Deutschland stuft das gesamte Vereinigte Königreich seit Samstag, 24. Oktober, als Risikogebiet ein, was auch mit einer Reisewarnung durch das Auswärtige Amt verbunden ist. Hart trifft es dabei vor allem die Finanz- und Wirtschaftsmetropole London, die auch für Kontinentaleuropa viele Dienstleistungen erbringt und daher ein wichtiges Ziel für Geschäftsreisen ist. Mindestens bis zum 8. November (neue Quarantäne-Regeln und Inkrafttreten der digitalen Einreiseanmeldung) dürfen sich Deutsche aus vielen Bundesländern zwar 48 Stunde im Risikogebiet aufhalten, ohne anschließend in Quarantäne zu müssen. Allerdings stornieren immer mehr Firmen anstehende Reisen für ihre Mitarbeiter.
Die Reisewarnung gilt auch für Gibraltar. Lediglich folgende britische Krongebiete in Europa sind ausgenommen (Stand: 26.10.):
  • Guernsey
  • Jersey
  • Isle of Man

Regionale Lockdowns in Großbritannien

Wegen der steigenden Corona-Zahlen gilt für viele Regionen in Großbritannien bereits wieder ein lokaler Lockdown. Für das Land als Ganzes hat Premier Boris Johnson zumindest damit gedroht. In der nordenglischen Großstadt Manchester wurde am Dienstag ein Lockdown gegen den Willen des Labour-Bürgermeisters verhängt, nachdem sich der Gemeinderat und die Regierung nicht auf Hilfen für Corona-Geschädigte einigen konnten. Auch in weiteren Großstädten könnten in den nächsten Tagen ähnliche Entscheidungen folgen.
Einreise Quarantäne Grenze Debatte um neue Grenzkontrollen

Berlin/München

Reisewarnung für ganz Großbritannien – Lockdown in Wales

Der Landesteil Wales führt wegen der Corona-Pandemie ab 23. Oktober einen zweiwöchigen Lockdown ein. Dies sei notwendig, um die Ausbreitung des Erregers etwas zu bremsen und das Gesundheitswesen vor dem Kollaps zu bewahren, teilte der Regierungschef von Wales, Mark Drakeford, in Cardiff mit.
Die strengen Kontaktbeschränkungen sollen vom 23. Oktober bis zum 9. November gelten. Wer könne, müsse in dieser Zeit seiner Arbeit zu Hause nachgehen. Freizeitaktivitäten und Tourismus seien dann untersagt. Nur Geschäfte mit lebensnotwendigen Waren dürfen den Angaben zufolge öffnen, Pubs und Restaurants bleiben geschlossen. Auch Treffen verschiedener Haushalte - ob drinnen oder draußen - seien verboten.

Kritische Corona-Lage auch in Nordengland

Auch in Liverpool stoßen einige Kliniken laut der Deutschen Welle schon an ihre Kapazitätsgrenzen: Dort ist demzufolge viel Klinikpersonal erkrankt und steht unter Heimquarantäne. Kritisch ist die Lage darüber hinaus in den englischen Städten Nottingham, Sheffield und Newcastle. Britische Kliniken gelten als chronisch unterfinanziert und stehen schon bei größeren Grippewellen oft vor dem Kollaps.

Johnson will keinen Lockdown für ganz Großbritannien

Wissenschaftliche Berater drängen Premierminister Boris Johnson schon lange, wieder einen nationalen Lockdown wie im Frühjahr anzuordnen. Nicht nur Wales, sondern auch der Norden Englands, Teile von Schottland sowie Nordirland sind stark von der Pandemie betroffen. Doch Johnson will mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen warten.

Risikogebiete und Reisewarnungen im Vereinigten Königreich

Die schwierige Lage spiegelt sich auch in der Liste der Risikogebiete beim Robert-Koch-Institut wider, denn Wales und Nordirland waren darin seit 30. September aufgeführt, Schottland und Teile Englands seit 2. Oktober. Für Schottland sind inzwischen auch ein Alkoholverbot und eine verschärfte Sperrstunde in der Gastronomie erlassen worden.
Zum Stichtag 24. Oktober wurde das gesamte Land als Risikogebiet eingestuft. Damit gilt automatisch auch überall eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts und Reiserückkehrer müssen sich nach einem Aufenthalt von mehr als 48 Stunden in Quarantäne begeben oder einen Test absolvieren.

Das sind die aktuellen Corona-Zahlen für das Vereinigte Königreich:

Großbritannien meldete (Stand, Mittwoch, 26. Oktober 2020 11:03 Uhr) folgende Zahlen:
  • Zahl der Infektionen: 873.800
  • An oder mit COVID-19 Verstorbene: 58,164
Die in Baltimore ansässige Johns Hopkins University (JHU) bietet auf ihrer Corona-Karte einen internationalen Überblick über die Lage der Pandemie. Täglich werden neue Fallzahlen veröffentlicht. Diese Zahlen meldete die JHU am Montag, 26. 10.
Zahl der Infektionen gesamt: 876.840
  • Zahl der Todesfälle: 44.986
  • Zahl der Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden: 19.797
(Daten laut JHU, Stand: 26. Oktober, 11:03 Uhr)

Zweite Corona-Welle in Großbritannien schlimmer als die erste?

Großbritannien steht nach Ansicht von Wissenschaftlern an einem „Scheideweg“ in der Corona-Krise. Dem Land stünden schwere Zeiten bevor, erklärte der Epidemiologe Jonathan Van-Tam. „Leider wird in den kommenden Wochen, genau wie die Nacht auf den Tag folgt, die Zahl der Todesfälle zunehmen.“ Er forderte die Briten auf, ihre sozialen Kontakte einzuschränken. Van-Tam gehört zu den Beratern der Regierung von Premierminister Boris Johnson.
Van-Tam schätzt das mögliche Ausmaß der zweiten Welle dramatischer ein als das Ausmaß der ersten, da nun der Winter bevorsteht. „Die Jahreszeiten sind gegen uns“, sagte der Experte. Zudem wird mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet, da es nicht genug Tests im Land gibt.

Corona-Welle an britischen Universitäten

Laut Robert-Koch-Institut hat dieZahl der Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner in Nordirland und Wales längst die Schwelle von 50 überschritten. Eine Corona-Welle grassiert, wie britische Medien berichten, insbesondere an Universitäten im ganzen Land. In manchen Städten befinden sich Studenten in ihren Wohnheimen in Quarantäne. Wer sich nicht daran hält, kann über ein System mit Gelber und Roter Karte sogar seinen Studienplatz verlieren.

Corona-Zahlen London: Über 1000 Infektionen am Tag

Allein in London gibt es aktuell über 1500 neue Corona-Infektionen am Tag. Besonders kritisch war die Lage laut Medien unter anderem im Londoner Wahlkreis von Premier Boris Johnson. Dieser hat höhere Werte als andere Gebiete, die sich bereits im Lockdown-Modus befinden.

„Boris Johnson hat keine Ahnung“: Corona-Kritik von Oppositionsführer Keir Starmer

Der britische Oppositionsführer Keir Starmer warf seiner Regierung vor, die Kontrolle über das Virus verloren zu haben. Premier Boris Johnson steht zunehmend in der Kritik, die sogar aus den eigenen Reihen kommt. In mehreren Interviews konnte der Regierungschef wiederholt Fragen auf regionale Corona-Regeln in Großbritannien nicht korrekt beantworten.