Um Weihnachten und Silvester  drängen sich jedes Jahr Unmengen an Menschen in Zügen und auf Bahnsteigen. Abstandsregeln sind dabei wohl kaum einhaltbar. Doch dieses Jahr wird vieles anders sein. Wegen der Corona-Pandemie hat Kanzlerin Angela Merkel die Bevölkerung aufgerufen Kontakte zu reduzieren und auf Besuch bei Verwandten zu verzichten. Das bekräftigte sie auch nochmal bei der Erläuterung der Beschlüsse der Konferenz von Bund und Ländern. Der Fahrtweg zur Familie ist für Bahnfahrer in diesem Jahr eine Herausforderung. Denn es ist unklar ob Abstand zu den anderen Passagieren gehalten werden kann.

Corona und Bahn fahren: Abstand nicht garantiert

Waren volle Züge schon vor der Corona-Pandemie nicht angenehm, sind sie mit einem hohen Ansteckungsrisiko verbunden. Denn Abstand zu anderen Passagieren halten zu können ist im Zweifelsfall Zufall. Denn bucht man einen Sitzplatz bei der Deutschen Bahn, kann auch der Nachbarsitz vergeben werden und wird nicht beispielsweise automatisch freigehalten. Das führt dazu, dass Fahrgäste im Zweifelsfall neben fremden Menschen sitzen.
Die Deutsche Bahn lehnt es ab einen gewissen Teil der Plätze freizuhalten. Auf ihrer Homepgae weisen sie lediglich darauf hin, dass eine Sitzplatzreservierung möglich ist.
Diese kostet in der 2. Klasse vier Euro. Reserviert man sich noch den Nachbarsitzplatz, weil man beispielsweise zu einer Risikogruppe gehört, ist man schon bei acht Euro. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung räumte die Bahn ein, auch aus wirtschaftlichen Gründen keine Sitzplätze freizuhalten. Sollten die Abstände eingehalten werden, könnte der Konzern nur noch 25 Prozent der Tickets verkaufen.

Corona und Deutsche Bahn: Mitarbeiter des Bundes erhalten zwei Sitzplätze

Zwei Sitzplätze können jedoch Mitarbeiter des Bundes reservieren und das auf Kosten der Steuerzahler. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ und beruft sich auf ein Rundschreiben des Bundesinnenministeriums vorliegt, das die Dienstreisen der Mitarbeiter des Bundes regeln soll. Darin sollen Empfehlungen für unbedingt notwendige Dienstreisen stehen. Laut Bericht könnten sich Mitarbeiter des Bundes einen zweiten Sitzplatz reservieren, "um so im Sinne des Infektionsschutzes einen größeren Abstand zu den Mitreisenden zu haben", zitiert die Süddeutsche das Papier. Möglich soll das bis Ende März nächsten Jahres sein. Besonders brisant: Der Bund ist Eigentümer der Deutschen Bahn und ermöglicht damit seinen Mitarbeitern einen Schutz, der allen anderen Fahrgästen verwehrt wird.

Ansteckung mit Coronavirus: Wie hoch ist die Infektionsgefahr in der Bahn?

Kanzlerin Angela Merkel hat die Bürger aufgerufen den Öffentlichen Personenverkehr nur noch in dringenden Fällen zu benutzen. Auch das mögliche Ansteckungsrisiko in der Bahn macht vielen Menschen Sorge. Das Robert Koch Institut in Berlin hat allerdings bisher keine Ausbrüche in Zügen ermitteln können. Das geht aus einer Veröffentlichung vom September hervor. Das RKI gibt dennoch zu bedenken, dass Kontakte in der Bahn schwer zu ermitteln seien und es deshalb auch zu Ansteckungen gekommen sein könnte. So viele Ausbrüche gab es laut RKI in verschiedenen Verkehrsmitteln (Datenstand 11. August):
  • Unspezifische Verkehrsmittel: 2
  • Bus: 13
  • Flugzeug: 3
  • Fähre: 1
  • Bahn: 0

Corona Ansteckung im Zug: Studie zu Infektionsgefahr

Studien zur Ansteckungsgefahr gibt es derweil nur wenige. Die Deutsche Bahn hat selbst eine Studie in Auftrag gegeben und darin Mitarbeiter auf aktuelle und überstandene Infektionen testen lassen. Das Ergebnis zeigte eine Infektionsrate auf einem ähnlichen Niveau wie das anderer epidemiologischer Untersuchungen. Daraus leitet die Bahn ein geringes Ansteckungsrisiko in den Zügen ab.

Corona und Bahn: Wichtig für Ansteckung sind Abstand und Dauer

Eine weitere Studie zum Infektionsgeschehen in Zügen haben Wissenschaftler aus China vorgelegt. Die Ergebnisse sind denkbar einfach: Je näher Menschen zusammensitzen, desto höher die Infektionsgefahr. Und je länger die Reise dauert, desto höher das Risiko einer Ansteckung.
Die Forscher empfehlen möglichst viel Abstand zu halten, drei Stunden Fahrt beispielsweise mehr als zwei Plätze.