Wegen dramatisch steigender Infektionszahlen stuft die Bundesregierung ganz Italien ab Sonntag als Corona-Risikogebiet ein. Zudem wurden am Freitag das gesamte portugiesische Festland, fast ganz Schweden sowie Dänemark mit Ausnahme der Inseln Grönland und Färöer auf die vom Robert Koch-Institut (RKI) geführte Risikoliste gesetzt. Auch ganz Nordgriechenland und die Provinz um Athen sowie einzelne Regionen in Estland, Lettland, Litauen und Norwegen kommen hinzu.

Kein Land in Europa ohne Risikogebiet

Damit gibt es kein Land mehr in Europa ohne Risikogebiet. Bis auf zwei kleine Gemeinden in Österreich ist nun auch das komplette Grenzgebiet zu Deutschland in den neun Nachbarländern betroffen.
Die Einstufung als Risikogebiet und die damit automatisch verbundenen Reisewarnungen des Auswärtigen Amts bedeuten zwar kein Reiseverbot, sollen aber eine möglichst große abschreckende Wirkung auf Touristen haben. Das Gute für Urlauber: Sie können bereits gebuchte Reisen stornieren, wenn ihr Ziel zum Risikogebiet erklärt wird. Das Schlechte: Rückkehrer aus den Risikogebieten müssen derzeit bis zu 14 Tage in Quarantäne, können sich aber durch einen negativen Test davon vorzeitig befreien lassen. Am Sonntag, 8. November treten jedoch neue Quarantäne-Regeln und die digitale Einreiseanmeldung in Kraft.

Dass muss passieren, damit ein Land zum Risikogebiet erklärt wird

Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt, wenn ein Land oder eine Region den Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschreiten. Auch ein Großteil Deutschlands ist nach diesen Kriterien bereits Risikogebiet.

Zweite Corona-Welle trifft Italien spät - aber heftig

Italien wurde erst sehr spät von der zweiten Corona-Welle getroffen, dann stiegen die Infektionszahlen aber auch dort rasant. Am Donnerstag registrierten die Gesundheitsbehörden mehr als 34.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus binnen 24 Stunden, sowie 445 weitere Todesfälle. Zuletzt war in dem zweitbeliebtesten Urlaubsland der Deutschen nach Spanien nur noch Kalabrien im Süden des Landes „risikofrei“. Ab Sonntag steht Italien komplett auf der Risikoliste des RKI.

Proteste in Italien gegen verschärfte Corona-Vorschriften

In Italien sorgen die verschärften Corona-Vorschriften für heftige Proteste, obwohl der Teil-Lockdown weniger streng ist als im Frühjahr.
In vielen Städten traten Taxifahrer in einen mehrstündigen Streik, um unter anderem gegen die nächtliche Ausgangssperre im ganzen Land zu protestieren. Sie haben durch den Einbruch des Tourismus seit der ersten Corona-Welle vom Frühjahr große Einbußen erlitten.
Ministerpräsident Giuseppe Conte verteidigte die Verschärfung, die seit Freitag in Kraft ist. Rom habe im Oktober mehrfach neue Anti-Corona-Regeln erlassen. Darunter waren die Maskenpflicht und die Schließung der Lokale nach 18 Uhr. „Aber das Virus ist ein Zug, der rollt“, sagte er bei einer Veranstaltung des „Corriere della Sera“.
Für die 60 Millionen Bürger und Bürgerinnen gilt nun eine nächtliche Ausgangssperre von 22 Uhr bis 5 Uhr morgens. Im ganzen Land sind die Museen zu. Höhere Schulen und Universitäten müssen auf Online-Unterricht umstellen.
Außerdem sind vier Regionen Rote Zonen mit einem Teil-Lockdown, der rund um die Uhr gilt. Betroffen sind im Norden die wirtschaftsstarke Lombardei, das Piemont und das Aostatal sowie Kalabrien im Süden. Insgesamt lebt damit rund ein Viertel der Italiener in den Hochrisikozonen. Dort sollen die Menschen weitgehend zu Hause bleiben.

Weitere Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes

In Portugal sind dann nur noch die weitab vom Festland liegenden Inseln der Azoren und Madeira von der Reisewarnung des Auswärtigen Amts ausgenommen. Anders die Algarve, die Südküste des portugiesischen Festlands: Als eines der letzten beliebten Urlaubsziele auf dem europäischen Festland wird sie zum Risikogebiet.
In Griechenland bleiben die Inseln in der Ägäis von der Reisewarnung ausgenommen sowie die Peloponnes und einige weitere Gebiete in der Südhälfte des Landes.
Estland und Norwegen sind zurzeit noch die beiden einzigen europäischen Länder ohne Risikogebiet. Auch Teile dieser beiden Länder kommen am Sonntag auf die Liste.