Corona Deutschland aktuell: Noch keine ausreichende Verbesserung der Infektionslage - Wann werden Einschränkungen gelockert?

Kontaktnachverfolgung von Coronainfizierten - hier in Hamburg. Die Pandemie wird uns nach Meinung vieler Politiker noch lange beschäftigen.
Daniel Bockwoldt, dpaDie Bundesregierung sieht bei der Corona-Infektionslage erste positive Veränderungen, hält diese aber für nicht ausreichend. Die Dynamik habe sich in den vergangenen Tagen „deutlich reduziert“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei RTL und n-tv. „Das ist erstmal ermutigend, aber es reicht noch nicht.“ Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte in Berlin, es sei zu früh, um die Wirksamkeit des Teil-Lockdowns zu bewerten.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Mittwoch 18.487 Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb eines Tages. Dies war deutlich weniger als der Rekordwert von 23.399 Fällen vom vergangenen Samstag.
Spahn sagte bei RTL und n-tv zur Entwicklung der Neuinfektionszahlen: „Es steigt noch, aber es steigt weniger stark.“ Es gebe „definitiv Anzeichen für eine Veränderung, aber noch keine Trendwende„.
Spahns Sprecher Hanno Kautz sagte in Berlin, derzeit betrage der tägliche Anstieg der Neuinfektionen in keinem Bundesland mehr als 30 Prozent. In der vergangenen Woche seien es zum Teil mehr als 50 Prozent gewesen.
Aktuelle Coronazahlen auf „sehr hohem Niveau“
Vize-Regierungssprecherin Demmer betonte, die aktuellen Zahlen hätten weiterhin „ein sehr, sehr hohes Niveau“. Die Neuinfektionen nähmen in allen Bundesländern und in allen Altersgruppen zu. „Wir haben es gemeinsam in der Hand, diese Zahlen zu senken.“
Zu den seit Montag vergangener Woche geltenden verschärften Corona-Eindämmungsmaßnahmen sagte Demmer, um deren Wirksamkeit zu bewerten, sei es „einfach noch ein bisschen früh“. Ähnlich äußerte sich auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer im ARD-„Morgenmagazin“: „Die Zahlen, die wir jetzt haben, reichen bei weitem nicht aus. Wir haben maximal eine leichte Seitwärtsbewegung erreicht.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten wollen am Montag eine Zwischenbilanz ziehen. Nach bisheriger Planung sollen die Maßnahmen bis Ende November gelten.
Merkel: Zweite Welle „wird uns noch den ganzen Winter beschäftigen“
Merkel betonte am Mittwoch erneut die außergewöhnliche Lage durch die Pandemie. Man müsse davon ausgehen, dass die zweite Welle härter sei als die erste. Die zweite Welle falle in eine schlechtere Jahreszeit, nämlich in die Wintermonate. „Das heißt, sie wird uns noch den ganzen Winter beschäftigen„, sagte Merkel - auch wenn es positive Botschaften bezüglich der Entwicklung von Impfstoffen gebe. Die Vorsichtsmaßnahmen müssten noch weiter eingehalten werden. Die Krise könne nur gemeinsam bewältigt werden.
Lage an Schulen: Mehr als 300.000 Schüler in Quarantäne
Am Mittwoch rückte insbesondere die Lage an den Schulen im Fokus. Wie die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf den Deutschen Lehrerverband berichtete, befinden sich derzeit mehr als 300.000 Schülerinnen und Schüler in Corona-Quarantäne. Ende September waren es demnach lediglich rund 50.000 gewesen. Die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer in Quarantäne liege aktuell bei bis zu 30.000.
Die Folge seien immer mehr Schulschließungen, sagte Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Zeitung. In der „Passauer Neuen Presse“ äußerte er die Hoffnung, dass generelle Schulschließungen noch vermieden werden könnten. Dazu müssten aber die Vorsichtsmaßnahmen hochgefahren werden, forderte er.

