Das nächste Land zieht in der Corona-Krise nach und verschärft seine Regeln mit einem Lockdown: Nach Deutschland und Österreich verhängt jetzt auch England einen Lockdown wegen stark steigender Infektioneszahlen. Das öffentliche Leben wird erneut radikal heruntergefahren: Der britische Premier, Boris Johnson, hat für den November einen zweiten Teil-Lockdown angekündigt. „Bleiben Sie zuhause, schützen Sie das Gesundheitssystem, retten Sie Leben“, appellierte Johnson am Samstag an seine Landsleute.

Was bleibt trotz Lockdown in England weiter geöffnet?

Ab Donnerstag bleiben in England nur noch folgende Bereiche während des Lockdowns geöffnet:
  • Schulen
  • Universitäten
  • notwendige Geschäfte

Lockdown in England - Diese Einrichtungen und Bereiche müssen schließen

Folgende Einrichtungen und Bereiche müssen wegen des Corona-Lockdowns bis zum 2.12.2020 schließen:
  • Kultureinrichtungen
  • Sportzentren
  • Freizeiteinrichtungen
  • nicht-lebensnotwendige Geschäfte
  • Restaurants
  • Pubs

Ausgangsbeschränkungen - Nur dann dürfen Engländer während des Lockdowns raus

Treffen mit anderen Haushalten sind bis auf wenige Ausnahmen verboten. Die Engländer sollen ihre Wohnungen nicht mehr ohne triftige Gründe verlassen. Dazu zählt folgendes - Ausnahmen für Ausgangsbeschränkungen in Engalnd:
  • Arbeit
  • Sport treiben
  • Erholung
  • Pflege Angehöriger
Die vierwöchigen Restriktionen seien ausreichend, um einen Effekt auf die Ausbreitung des Erregers zu haben. „Es gibt Licht am Ende des Tunnels“, sagte Johnson am frühen Abend.

Erste OPs in England wegen Corona verschoben

„Das Virus breitet sich derzeit schneller aus, als es unsere wissenschaftlichen Berater in einem Worst-Case-Szenario angenommen haben“, sagte Johnson. „Jetzt ist es Zeit zu handeln, denn es gibt keine Alternative.“ Die Maßnahmen seien notwendig, um den staatlichen Gesundheitsdienst NHS vor einer erneuten Überlastung zu schützen. In den ersten Regionen im Norden Englands sind bereits erste Operationen wieder verschoben werden, weil die Covid-19-Fälle auf den Intensivstationen drastisch zunehmen.

Ausschweifende Partys vor dem Lockdown

Kurz vor Inkrafttreten des Teil-Lockdowns hatte die Polizei alle Mühe, ausschweifende Feiern zu verhindern. In Merseyside im Nordwesten Englands wurden Einsatzkräfte am Mittwochabend sogar mit Feuerwerkskörpern attackiert. Hunderte Menschen wollten dort nach altem Brauch mit einem Feuerwerk an den vereitelten Anschlag des katholischen Extremisten Guy Fawkes am 5. November 1605 auf den protestantischen König James I. erinnern. Verschwörer um Fawkes wollten den König mit Schießpulver im Parlament in die Luft sprengen.
In vielen englischen Städten, vor allem in der Hauptstadt London, wurde ausgiebig gefeiert. Menschenmengen drängten sich durch Straßen, viele Partygänger waren betrunken. „Das ist wie Silvester hier“, sagte ein Mann. In Südengland gab es eine Massenschlägerei; die Polizei von Sussex nahm mehrere Menschen fest.

Aktuelle Corona-Fallzahlen für Großbritannien am Samstag, 31.10.2020

Daten laut Johns Hopkins University, Stand: 5.11.2020, 20:24 Uhr
  • Infektionen gesamt: 1.102.328
  • Zahl der Neuinfektionen innerhalb eines Tages: 25.205
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Corona: 47.832
Alkoholverbot Schottland Corona-Zahlen In Schottlands Pubs herrscht jetzt Alkoholverbot

Edinburgh

Vorwurf an Johnson: Falsch auf die Pandemie reagiert

In den vergangenen zwei Wochen zählte Großbritannien mit seinen rund 68 Millionen Einwohnern laut EU-Seuchenbehörde ECDC etwa 465 Fälle pro 100.000 Menschen. Für den staatlichen Gesundheitsdienst NHS gilt nun die höchste Warnstufe. Man steuere auf eine „ernste Situation“ zu, sagte NHS-England-Chef Simon Stevens dem Sender BBC.
Premierminister Johnson wird vorgeworfen, zu spät und falsch auf die Pandemie reagiert zu haben. Er räumte Mängel am Testsystem und bei der Nachverfolgung ein. Seine Regierung setzt nun große Hoffnungen auf Schnelltests: So soll am Freitag in Liverpool ein Pilotprojekt starten, bei dem allen Bürgern Schnelltests angeboten werden sollen.
Finanzminister Rishi Sunak gab am Donnerstag im Parlament in London eine Verlängerung des „Furlough“-Programms an, das der deutschen Kurzarbeit ähnelt. Es soll nun bis Ende März gehen. Die Unterstützung sollte eigentlich schon Ende Oktober auslaufen und durch ein weniger großzügiges Hilfsprogramm ersetzt werden.

Strengere Coronaregeln bereits bei Nachbarn Schottland, Wales und Nordirland

Schottland, Wales und Nordirland machen ihre eigenen Regeln. Dort gelten bereits weitgehend deutlich schärfere, temporäre Corona-Maßnahmen als bisher in England.