Vitamin D und Corona
: Sonnenschein und Vitamin D gegen Corona?

Ein Mangel an Vitamin D soll laut einer Studie schwere Verläufe von Covid 19 begünstigen. Gibt es einen Zusammenhang mit fehlendem Sonnenlicht?
Von
Michael Maier
Ulm
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Sonnenlicht baut Vitamin D im Körper auf. Das könnte vor schweren Corona-Verläufen schützen.

dpa
  • Vitamin D reguliert Entzündungsprozesse und das Immunsystem.
  • Studie sieht klaren Zusammenhang mit schweren Formen von Covid–19.
  • Vitamin D ist ein Hormon, das im Körper auf natürliche Art durch Sonnenlicht gebildet wird.
  • Es gibt eine Diskussion über ein Verbot von Vitamin D in hochdosierter Form.

Gibt es einen kostengünstigen und einfachen Weg zur Vorbeugung gegen Corona? Darauf deuten in der Tat neue Erkenntnisse aus einer Forschungsarbeit hin: Ein Mangel an Vitamin D könnte laut Medienberichten für einen schweren Verlauf der Lungenkrankheit Covid–19 mitverantwortlich sein.

In einer Pilotstudie von Forschern der Universität Córdoba in Spanien haben sich jedenfalls Hinweise auf einen direkten Zusammenhang des Vitamin–D-Spiegels mit Covid–19 ergeben. Aus einer Gruppe von 76 mit Corona infizierten Krankenhauspatienten erhielten 50 zufällig ausgewählte Personen ergänzend zur Standardtherapie in der ersten Behandlungswoche zwei und dann wöchentlich eine Dosis des Vitamin–D-Metaboliten Calcifediol, das im Körper zu dem Vitamin umgebaut wird. Die Studie wurde doppelblind durchgeführt.

Mit Placebo auf die Intensivstation, mit Vitamin D nicht

Unter Calcifediol musste ein Patient auf die Intensivstation und konnte später als geheilt entlassen werden. In der nur halb so großen Placebo–Gruppe waren es jedoch 13 Patienten, von denen zwei im Krankenhaus verstarben. Die Forscher sehen das Ergebnis als statistisch signifikant an und glauben, dass Calcifediol möglicherweise den Schweregrad einer Covid–19–Erkrankung reduzieren kann.

Vitamin D, das physiologisch gesehen ein Hormon ist, wird gebildet, wenn Sonnenlicht auf die Haut fällt. Unter anderem sorgt es für stabile Knochen. Im Sommer reichen mittags 10 Minuten Sonneneinstrahlung auf Gesicht, Arme und Hände um eine ausreichende Versorgung sicher zu stellen. Im Winter ist das deutlich schwieriger. Das Vitamin hemmt unter anderem die Freisetzung von sogenannten Zytokinen, die vom Immunsystem gebildet werden und im Verdacht stehen, eine Corona–Infektion in der zweiten Phase zu verschlimmern.

Auch seien Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzerkrankungen und starkes Übergewicht als Corona–Risikofaktoren oftmals mit einem Vitamin–D-Mangel verbunden, hatte der Stuttgarter Ernährungswissenschaftler Hans–Konrad Biesalski kürzlich gesagt.

Zusammenhang zwischen Coronavirus, Vitamin D und Covid–19

Laut Medizinerin Marta Entrenas Castillo und ihren Kollegen in der Fachzeitschrift „Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology“ sind weitere Forschungen nötig, um den Zusammenhang zwischen Corona und Vitamin D aufzuklären. Nun ist eine Studie mit 2700 Teilnehmern geplant. Andere Wissenschaftler bestreiten einen ursächlichen Zusammenhang und sehen den Vitamin–D-Mangel eher als Folge von Corona.

Zu hohe Vitamin–D-Dosen können sich indes auch negativ auf den Körper auswirken. Die Verbraucherzentrale warnt vor aggressiver Werbung für Vitamine als vermeintliches Wundermittel gegen Corona, zumal die meisten Nahrungsergänzungsmittel nicht überteuert im Internet bestellt werden brauchen, sondern preisgünstig in der Drogerie erhältlich sind. Laut Experten gibt es verschiedene Stoffe, die in der richtigen Dosierung durchaus das Immunsystem stärken können. Gerade Vitamin D wird nachgesagt, Entzündungsprozesse zu regulieren und damit dem Körper zu helfen.

Da es sich um ein Hormon handelt, ist die Dosierung aber nicht so einfach wie bei anderen Vitaminen. Wer es in Zeiten von Reisewarnungen nicht in südliche Gefilde oder auf die Berge schafft, der kann übrigens auch im Solarium Vitamin D aufbauen, denn Sonnenstudios sind vom Lockdown ausgenommen.

Befürchtungen: „Vitamin D soll verboten werden“

Behauptungen auf Facebook und Youtube, dass Ernährungsministerin Julia Klöckner angeblich Vitamin D verbieten will entsprechen laut „Correctiv“ nicht den Tatsachen. Sie wolle lediglich die Höchstwerte in Nahrungsergänzungsmitteln in der EU vereinheitlichen, heißt es. Für hochdosiertes Vitamin D ohne Rezept könnte das dann das Aus bedeuten, wie es in Ländern wie Spanien bereits der Fall ist. Dort benötigen Vitamine vor dem Verkauf ein ähnliches Zulassungsverfahren wie Medikamente.