Tausende Wissenschaftler weltweit forschen intensiv im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Sie entwickeln Impfstoffe, aber auch Medikamente, die eine Ansteckung mit dem Coronavirus und den Ausbruch der Krankheit Covid-19 verhindern sollen. Doch bis ein Impfstoff verfügbar ist, soll es mindestens bis Anfang des Jahres 2021 dauern, und selbst dann wäre er noch längst nicht für alle verfügbar.

Boehringer arbeitet an Medikament gegen das Coronavirus

Auch der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim arbeitet im Forschungszentrum Biberach an einem Medikament gegen Corona. Hierbei konzentrieren sich die Wissenschaftler des Unternehmens, das alleine am Standort Biberach mehr als 6300 Menschen beschäftigt, unter anderem auf die Entwicklung eines neuen Antikörpers. Er soll das gefährliche Virus direkt ausschalten.

So greift der Antikörper das Coronavirus an

Doch wie kann das funktionieren? Laut Boehringer Ingelheim hat das Sars-CoV-2-Virus „Bindestellen“, mit denen es an die Zellen des Menschen andockt, um sie zu infizieren. Dabei handelt es sich um das so genannte Spike-Protein, heißt es in der Pressestelle des Unternehmens. Der neue Antikörper solle dieses Protein direkt angreifen und so eine Infektion mit dem Coronavirus verhindern. Wichtig dabei: Er soll das Virus angreifen, nachdem es in den Körper eingedrungen ist und bevor es menschliche Zellen infizieren kann. „Verschiedene „Kandidaten“ befinden sich aktuell in der Charakterisierung und Optimierungsphase“, hieß es.

Antikörper gegen das Coronavirus schon weit fortgeschritten

Der „Frankfurter Allgemeinen“ gegenüber sagte Unternehmenschef Hubertus von Baumbach, Boehringer arbeite gemeinsam mit den Forscherteams
  • des Universitätsklinikum Köln,
  • der Universität Marburg
bereits seit Monaten an das Virus neutralisierenden Antikörpern, wobei ein Kandidat schon sehr weit fortgeschritten“ sei. Wann der Antikörper zur Verfügung stehen könnte, ist allerdings unklar. Boehringer zufolge soll es neue Informationen dazu im ersten Quartal 2021 geben.

So könnte der neue Antikörper gegen Corona eingesetzt werden

Baumbach berichtet in der FAZ, dass es sich bei dem neuen Antikörper um einen „sehr konkreten therapeutischen Ansatz“ handle. Das Medikament könnte etwa Menschen aus Risikogruppen verabreicht werden, also Mitarbeitern in der Medizin oder Ältere mit Vorerkrankungen. Die Idee sei es, „den Antikörper zu geben, sodass er als Waffe schon im Körper vorhanden ist, sollten sich diese Menschen mit dem Virus infizieren.“ Dadurch würde der Krankheitsverlauf potenziell verkürzt und vermindert werden, erklärte Baumbach dem Blatt.
Er schränkte aber auch ein, dass Boehringer noch nicht in der klinischen Entwicklung stehe, und dass solch ein Corona-Antikörper nicht den Bedarf an Impfungen ersetzen könne. Er sei vielmehr als eine Ergänzung zu sehen.

Auch US-Präsident Trump erhielt Antikörper gegen Covid-19

Ein offenbar ähnlich wirkendes Medikament erhielt der an Corona erkrankte US-Präsident Donald Trump. Er bekam den experimentellen Antikörper-Mix REGN-COV2 des US-Pharmakonzerns Regeneron. Das Mittel befindet sich derzeit noch in der Testphase.
Der Wirkstoff ist eine Kombination aus zwei speziell entwickelten Antikörpern, die sich ebenfalls an das Spike-Protein des Coronavirus binden und so dessen Struktur deformieren können sollen. Auch hier soll damit verhindert werden, dass das Coronavirus menschliche Zellen angreifen kann. Die Kombination aus zwei verschiedenen Antikörpern soll laut Regeneron verhindern, dass der Erregervirus Sars-COV2 mutiert, also sich so verändert, dass er nicht mehr mit Medikamenten behandelt werden kann.
Erste Studien zeigten laut Regeneron, dass REGN-COV2 die Virusmenge in den Lungen von Corona-Patienten reduziert. Infizierte, die nicht im Krankenhaus behandelt wurden, erholten sich demnach schneller von ihrer Infektion als Patienten in der Kontrollgruppe, die ein Placebo-Mittel erhielten.

Remdesivir: Weiteres Medikament im Kampf gegen das Coronavirus

US-Präsident donald Trump erhielt auch das entzündungshemmende Steroid-Medikament Dexamethason, das zur Behandlung schwerer Corona-Fälle verwendet wird. Außerdem erhalte der 74-jährige Präsident weiterhin das Mittel Remdesivir, das eine Ausbreitung des Virus im Körper verhindern soll. Es dringt in Viren ein und verhindert damit ihre Vermehrung. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) beruht der Nutzen von Remdesivir vor allem auf einer Verkürzung der Genesungszeit - vor allem bei Covid-19-Patienten, die Sauerstoff verabreicht bekommen.
Remdesivir wurde vom US-Konzern Gilead eigentlich zur Bekämpfung von Ebola entwickelt. Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA)  derzeit Berichte über mögliche Nierenschäden durch die Einnahme von Remdesivir prüft.

Boehringer gehört zu Konsortium zur Bekämpfung des Coronavirus

Boehringer ist Mitglied im Konsortium CARE (Corona Accelerated R&D in Europe). In dem Zusammenschluss bündeln 37 Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen ihr Wissen im Kampf gegen das Coronavirus.
Boehringer baut bei seinen aktuellen Forschungen auf das Wissen über die Struktur des Pandemie-Virus, aber auch auf bereits vorhandene Erkenntnisse aus früheren SARS-Antikörpern auf, wie es im Unternehmen heißt. Dabei hilft auch die „Wirkstoff-Bibliothek“ des Unternehmens, in der rund 1 Millionen Substanzen gespeichert sind. Boehringer hat laut FAZ bisher einen zweistelligen Millionenbetrag für die SARS-CoV-2-Forschung ausgegeben.

Das ist der Boehringer-Standort in Biberach

Fakten und Zahlen rund um den Boehringer-Standort in Biberach.
  • Das Werk Biberach ist dem Unternehmen zufolge das größte internationale Forschungs- und Entwicklungszentrum von Boehringer Ingelheim.
  • Es handelt sich um den größten Standort in Europa für die Herstellung von biopharmazeutischen Wirkstoffen auf Basis von Zellkulturen, globaler Launch-Standort für diese Wirkstoffe.
  • In Biberach arbeiten mehr als 6300 Menschen bei Boehringer, das sind 12 Prozent der weltweiten Mitarbeiterzahl und 40 Prozent der Mitarbeiterzahl in Deutschland.
  • Das Betriebsgelände in Biberach umfasst mehr als 642.000 Quadratmeter. Davon entfallen auf Büros 63.800 Quadratmeter, auf Labore 42.680 Quadratmeter, auf die Produktion 30.420 Quadratmeter und auf Lager 47.080 Quadratmeter. Der Standort Biberach wird seit Jahren ausgebaut.