, Bulgarien und Bosnien und Herzegowina als wahrscheinliche Infektionsländer genannt.

Gesundheitsministerin Huml gesteht Fehler - Bayern hält an Corona-Strategie fest

Trotz der erheblichen Panne bei der Übermittlung von Corona-Ergebnissen will die bayerische Staatsregierung grundsätzlich an ihrer Pandemie-Strategie mit kostenlosen Massentests festhalten. „Ja, es sind Fehler passiert. Ja, wir hatten Anlaufschwierigkeiten“, sagte die viel kritisierte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Mittwoch in einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses im bayerischen Landtag. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass Bayern sich in der Pandemie mehr engagiere als alle anderen Länder und dass die Probleme nach Bekanntwerden abgestellt wurden.