Je weiter die Corona-Pandemie sich ausbreitet, und je höher die Zahlen an Corona-Infektionen und Erkrankungen steigen, desto stärker wächst die Hoffnung auf Impfstoffe und Medikamente gegen das Coronavirus SARS-Cov-2 und die Lungenkrankheit Covid-19.

Boehringer forscht an mehreren Medikamenten gegen Corona

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim, der in Biberach sein weltweit größtes Forschungs- und Entwicklungszentrum betreibt, arbeitet derzeit an mehreren Projekten, um Covid-19 zu bekämpfen. Dazu gehören unter anderem die Erforschung und Entwicklung von
  • SARS-CoV-2-Antikörpern, die das Virus neutralisieren,
  • so genannten Kleinmolekülen zur Hemmung der Vermehrung des Coronavirus
  • sowie die Entwicklung einer Behandlung, um Blutgerinseln vorzubeugen.
Bei der Arbeit an einem Antikörper, der das gefährliche Virus direkt ausschalten und eine Infektion der menschlichen Zelle verhindern soll, ist das Unternehmen schon fortgeschritten.

Tests mit neuem Medikament für Covid-19-Patienten

Jetzt berichtet der Konzern, dass man darüber hinaus dabei sei, ein neues Medikament zur Behandlung schwer erkrankter Corona-Patienten zu entwickeln und dieses auch schon in einer klinischen Phase-2-Studie testen zu wollen. Der neue Wirkstoff soll Patienten im Krankenhaus helfen, die durch Covid-19 unter schweren Atemwegskomplikationen leiden.
Der Wirkstoff trägt der Mitteilung zufolge bisher nur eine Nummer BI764198. Er soll verhindern, dass die Lungen-Zellen bei Corona-Patienten geschädigt werden, denn diese Schädigungen können letztlich zu dem gefürchteten und potenziell tödlichen akuten Atemnotsyndrom (acute respiratory distress syndrome - ARDS) führen. Ziel des Medikaments sei es letztlich, dass weniger Patienten beatmet werden müssen.
„Wir hoffen, dass wir damit einen wichtigen Fortschritt bieten können und behandelnden Ärzten ein neues Instrument an die Hand geben, das die Aussichten für ihre COVID-19-Patienten mit Atemwegskomplikationen in Krankenhäusern verbessert“, erklärt Dr. Mehdi Shahidi von Boehringer Ingelheim in der Mitteilung.

15 Prozent der Corona-Erkrankten müssen ins Krankenhaus

Das scheint dringend nötig. Nicht nur, weil die Intensivbetten angesichts rasant steigender Infektionszahlen knapp werden können. Sondern auch, weil ein relativ hoher Anteil der Corona-Betroffenen schwer erkrankt.
  • Boehringer zufolge trifft etwa 15 Prozent der Corona-Patienten ein schwerer Krankheitsverlauf.
  • Bis zu 30 Prozent der schwer erkrankten Patienten müssten potenziell intensivmedizinisch versorgt werden.
  • Bei 67 bis 85 Prozent der Patienten auf Intensivstationen komme es zu einem akuten Atemnotsyndrom.

Boehringer-Medikament gegen Corona soll Beatmung unnötig machen

„Von einer neuen Therapie mit BI764198 könnten dem Unternehmen zufolge 67 bis 85 Prozent der Covid-19-Patienten auf der Intensivstation profitieren, die unter einem akuten Atemnotsyndrom leiden“, heißt es. Dies würde den Bedarf für künstliche Beatmung reduzieren und könne Leben retten.

Studie zu Corona-Medikament BI 764198 soll bald beginnen

Die Studie an Patienten, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden, soll schon bald anlaufen. Es handelt sich um eine „randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte klinische Phase-2-Studie“. Die so genannte „Studienrekrutierung“, also das Erstellen des Teilnehmerfeldes zu BI 764198, sollte im Oktober 2020 beginnen. Im Rahmen der Studie wird den Probanden bis zu vier Wochen lang täglich eine Kapsel verabreicht. Die Studie wird dann an rund 40 Studienstandorten in 8 Ländern durchgeführt.

Das ist der Boehringer-Standort in Biberach

Fakten und Zahlen rund um den Boehringer-Standort in Biberach.
  • Das Werk Biberach ist dem Unternehmen zufolge das größte internationale Forschungs- und Entwicklungszentrum von Boehringer Ingelheim.
  • Es handelt sich um den größten Standort in Europa für die Herstellung von biopharmazeutischen Wirkstoffen auf Basis von Zellkulturen, globaler Launch-Standort für diese Wirkstoffe.
  • In Biberach arbeiten mehr als 6300 Menschen bei Boehringer, das sind 12 Prozent der weltweiten Mitarbeiterzahl und 40 Prozent der Mitarbeiterzahl in Deutschland.
  • Das Betriebsgelände in Biberach umfasst mehr als 642.000 Quadratmeter. Davon entfallen auf Büros 63.800 Quadratmeter, auf Labore 42.680 Quadratmeter, auf die Produktion 30.420 Quadratmeter und auf Lager 47.080 Quadratmeter. Der Standort Biberach wird seit Jahren ausgebaut.