Urlaub Mallorca Corona
: Hotelbetreiber in Sorge - TUI-Aktie rauscht in den Keller

Die deutsche Reisewarnung für Mallorca stellt die dortige Tourismusbranche vor schier unlösbare Probleme. Gesundheitsminister Spahn äußert Verständnis, bleibt in der Sache aber hart. Hoteliers erwarten jetzt Schließungen. Manche glauben indes noch an Wunder.
Von
dpa
Madrid/Berlin
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  • Wenn die Touristen ausbleiben: Viele Besitzer von Geschäften auf Mallorca fürchten um ihre Existenz nach der deutschen Reisewarnung für Spanien.

    Wenn die Touristen ausbleiben: Viele Besitzer von Geschäften auf Mallorca fürchten um ihre Existenz nach der deutschen Reisewarnung für Spanien.

    JAIME REINA
  • An employee of an aid organisation takes a sample of a woman at a newly established Corona testing station in Dortmund, western Germany, on August 1, 2020, amid the new coronavirus COVID-19 pandemic. - The state government is setting up test centres for the corona virus for people returning from their holidays form high-risk areas. (Photo by Ina FASSBENDER / AFP)

    An employee of an aid organisation takes a sample of a woman at a newly established Corona testing station in Dortmund, western Germany, on August 1, 2020, amid the new coronavirus COVID-19 pandemic. - The state government is setting up test centres for the corona virus for people returning from their holidays form high-risk areas. (Photo by Ina FASSBENDER / AFP)

    INA FASSBENDER
  • (FILES) In this file photo taken on June 25, 2020 an aircraft of the German airline Lufthansa starts from "Franz-Josef-Strauss" airport in Munich, southern Germany, amid the novel coronavirus Covid-19 pandemic. - German airline giant Lufthansa said on August 8, 2020 it made a net loss reaching 1.5 billion euros ($1.7 billion) in the second quarter as the coronavirus pandemic slammed the brakes on travel. (Photo by Christof STACHE / AFP)

    (FILES) In this file photo taken on June 25, 2020 an aircraft of the German airline Lufthansa starts from "Franz-Josef-Strauss" airport in Munich, southern Germany, amid the novel coronavirus Covid-19 pandemic. - German airline giant Lufthansa said on August 8, 2020 it made a net loss reaching 1.5 billion euros ($1.7 billion) in the second quarter as the coronavirus pandemic slammed the brakes on travel. (Photo by Christof STACHE / AFP)

    CHRISTOF STACHE
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Hotelunternehmer auf Mallorca sind wegen der Corona-Krise in Sorge und machen sich nach der deutschen Reisewarnungauf das Schlimmste gefasst. „Ich bin zum Schließen verurteilt. Mein einziger Kunde ist Tui. Wenn das Hotel in einer Woche geleert wird, muss ich in zehn Tagen dicht machen„, zitiert die Zeitung „Diario de Mallorca“ am Sonntag einen Hotelier an der Playa de Palma. Diese Gegend mit ihren vielen Hotels werde ohne die deutschen Urlauber ihren Sinn und ihre Bedeutung verlieren. „In einer Woche oder in zehn Tagen ist hier alle leer“, zitiert die Zeitung einen anderen Unternehmer. Mit dem deutschen Veto gegen Reisen nach Mallorca hätten sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet. Für den Tourismus sei das ein „Todesstoß“, schrieb die Zeitung.

Corona in Spanien: TUI kritisiert Reisewarnung für deutsche Urlauber

Auch das deutsche TourismusunternehmenTUI hat die am Freitag verhängte Reisewarnung für die spanische Insel Mallorca kritisiert. „Wir bedauern, dass Deutschland nun eine Reisewarnung für ganz Mallorca ausgesprochen hat“, sagte der zuständige TUI-Manager Thomas Ellerbeck der „Rheinischen Post“ (Montagsausgabe). Eine regionale Reisewarnung, etwa für die Orte Palma oder Magaluf, wo erhöhte Fallzahlen festgestellt worden seien, wäre demnach besser gewesen.

Die meisten Urlauber seien sehr verantwortungsvoll und hielten sich an die Regeln, sagte Ellerbeck. Die pauschale Warnung sei auch deshalb fragwürdig, weil große Teile der Insel von der Pandemie nur minimal betroffen seien. Es habe in keinem Hotel der TUI in Mallorca einen Vorfall gegeben. Der Konzern und auch der Deutsche Reiseverband (DRV) erklärten, sie hofften auf ein baldiges Ende der Reisewarnung.

Der Einbruch im Tourismusgeschäft ist schon jetzt historisch. Im vergangenen Rekord-Jahr kamen mehr als 16 Millionen in- und ausländische Urlauber auf die Balearen-Inseln, zu denen auch Mallorca gehört. Die Einnahmen lagen bei mehr als 16 Milliarden Euro. Dieses Jahr lagen die Einnahmen bis Ende Mai wegen des Lockdowns nahe Null. Ab Juni durften wieder Urlauber aus der EU und Schengenstaaten einreisen. Aber es kamen nur wenige und die Einnahmen waren wie ein Tropfen auf den heißen Stein: knapp 43,5 Millionen Euro, ein Minus im Vergleich zum Vorjahresmonat von gut 98 Prozent. Zugleich laufen die Kosten der auf Massentourismus ausgelegten Hotels, Restaurants und Nachtlokale weiter. Lange ist das wirtschaftlich nicht durchzuhalten. In normalen Zeiten trägt die Branche 35 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Inseln bei.

Risikogebiet Spanien - Gesundheitsminister Spahn bleibt bei Reisewarnung hart

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte Verständnis für die schwierige Lage, blieb in Sachen Risikogebiet und Reisewarnung aber hart. Er wisse, was diese Entscheidung der Regierung für viele Urlauber, für Reisebüros oder auch für Spanien bedeutet, sagte der Minister am Samstag. „Aber leider steigen die Infektionszahlen dort stark, zu stark.“ In der ARD betonte Spahn, eine Reisewarnung sei kein Reiseverbot. Man könne und solle den Urlaub auch fortsetzen, jedoch wachsam sein, Abstand halten, Hygieneregeln beachten und in bestimmten Situationen Alltagsmasken tragen. „Das Virus macht keine Ferien. Deswegen müssen wir in den Ferien, im Urlaub auch gut aufeinander aufpassen.“

Die Bundesregierung hatte am Freitag die bislang für einige spanische Regionen geltende Reisewarnung auf das gesamte spanische Festland sowie die Balearen mit Mallorca ausgedehnt. Ausgenommen von der Reisewarnung, die Pauschaltouristen eine kostenlose Kündigung des Reisevertrages ermöglicht, sind nur die Kanarischen Inseln.

Corona-Reisewarnung für Spanien - Deutsche Urlauber gelassen

Deutsche Urlauber, mit denen die Deutsche Presse-Agentur sprechen konnte, gehen indes ziemlich entspannt mit der Lage um. Die drei Freunde Sabine, Alex und Renate aus Hildesheim sind erst am Samstagmorgen in Mallorca angekommen. „Wir haben gestern Abend im Internet gesehen, dass Mallorca jetzt Risikogebiet ist. Aber unsere Koffer waren ja schon gepackt, eine andere Option gab es nicht“, sagt die 29-jährige Renate. Ihre Urlaubsstimmung wollen sie sich auf jeden Fall nicht vermiesen lassen. Das könnte durchaus klappen, denn so leer und entspannt wie dieses Jahr sind die Balearen mit Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Mieser Stimmung sind da schon eher die einheimischen Geschäftsleute. Er hätte sich „mehr Solidarität“ von deutscher Seite gewünscht, sagt Juan Miguel Ferrer, Betreiber eines Lokals an der Playa de Palma, der dpa. Er hätte es besser gefunden, wenn Experten aus Deutschland die Lage vor Ort geprüft hätten, statt ihre Entscheidungen nur auf Statistiken zu gründen. Schließlich sei ein Urlaubsort wie die Playa de Palma mit vielen Bars unter freiem Himmel ein risikoarmes Gebiet.

Coronazahlen auf Mallorca - Grenzwert an Neuinfektionen überschritten

Die Statistiken der eigenen Inselregierung aber sind eindeutig. Die Zahl der Neuinfektionen während sieben Tagen liegt eindeutig über der Grenze von 50 je 100 000 Einwohner - das ist das wichtigste Kriterium für die Entscheidung, ob eine Region oder ein Land als Risikogebiet eingestuft wird. Die Grenze wird auch auf dem spanischen Festland gerissen, nur nicht auf den Kanaren. Die Inselgruppe im Atlantik ist deshalb nicht Risikogebiet und von der Reisewarnung ausgenommen.

Der regionale Tourismusminister Iago Negueruela übte sich in Zweckoptimismus. Er sei überzeugt, dass die Corona-Zahlen bald fallen und die Beschränkungen dann wieder aufgehoben würden, berichteten lokale Medien. Auch der Unternehmer Ferrer hofft auf ein Wunder. „Wenn es gelingt, die Zahlen wieder zu senken, hoffen wir auf eine Verlängerung der Saison, und dass auch im Oktober noch Radfahrer oder anderer Urlaubergruppen kommen“, sagte er dpa. Es gab aber zunächst keine Anzeichen, dass die Corona-Zahlen sinken und Deutschland die Reisewarnung schon bald wieder aufheben würde.

Urlaub während Corona - Testpflicht für Heimkehrer

Derzeit sind nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) rund 30 000 deutsche Pauschaltouristen auf den Balearen. Allerdings gebe es noch keinen Überblick darüber, wie viele Urlauber in den nächsten Tagen vorzeitig abreisen wollten, sagte DRV-Sprecher Torsten Schäfer der dpa. Nach Angaben des DRV werden alle Reiseveranstalter in den kommenden Tagen geplante Reisen zu den von der Reisewarnung betroffenen Zielen absagen. Das gehört zum Standardverfahren nach einer Reisewarnung, die zwar kein Reiseverbot bedeutet, aber Pauschaltouristen eine kostenlose Kündigung des Reisevertrages ermöglicht.

Für Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten gilt generell schon seit einigen Wochen, dass sie sich beim Gesundheitsamt melden und Angaben zu Symptomen und einem eventuellen Corona-Test machen müssen. Seit dem vergangenen Wochenende greift zudem eine Testpflicht bei der Heimkehr: Wer kein negatives Test-Ergebnis von kurz vor der Abreise dabei hat, muss sich nach der Ankunft in Deutschland testen lassen. Das heißt: Entweder man lässt sich noch im Urlaubsland höchstens 48 Stunden vor der Abreise testen und legt einen Negativ-Nachweis in deutscher oder englischer Sprache vor. Tests im Ausland sind aber selbst zu zahlen. Oder man lässt sich nach Rückkehr in Deutschland testen, was drei Tage lang kostenlos möglich ist.

Wegen Neuinfektionen und Reisewarnung - Aktien der Tourismusanbieter brechen ein

Steigende Corona-Neuinfektionen und die deutsche Reisewarnung für fast ganz Spanien haben am Montag an den Börsen die Aktien der Reise- und Tourismusanbieter belastet. Am deutschen Markt traf es erneut die Papiere der Lufthansa, die im Dax um 1,7 Prozent nachgaben. Auch die Aktien des Flughafenbetreibers Fraport verloren im MDax der mittelgroßen Werte 1,5 Prozent. Der europäische Reise- und Freizeitsektor war mit minus 0,6 Prozent der schwächste aller 19 Sektoren.

Nachdem das Auswärtige Amt wegen hoher Corona-Zahlen fast ganz Spanien einschließlich Mallorcas - mit Ausnahme der Kanaren - zum Risikogebiet erklärt hat, sagte der Reisekonzern Tui alle Pauschalreisen dorthin ab. Den Kunden werden Umbuchungen angeboten. Die an der Londoner Börse notierten Aktien von Tui büßten daraufhin 3,3 Prozent ein.

Reisewarnung für Spanien - Lufthansa hält trotz Corona-Neuinfektionen an Plänen fest

Die Experten von der Commerzbank wiesen darauf hin, dass die von der Warnung betroffenen Reiseziele „im Normalfall“ mehr als ein Fünftel aller Reiseziele im Portfolio von Tui beträfen. Gegenwärtig seien es weniger, nicht zuletzt wegen einer 14-tägigen Quarantäne, die in Großbritannien erlassen wurde. Bei Tui seien die vergangenen Wochen enttäuschend verlaufen, so die Analysten. Dank der staatlichen Unterstützungen für das Unternehmen werde dieses es aber wohl über den Winter schaffen.

Die Lufthansa hingegen will trotz der Reisewarnung an ihren Planungen für das Land festhalten. „Lufthansa und Eurowings fliegen auch weiterhin nach Spanien - inklusive Mallorca. Pro Woche sind es allein 180 Flüge aus Deutschland nach Palma“, zitierte die „Bild“-Zeitung am Sonntag einen Sprecher des Konzerns.

Auch die Aktien der vom Tourismus stark abhängigen Billigflieger Ryanair und Easyjet mussten zum Wochenbeginn Federn lassen: Die Papiere fielen an der Londoner Börse jeweils um 1,4 Prozent.