• Bürgerinnen und Bürger können derzeit keinen Sport in Vereinen ausüben
  • Vereine und Verbände appellieren immer wieder an die Politik: Sie wollen wieder in die Hallen
  • Der Lockdown wird bis zum 28. März verlängert
  • In der Kultur, Sport und dem Handel könnte es erste Lockerungen geben
Deutschland ist ein Land der Sportvereine – zahlreiche Bürgerinnen und Bürger treffen sich regelmäßig, um gemeinsam Sport zu machen – eigentlich. Die Pandemie legt den Amateursport schon lange lahm. Außer Joggen im Park oder dem heimischen Workout ist für Hobbysportler kaum etwas möglich. 
Die Verbände heben immer wieder die Wichtigkeit der Bewegung für Gesellschaft und Gesundheit hervor, jetzt könnte das Comeback nahen.

Video Lockdown wird verlängert - mit vielen Öffnungsmöglichkeiten

Beschluss: Schrittweise Lockerungen für deutschen Sport

Nach monatelangem Stillstand gibt es für den deutschen Amateur- und Breitensport in der Coronavirus-Pandemie die Möglichkeit für schrittweise Lockerungen. Das haben Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch in Berlin vereinbart, wie aus ihrem Beschlusspapier hervorgeht.
Abhängig von regionalen Inzidenzwerten können die Bundesländer als erste Maßnahme kontaktfreien Sport unter freiem Himmel in kleinen Gruppen mit maximal zehn Personen vorsehen. Dies gilt, wenn in einem Land oder einer Region eine stabile Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern erreicht wird. Sollte es eine stabile oder sinkende Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 geben, kann „Individualsport alleine oder zu zweit und Sport in Gruppen von bis zu zehn Kindern bis 14 Jahren im Außenbereich“ ermöglicht werden.
Lockerungen bei dem Verbot von Zuschauern in der Fußball-Bundesliga und weiterem Profisport sind in dem Beschluss nicht genannt.
In einem weiteren Schritt kann es nach 14 Tagen bei einer stabilen Inzidenz unter 35 kontaktfreien Sport im Innenbereich oder Kontaktsport draußen geben. Seit Monaten hatte der Lockdown Sportler im Hobby- und Leistungsbereich gebremst. Seit Anfang November darf nicht mehr gespielt, nicht einmal mehr trainiert werden.

Corona-Gipfel Beschlüsse: Ergebnisse des Bund-Länder-Treffens - Die neuen Regeln im Überblick

Die Konferenz von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten war lang und zäh. Um viele Beschlüsse wurde hart gerungen. Nach über neun Stunden standen die Ergebnisse fest, aus denen die Bundesländer nun regional neue Regeln formen. 
So sehen die Öffnungsschritte gemäß des Stufenplans nach dem Corona-Gipfel aus.
So sehen die Öffnungsschritte gemäß des Stufenplans nach dem Corona-Gipfel aus.
© Foto: Bundesregierung

Kreise: Öffnungen für Handel, Kultur und Sport ab Inzidenz 50

Wie zuvor bekannt wurde, hat sich Merkel auf Druck der Länder hin zu weiteren Corona-Öffnungsschritten schon ab einer Inzidenz von 50 bereit erklärt. Der nach dpa-Informationen aus Teilnehmerkreisen geeinte Kompromissvorschlag, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sieht für den Fall landesweite oder regionale Öffnungen „des Einzelhandels mit einer Begrenzung von einer Kundin oder einem Kunden pro 10 qm für die ersten 800 qm Verkaufsfläche und einem weiteren für jede weiteren 20 qm“ vor. Das Kompromisspapier ist mit dem Vermerk „Zwischenstand“ überschrieben und bildet den Stand 21.20 Uhr am Mittwoch, 03.03.21, ab.
Möglich wären dann auch die Öffnung von kulturellen Betrieben und im Sportbereich.

Offener Brief des DOSB an die Kanzlerin

Der Deutsche Olympische Sportbund bekräftigte am Dienstag in einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin den Wunsch nach einer Perspektive für den vereinsbasierten Sport, „den sozialen Tankstellen unserer Gesellschaft“. Dafür sei es „nun höchste Zeit“. Am Montag hatte bereits der Deutsche Fußball-Bund, dessen Amateurbasis im Lockdown schwer von der Krise getroffen ist, ein Schreiben an das Kanzleramt und verschiedene Bundesminister adressiert.
Für den organisierten Sport drängt die Zeit. „Unsere Vereine und Landessportbünde berichten über deutliche Mitgliederverluste, die Zahl der ehrenamtlich Engagierten nimmt täglich ab und nicht zuletzt muss unsere Gesellschaft auf die positiven gesundheitlichen Effekte von Sport unter Anleitung und in der Gruppe verzichten“, schreibt der DOSB in den Brief, der auch an den Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz, Michael Müller (SPD), sowie die Regierungschefs der Länder adressiert ist.
„Der organisierte Sport hat die klare Erwartungshaltung, dass Sie diesen Plan nun auch zeitnah ins Werk setzen und damit die Potenziale des Sports bei der Überwindung der Pandemie freisetzen“, schreiben die durch DOSB-Präsident Alfons Hörmann angeführten Vertreter des Sports.

Lockerungen für den Amateursport? So ist die Lage in Bayern

Angesichts der in weiten Teilen des Freistaats sinkenden Corona-Infektionszahlen erwartet Bayerns Innen- und Sportminister Joachim Herrmann zeitnahe Lockerungen im Amateursport. „Insbesondere Sport an der frischen Luft hat gute Chancen, bald wieder möglich zu sein, aber auch für die Sportausübung in Fitnessstudios und Vereinshallen erarbeiten wir Lösungen“, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in München. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte in dieser Woche über Lockerungen für Individualsportarten wie Tennis oder Golf gesprochen.
„Wir arbeiten derzeit intensiv an einem Lockerungsplan für den Amateur- und Breitensport in Bayern, damit dieser unter entsprechenden Hygieneauflagen - so schnell es geht - wieder möglich wird“, betonte Herrmann. Der Amateur- und Breitensport sei wichtig für die Gesundheit, gerade für Kinder, Jugendliche und für ältere Menschen. „Wir setzen daher alles daran, dass wir dem 'Sportland Bayern' auch in Corona-Zeiten bald wieder gerecht werden können.“

Vor dem Gipfel; Das sagen die Verbände in Bayern zum Thema Amateursport

  • „Wir begrüßen und unterstützen die Aussagen unseres Sportministers sehr. Die Sportlerinnen und Sportler warten sehnsüchtig darauf! Das Wichtigste ist jetzt der rasche Wiedereinstieg in den Sport“, sagte Jörg Ammon, Präsident des Bayerischen Landes-Sportverbandes, am Freitag. „Sport leistet einen immens wichtigen Beitrag für die Gesunderhaltung der Menschen – das gilt jetzt mehr denn je.“
  • Der Bayerische Fußball-Verband wertet die jüngsten Äußerungen von Herrmann als „extrem wichtigen Zwischenschritt für unsere Amateurfußballer im Freistaat“ auf dem Weg zurück auf die Plätze. „Die Botschaft, wie wichtig der Breitensport für Gesundheit und ein soziales Miteinander sind, ist angekommen und hat sich in den Köpfen der Entscheidungsträger festgesetzt, das macht Mut und lässt hoffen“, sagte BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher.
  • „Die gesamte Gesellschaft, alle Branchen sehnen derzeit Lockerungen herbei. Sobald diese im Falle weiter sinkender Infektionszahlen und anlaufender Impfungen möglich sind, müssen vor allem unsere Kinder und Jugendlichen auf die Plätze an der frischen Luft zurückkehren dürfen“, erklärten DFB-Präsident Fritz Keller und Rainer Koch, 1. DFB-Vizepräsident und BFV-Präsident.

Das sagt der Landessportverband Baden-Württemberg

Auch der Landessportverband in Baden-Württemberg forderte einen schrittweisen Wiedereinstieg in den Sport. Der LSVBW habe bereits Gespräche mit unterschiedlichsten Institutionen, wie z. B. Medizinern zu den Möglichkeiten der Öffnung geführt, heißt es in einer Stellungnahme.
Elvira Menzer-Haasis, Präsidentin des LSVBW, sagte: „Für uns ist wichtig, dass wir langsam und kontrolliert wieder in einen geregelten Sportbetrieb zurückkehren. Ein Stufenplan wäre für uns das Mittel der Wahl, um diese schrittweise Öffnung geordnet umzusetzen.“

Zuschauer sollen in die Stadien zurückkehren

Mit dabei sind:
  • der Deutsche Fußball-Bund
  • der Handballbund
  • der Volleyball-Verband
  • der Basketball-Verband

Fitnessstudio: Wann dürfen die Betreiber wieder öffnen?

Trainieren in Fitnessstudios ist derzeit nicht möglich. Das ärgert Betreiber und Kunden. Sie hoffen Lockerungen nach dem Corona-Gipfel am 03.03.2021.

Warnung von Schwimm-Verband: Mehr Nichtschwimmer durch Corona

Der Lockdown trifft nicht nur den Fußball. Marco Troll, Präsident des Deutschen Schwimm-Verbandes, warnte, dass es nicht nur einen Jahrgang, sondern im Falle weiter schließender Schwimmhallen nach der Pandemie gar Generationen von Nichtschwimmern geben könne.
Ganz so drastisch sind die Hilferufe aus dem Fußball als mitgliederstärkste Sportart nicht. Aber eine Umfrage des Bayerischen Fußball-Verbandes, in der 79,4 Prozent der Vereinsfunktionäre aus dem Freistaat den Verlust von Kindern und Jugendlichen als großes Problem sehen, drückt viel Sorge aus.
„Ich glaube, dass der Sport in unserem System eine sehr hohe gesellschaftliche Relevanz hat“, sagt der Sportliche Leiter Nationalmannschaften des DFB, Joti Chatzialexiou. „Ich glaube, dass es gerade für die Kinder sehr wichtig ist, dass sie sich bewegen, dass sie an der frischen Luft sind. Und das wirkt sich nicht nur körperlich, sondern auch auf die Psyche aus.“

Weniger Sport in der Pandemie: Folgen für den Körper

Die negativen Folgen von Bewegungsmangel bestätigt auch die Wissenschaft. „Das kann zu vielfältigen gesundheitlichen Auswirkungen führen oder dazu beitragen: Etwa Übergewicht, ungünstige Veränderungen im Stoffwechsel und Herz-Kreislaufsystem und anderen organischen Strukturen“, sagt Oliver Faude von der Universität Basel. Der Lockdown führe zu mehr Sitz- und Bildschirmzeit. Und das in einer Generation, die sowieso liebend gerne an der Konsole zockt.
Gerade Fußball als Sportart stimuliere sehr viele Ebenen, sagt Faude. Kinder würden dem natürlichen Bewegungsdrang nachgehen, viel für die Gesundheit tun und Freunde treffen. „Vor dem Hintergrund, dass das Infektionsrisiko beim Spielen sehr gering ist, spricht die Nutzen-Risiko-Abwägung eindeutig für Lockerungen im Jugendfußball“, sagt der Sportwissenschaftler, Spezialist auf diesem Gebiet.