Mit Spannung wird dieser Tage die Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland verfolgt: Ist der Zuwachs der Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus wirklich stabilisiert, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) unter der Woche in einem Lagebericht berichtete? Wie stark fällt eine etwaige zweite Welle im Herbst aus? Und wie ist der Stand bezüglich eines möglichen Impfstoffs?
Zumindest in letzter Frage gibt es am Sonntag einen Bericht, der die EU und Deutschland in nicht so gutem Licht dastehen lässt: Im Wettrennen um die Versorgung der Bevölkerung mit Corona-Impfstoffen liegen Deutschland und die EU im Vergleich zu den USA und Großbritannien deutlich zurück, wie die Deutsche Presse-Agentur unter Bezug auf die „Welt am Sonntag“ mitteilt. So hätten sich die USA im Rahmen von Vorabverträgen 800 Millionen Impfstoffdosen von sechs verschiedenen Herstellern gesichert.
Großbritannien hat dem Bericht zufolge bereits Verträge mit sechs Herstellern über 340 Millionen Impfstoffdosen geschlossen. Das Land komme damit auf eine höhere Pro-Kopf-Quote als jede andere Industrienation.

Corona in Deutschland: Wie steht es um die Impfstoffdosen in der EU?

Hingegen habe die EU-Kommission für die 446 Millionen Einwohner in den 27 Mitgliedstaaten bisher nur einen Rahmenvertrag mit dem britisch-schwedischen Konzern Astra Zeneca über 300 Millionen Impfstoffdosen getroffen, mit der Option auf weitere 100 Millionen. Die EU-Kommission teilte der „WamS“ auf Anfrage mit, sie arbeite „an allen Fronten, um dasselbe mit anderen Unternehmen zu erreichen, mit denen wir bereits Sondierungsgespräche abgeschlossen haben“.
Die Anzahl der Impfstoffdosen, die jedes EU-Land im Rahmen dieser Verträge erwerben kann, richtet sich dabei nach dem Bevölkerungsschlüssel. Im Fall der bereits zugesagten Impfampullen von Astra Zeneca hätte Deutschland demnach vertraglich zugesicherten Zugriff auf rund 56 Millionen Impfdosen.

Corona in Deutschland: Die aktuelle Zahl der Neuinfektionen

Unterdessen hat das RKI am Sonntag die aktuellen Zahlen der Corona-Pandemie in Deutschland veröffentlicht. Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter demnach 988 neue Corona-Infektionen gemeldet. Diese Zahlen sind mit Blick auf das wirkliche Infektionsgeschehen allerdings wenig aussagekräftig - an Sonntagen sind die gemeldeten Fallzahlen nämlich erfahrungsgemäß oft niedriger, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln. Zum Vergleich: Am Samstag waren 1378 neue Corona-Infektionen gemeldet worden. Um diesen Wert hatte die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Tagen in Deutschland mit leichten Schwankungen stets gelegen.
  • Infizierte: Seit Beginn der Corona-Krise haben sich demnach mindestens 249.985 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand Sonntag, 6.9.2020, 0.00 Uhr). Die in der US-Stadt Baltimore ansässige Johns-Hopkins-Universität (JHU) meldete 251.058 Infizierte.
  • Tote: Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9325. Seit dem Vortag wurde ein Todesfall mehr gemeldet. Die JHU zählte 9329 Tote.
  • Genesene: Bis Sonntagmorgen hatten etwa 223.700 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

RKI-Zahlen: So hoch liegt der R-Wert in Deutschland

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Samstag bei 1,0 (Vortag: 0,85). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.
Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 0,97 (Vortag: 0,94). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

RKI Dashboard: Zahlen für Bundesländer und Landkreise

Wer sich über die aktuelle Entwicklung der Corona-Krise in seinem Bundesland (wie Bayern oder Baden-Württemberg) oder den Landkreisen in seiner Region informieren möchte, für den stellt das RKI in seinem Dashboard Zahlen bereit.