Der Ärzteverband Marburger Bund sagt angesichts steigender Infektionszahlen, dass die zweite Corona-Welle Deutschland bereits erreicht habe. Dabei sind die Zahlen hierzulande mit (Stand Montag, 10. 8. 2020) rund 217.800 Infektionen noch moderat im Vergleich zur Ausbreitung des Coronavirus international:
  • In den USA gibt es die meisten Infizierten mit bisher mehr als 5,06 Millionen Infektionen,
  • gefolgt von Brasilien mit 3,03 Millionen Fällen
  • und Indien mit 2,21 Millionen.
Deswegen suchen Experten, Forscher und Pharmaunternehmen weltweit nach einem Impfstoff, der die Corona-Pandemie aufhalten könnte. Doch wie ist der Stand bei der Entwicklung eines Impfstoffes? Die Meldungen schwanken zwischen Hoffnung und eher pessimistischen Prognosen. Die WHO hatte bereits am Wochenende allgemein zu Corona erklärt, sie rechne nicht mit einem baldigen Ende der Corona-Krise. Die Pandemie werde "sicher sehr lang" andauern. Aber es gibt Fortschritte, und positive Meldungen, etwa beim Biotech-Unternehmen Curevac in Tübingen, das seine Studie bald vorstellen will.

Russischer Impfstoff „Sputnik V“ gegen Corona vorgestellt

Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Dienstag die Zulassung des Impfstoffs „Sputnik V“ zur breiten Verwendung in der Bevölkerung bekanntgegeben. Sie erfolgte vor dem Vorliegen der Ergebnisse sogenannter Phase-III-Studien - ein Vorgehen, das dem international üblichen Ablauf widerspricht. Weder die Wirksamkeit noch die Nebenwirkungen lassen sich derzeit fundiert prüfen. Das löst international Kritik aus. Dessen ungeachtet wird die erste Charge des neuen russischen Impfstoffes innerhalb der nächsten zwei Wochen erwartet. zunächst sollen medizinisches Personal und Lehrer geimpft werden, parallel laufen weitere Tests an Probanden. Aber auch andere Länder forschen intensiv.

Das ist der Stand bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte sich bereits am vergangenen Dienstag optimistisch, dass es bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff schnelle Erfolge geben könnte. Er sei zuversichtlich, dass es so schnell wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte einen Impfstoff geben könne, sagte der CDU-Politiker. „Wir haben sehr vielversprechende Kandidaten, sehr vielversprechende Daten. Wenn das gelänge in den nächsten Monaten, wäre das tatsächlich die schnellste Impfstoffentwicklung der Menschheitsgeschichte.“

Jens Spahn: Anlass für viel Optimismus bei Impfstoff

Abgeschlossene klinische Phasen werde es sicherlich in den nächsten sechs Monaten geben. Spahn zufolge finden zur Zeit bereits Studien in „Phase drei“ statt, in denen am Menschen und „im Alltagsinfektionsgeschehen“ getestet werde. Das geschieht seinen Angaben zufolge vor allem in anderen Ländern mit größerem Ausbruchsgeschehen, nicht in Deutschland. „Dass wir da Ergebnisse, Erkenntnisse, abgeschlossene klinische Studien haben, da bin ich sehr sicher. Wie die dann am Ende aussehen, das kann ich ihnen nicht sagen. Aber ich sag nochmal, Stand heute, 4.8., besteht Anlass für viel Optimismus.“

Curevac aus Tübingen legt bald Ergebnisse vor

Erste Ergebnisse der Tübinger Impfstoff-Studie der Firma Curevac sollen Mitte September vorliegen. Bisher laufe es sehr gut, sagte Studienleiter Professor Peter Kremsner vom Institut für Tropenmedizin am Montag. Derzeit gebe es etwa 180 Probanden, die meisten davon in Tübingen. Kremsner zufolge beginnen demnächst Phase zwei und drei der Studie.

Biontech hat Studie mit Corona-Impfstoff gestartet

Das Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer haben Ende Juli mit den entscheidenden Tests zu einem ihrer Impfstoff-Kandidaten begonnen. „Wir starten unsere globale Studie, die bis zu 30.000 Teilnehmer umfassen wird“, sagte Biontech-Vorstandschef Ugur Sahin. Mit der klinischen Studie der Phase II/III soll unter anderem gezeigt werden, ob der Wirkstoff BNT162b2 tatsächlich vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 schützt.

US-Unternehmen Novavax: Erste Impfstoff-Tests gegen Corona an Probanden mit Erfolg

Eines der Unternehemen, die nach einem Impfstoff suchen, ist Novavax aus den USA. Ein experimenteller Coronavirus-Impfstoff der US-Biotech-Firma hat nach Angaben des Herstellers bei ersten Tests ermutigende Ergebnisse gezeigt. In der ersten Phase der klinischen Tests hätten alle Probanden Antikörper gegen das Coronavirus SARS CoV-2 entwickelt, erklärte das Unternehmen am Dienstag.

Impfstoff-Studie zu Corona-Impfstoff ohne schwere Nebenwirkungen

Bei den 131 Teilnehmern im Alter von 18 bis 59 Jahren habe es keine schweren Nebenwirkungen gegeben, hieß es weiter. Die Ergebnisse der in Australien durchgeführten Tests wurden jedoch noch nicht von unabhängigen Forschern geprüft und veröffentlicht.
Die ersten klinischen Tests mit wenigen Freiwilligen prüfen vor allem die Verträglichkeit eines Impfstoffs, dessen Wirksamkeit muss anschließend in wesentlich größeren Studien geprüft werden. Bislang ist noch nicht klar, ob und wie lange die Antikörper die Probanden tatsächlich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen können.

Göppingen

1,6 Milliarden Dollar für Tests und Produktion von Corona-Impfstoff

Novavax hat von der US-Regierung für die Impfstoffentwicklung Anfang Juli 1,6 Milliarden US-Dollar zugesprochen bekommen. Damit soll die Durchführung eines großen klinischen Tests mit bis zu 30.000 Teilnehmern und die Produktion von 100 Millionen Dosen des Impfstoffs NVX-CoV2373 finanziert werden. Die Firma hofft, diesen großen klinischen Test im Herbst zu starten. Weltweit gibt es zahlreiche Impfstoff-Kandidaten.

WHO: Bis Corona-Impfstoff kommt, die Hygieneregeln einhalten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vor zu viel Optimismus bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus gewarnt. "Im Moment gibt es kein Allheilmittel, und vielleicht wird es nie eines geben", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Deshalb sei weiterhin der beste Schutz, alle Standardregeln zum Schutz vor Corona wie etwa
  • das Tragen von Masken,
  • häufiges Händewaschen
  • und Abstandhalten
zu befolgen. Weltweit wird derzeit unter Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das neuartige Coronavirus geforscht, dabei werden verschiedene Ansätze verfolgt. Auch die deutschen Unternehmen Biontech und Curevac sind daran beteiligt. CureVac und Biontech erhielten als erste deutsche Firmen die Genehmigung zur klinischen Prüfung eines möglichen mRNA-basierten Impfstoffs gegen SARS-CoV-2.