• Die Corona-Zahlen in Baden-Württemberg schießen wieder in die Höhe.
  • Mehrere Stadt- und Landkreise überschreiten den Schwellenwert von 100.
In mindestens sechs Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs sind aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen wieder strengere Regeln verkündet oder schon erlassen worden. Der Kreis Göppingen nahm erste Lockerungen zurück, die Kreise Rastatt, Emmendingen, der Alb-Donau-Kreis, der Hohenlohekreis und die Stadt Mannheim kündigten strengere Regeln an. Dort sollen sie in den nächsten Tagen in Kraft treten.

Kreis Sigmaringen verzichtet vorerst auf die Notbremse

Der Kreis Sigmaringen entschied sich vorerst gegen entsprechende Maßnahmen und teilte mit: „Grund ist ein abgrenzbares Ausbruchsgeschehen in einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, das einen wesentlichen Beitrag am Infektionsgeschehen leistet.“
Bund und Länder hatten sich zuletzt auf eine sogenannte Notbremse bei steigenden Infektionszahlen geeinigt. In Kreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 100 an drei Tagen in Folge fallen demzufolge die bis dahin ermöglichten Erleichterungen wieder weg.
Im Landkreis Freudenstadt liegt die Inzidenz zwar seit vier aufeinanderfolgenden Tagen über 100, das Landratsamt hat aber einen Weg gefunden, zunächst auf die Notbremse zu verzichten. „Wir haben die Option genutzt und aus unseren Inzidenzen einen großen Cluster-Fall herausgerechnet“, sagte eine Sprecherin. Die höheren Infektionszahlen seien vor allem auf ein Ausbruchsgeschehen in einem Kindergarten in Horb am Neckar zurückzuführen. Fast jede zweite in den letzten sieben Tagen registrierte Neuinfektion sei dadurch entstanden.

Corona in BW: Immer mehr Regionen über über 7-Tage-Inzidenz von 100

Landesweit diese Woche zeitweise elf Stadt- und Landkreise mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche auf. In Karlsruhe sei das Ziel ein gemeinsamer Weg, sagte Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD), da der Landkreis die Stadt quasi umfasst und viele Pendler täglich die Grenzen überschreiten. Da seien unterschiedliche Regeln wenig hilfreich. Frühestens sollten Maßnahmen ab Donnerstag gelten.

Kreis Schwäbisch Hall führt Ausgangssperre tagsüber ein

Im Kreis Schwäbisch Hall mit der landesweit höchsten Inzidenz von zuletzt knapp 300 werden die geplanten Lockerungen an Schulen ab Montag, 15.03, aufgehoben. Darüber hinaus verkündete das Landratsamt einen Corona-Hammer: Ab Samstag müssen Bürger des Landkreises Schwäbisch Hall nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tag zu Hause bleiben.
Im benachbarten Hotspot Crailsheim (7-Tage-Inzidenz um die 400) hat das Landratsamt zudem angeordnet, dass in der Kernstadt ab sofort eine medizinische Maske oder ein vergleichbarer Atemschutz getragen werden muss. Ausnahmen gelten für Menschen mit einem Attest, für Kinder unter sechs Jahren und für Individualsport. In Einkaufsläden, die laut Corona-Verordnung öffnen dürfen, ist nur ein Kunde pro 20 Quadratmeter erlaubt.
Wegen steigender Infektionszahlen - aber auf deutlich niedrigerem Niveau - müssen auch andere Regionen Lockerungen zurücknehmen. So teilte die Stadt Heilbronn mit, ab Mittwoch würden zum Beispiel wieder Einschränkungen für den Einzelhandel gelten, weil die 7-Tage-Inzidenz über 50 liege. Und weil der Wert im Landkreis Tübingen an drei Tagen in Folge über 35 lag, werden dort Lockerungen im Bereich der privaten Kontakte ab diesem Dienstag zurückgenommen.

Corona BW aktuell: Die Fallzahlen im Überblick

Das Landesgesundheitsamt (LGA) in Stuttgart und das Robert-Koch-Institut (RKI) haben am Donnerstag, 18.03., neue Fallzahlen veröffentlicht:
  • Gesamtzahl der mit Corona Infizierten: 338.990
  • Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag: 1999
  • 7-Tage-Inzidenz beträgt 89,0
  • Seit Beginn der Pandemie mit oder durch Corona gestorben: 8.509
  • Neue Todesfälle im Vergleich zum Vortag: 32
  • Bisher genesen: 310.723
  • 7-Tage-R-Wert: 1,06

Rastatt verschärft Corona-Maßnahmen ab Dienstag

Auch im Landkreis Rastatt liegen die Corona-Zahlen konstant über dem Schwellenwert 100. Daher werden ab Dienstag, 16.03., die Corona-Beschränkungen verschärft. Wie das Landratsamt mitteilte, dürfen Geschäfte und Läden lediglich Abhol- und Lieferdienste anbieten. Museen, Galerien, zoologische und botanische Gärten sowie Gedenkstätten werden für den Publikumsverkehr geschlossen. Sportanlagen für den Amateur- und individuellen Freizeitsport werden ebenfalls geschlossen. Friseure dürfen hingegen weiterhin geöffnet bleiben.

Corona in Freiburg: Öffnung der Geschäfte ab Montag

In Freiburg sieht die Lage hingegen ganz anders aus – besser: Geschäfte und Märkte dürfen seit Montag, 15.03., wieder komplett öffnen. Grund dafür ist eine stabile 7-Tage-Inzidenz von unter 50, wie die Stadt mitteilte. Es gilt allerdings Maskenpflicht, außerdem ist die Kundenzahl begrenzt. Auch Museen, Galerien, Gedenkstätten sowie zoologische und botanische Gärten können wieder ohne vorherige Buchung besucht werden. Allerdings müssen alle Besucher ihre Kontaktdaten angeben. Bereits seit Sonntag ist sogenannter kontaktarmer Sport mit maximal zehn Leuten im Freien und auf Außensportanlagen wieder erlaubt.
Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) appellierte an die Menschen, umsichtig zu bleiben und sich weiterhin an die Regeln zu halten. Nur so könnten die Lockerungen auch bestehen bleiben. Am Sonntag hatte die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in Freiburg bei 43,3 gelegen. Landesweit lag sie bei knapp 76.

Kretschmann stellt Corona-Lockerungen infrage

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat wegen steigender Infektionszahlen die für kommenden Montag, 22.03, geplante weitere Lockerung der Corona-Auflagen infrage gestellt. „Natürlich jetzt bei der Situation werde ich mir gut überlegen, ob ich am Montag weitere Öffnungen mache“, sagte der grüne Regierungschef in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“. Er erwäge, die weitere Öffnung auszusetzen und am Montag mit den anderen Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu besprechen, „was wir riskieren können“. Auf die Frage, ob ihm mulmig zumute sei, sagte der Grünen-Politiker: „Ja, haargenau.“