In Frankreich haben sich binnen 24 Stunden 26.896 Menschen mit dem Coronavirus infiziert - das sind so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der Infektionen machte damit am Samstag im Vergleich zum Vortag noch mal einen deutlichen Sprung nach oben. Am Freitag wurden 20.339 Neuinfektionen gemeldet. Auch das war ein Rekordwert. Die Zahl der Todesfälle stieg am Samstag um 54 auf 32.684. In Frankreich leben rund 67 Millionen Menschen.
Die Corona-Lage ist damit weiter sehr angespannt. In mehreren Städten, darunter Paris, Lyon, Lille und Marseille, gilt bereits die höchste Corona-Warnstufe. In den betroffenen Städten mussten Bars und gastronomische Einrichtungen, die keine Speisen verkaufen, für vorerst zwei Wochen schließen.
Bis auf auf Korsika und die an Deutschland grenzende Region Grand Est gilt für Frankreich eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts.

Höchste Warnstufe in Paris - Bars wegen Corona geschlossen, Restaurants offen

Wegen der massiv gestiegenen Infektionszahlen in der französischen Hauptstadt mussten alle Bars und Cafés schließen, Restaurants können aber vorerst offen bleiben. Unter anderem für Altenheime, Universitäten und Einkaufszentren werden die Auflagen verschärft. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo nannte die Lage „sehr ernst“.
Die Schließung der Bars soll nach Regierungsangaben verhindern, dass junge Menschen dort bis in die Nacht feiern und die Corona-Schutzmaßnahmen missachten. Bei jungen Leuten breitet sich das Virus in Frankreich derzeit besonders stark aus - die Regierung befürchtet, dass sie zunehmend Risikogruppen anstecken und die Krankenhäuser bereits ab November wieder an ihre Grenzen stoßen.
Der Hotel- und Gaststättenverband Umih äußerte sich „extrem alarmiert“ über die neuen Maßnahmen. Laut einer Umfrage befürworten 61 Prozent der Bewohner des Pariser Großraums die Schließung der Bars.
Restaurantbetreiber dürfen nach harten Verhandlungen mit der Regierung dagegen in ganz Frankreich weiter Gäste empfangen - dies gilt auch für den besonders betroffenen Ballungsraum Marseille, wo die Gaststätten vor einer Woche zunächst schließen mussten.
Auflage ist ein besserer Schutz der Gäste: So dürfen nur noch maximal sechs Menschen an einem Tisch Platz nehmen statt bisher zehn, und Restaurantbesucher dürfen ihre Maske nur noch zum Essen und Trinken abnehmen. Wie in Deutschland bereits üblich, müssen Gäste zudem ihre Kontaktdaten hinterlassen, damit Infektionsketten nachvollzogen werden können.
Bei Gastwirten sorgte dies für Unmut: „Die Regierung schlägt auf uns ein, als würde sich das Virus nur bei uns ausbreiten“, sagte ein wütender Barbetreiber in Paris.
Nach Angaben der Pariser Präfektur gilt ab Dienstag die höchste Warnstufe tiefrot: Messen und Kongresse in der Hauptstadt sind abgesagt, an Universitäten dürfen die Hörsäle nur noch zu 50 Prozent belegt sein. Auch Besuche in Altenheimen werden deutlich eingeschränkt, Einkaufszentren müssen die Zahl ihrer Kunden begrenzen.
Die neuen Maßnahmen gelten in Paris und den umliegenden Vororten vorerst für zwei Wochen. Mit allen Einschränkungen müsse „das Leben weitergehen“, sagte Bürgermeisterin Hidalgo.
Die französische Arbeitsministerin Elisabeth Borne rief Unternehmen in besonders betroffenen Großstädten wie Paris, Marseille, Lyon oder Lille auf, „so weit wie möglich von Bildschirmarbeit“ Gebrauch zu machen

Coronavirus in der Region Grand-Est: Ist das Elsass aktuell Risikogebiet?

In Frankreich gilt die Einstufung als Risikogebiet und damit die Reisewarnung inzwischen für den größten Teil des Landes. Davon ausgenommen bleibt nur noch Korsika und die an Deutschland angrenzende Region Grand-Est, zu der das Elsass und Lothringen gehören. Reisen in das angrenzende Elsass mit der kulturellen Stadt Straßburg sind somit noch möglich. Erstaunlich ist die im Vergleich zum restlichen Frankreich stabile Lage im Elsass angesichts der Situation noch zu Beginn der Pandemie. Denn die Lage war dramatisch: Damals arbeiteten infizierte Mediziner an der Universitätsklinik Straßburg weiter mit Corona-Patienten, und über 80-Jährige wurden nicht mehr beatmet. Die Kapazitätsgrenze war zu diesem Zeitpunkt bereits weit überschritten.

Deutschland

Corona Frankreich: Aktuelle Fallzahlen

  • Laut Angaben der Johns Hopkins University (Stand: 10.10.2020, 14:23 Uhr) haben sich in Frankreich bisher 732.434 Menschen mit dem Virus infiziert
  • 32.601 starben durch die Covid-19-Pandemie
  • rund 103.232 gelten als wieder genesen

Corona-Zahlen Frankreich: So hoch sind die Fallzahlen laut französischer Regierung

Die französische Regierung gibt täglich neue Fallzahlen der Infektionen mit dem Coronavirus bekannt. Diese unterscheiden sich aufgrund von unterschiedlichen Datenquellen von denen der Johns Hopkins Universität.
Diese Zahlen meldete Frankreich am Samstag (Stand 10.10., 14 Uhr):
  • Zahl der Infizierten seit Beginn der Pandemie: 718.873
  • Zahl der Toten: 32.684

Corona-Frankreich: Regelungen für die Maskenpflicht

In vielen Städten Frankreichs gilt die Maskenpflicht auch unter freiem Himmel. In der Hafenstadt Marseille haben Bars und Restaurants komplett geschlossen. In Paris droht wegen der angespannten Corona-Lage ebenfalls ihre Schließung.

Modedesigner Kenzo stirbt in Frankreich an Corona

Am Sonntag wurde bekannt, dass der japanische Modedesigner Kenzo im Alter von 81 Jahren in einem Krankenhaus in der Nähe von Paris an den Folgen einer Corona-Erkrankung gestorben ist.

Video Ganz Belgien und fast ganz Frankreich Corona-Risikogebiet