Ulmer Münster
: Kletteraktion verhindert! Polizei kommt Klimaaktivisten zuvor

Am Mittwochmorgen, während des Wochenmarkts auf dem Ulmer Münsterplatz, hatten Umweltschützer eine waghalsige Roofing-Aktion geplant. Doch das klappte nicht.
Von
Isabelle Jahn,
Daniel Wydra
Ulm
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Münster Roofer Kletterer Polizei Klimaaktivisten Collage

Polizeieinsatz am Ulmer Münster: Klimaaktivisten haben angekündigt, sich vom Kirchturm abzuseilen.

Volkmar Könneke/dpa (Archivbilder)

Das Ulmer Münster lockt nicht nur Gläubige und Touristen an, sondern immer wieder auch Menschen, die illegalerweise die höchste Kirche der Welt erklettern wollen. Ihnen geht es wohl mehr um Respekt in der sogenannten Roofer-Szene als um weltweites Ansehen. Die Aktionen sind extrem gefährlich und werden strafrechtlich verfolgt. Doch das Ulmer Münster fällt wegen seiner Größe allen auf, die durch die Innenstadt laufen. Das wollten sich Klimaaktivisten zunutze machen – doch sie haben es nicht geschafft.

Die Aktivistengruppe hatte am Dienstag angekündigt, unerlaubt auf den Kirchturm zu klettern und sich aus mehr als 70 Metern Höhe abzuseilen. Dabei wollten sie ein riesiges Banner hissen, mit der Aufschrift „Wäre Jesus Klimaaktivist?“ und einer Illustration aus einer Bibelstelle. Die Szene aus dem Neuen Testament sei ein Beispiel dafür, dass Jesus selbst Aktivist gewesen sei, so die Protestler.

Polizei wusste vorab Bescheid

Doch in der Nacht zu Mittwoch entschieden sich die Klimaaktivisten plötzlich, ihre Banner-Aktion am Ulmer Münster abzusagen. Dafür hatten sie einen guten Grund. "Die Aktion sickerte an die Polizei durch und kann daher nicht wie unten beschrieben am heutigen Mittwochmorgen stattfinden", heißt es in einer Pressemitteilung. Wer die Aktion an die Polizei verraten hat, wüssten die Aktivisten noch nicht. "Wir vermuten die unverlässliche Stelle bei einem Medienhaus, das in der Klimabewegung dafür bekannt ist, sich über die branchenüblichen Sperrfristen hinwegzusetzen."

Still und leise zurückziehen wollen sich Aktivisten-Sprecher Samuel Bosch und seine Mitstreiter trotzdem nicht. Noch in der Nacht kündigten sie für Mittwoch, 9.30 Uhr, eine Pressekonferenz vor dem Münster an. Sie planen weiterhin, ihr Jesus-Klimaaktivisten-Banner aufzuhängen - "zu gegebenem Zeitpunkt bei einer anderen Kirche".

Aktivisten üben harsche Kritik an Politik

Mit dieser "Kunstaktion am höchsten Kirchturm der Welt", wie die Umweltschützer die waghalsige Aktion bezeichnen, wollten sie nach eigener Aussage "für christliche Werte in der europäischen Klimapolitik werben". In einer schriftlichen Ankündigung der Verantwortlichen wird die aktuelle Politik harsch kritisiert. „Wie viele katastrophale Jahrhundert-Hochwasser braucht es noch, bis die CDU sich auf christliche Werte zurückbesinnt?“, fragt eine der Kletterinnen, die sich mit dem Künstlernamen Tara Novác benennt. Zusammen mit der 19-Jährigen wollen auch der 21 Jahre alte Samuel Bosch und der 23-jährige Lino Krüger (ebenfalls Künstlername) das Münster erklimmen.

Aktivist Samuel Bosch war in Jugendarrest

Bosch, der aus Ravensburg stammt, ist kein Unbekannter: Er war im Sommer 2023 wegen Hausfriedensbruchs und übler Nachrede zu drei Wochen Jugendarrest verurteilt worden. Die Strafe trat er im März dieses Jahres in der Jugendarrestanstalt Göppingen an, kam aber vorzeitig aus dem Arrest frei. Der 21-Jährige war auch bei der Besetzung des Ulmer Eichenwalds gegen die Baumrodung dabei, die die Polizei schließlich mit SEK-Unterstützung beendete.

Letzte geplante Kletteraktion am Münster schlug fehl

Hauptsächlich gegen die CDU richtete sich auch eine bereits 2021 geplante Kletter-Aktion. Damals sollte – ebenfalls während des Mittwochmarkts – ein Transparent mit der Aufschrift „CDU: unchristlich, unsozial, klimaschädlich“ gehisst werden, dabei das C im Namen der Partei als Euro-Zeichen dargestellt. Doch es kam nicht zur Umsetzung, die Polizei verhinderte den Klimaprotest.

Roofer auf dem Kirchturm am Dienstagmorgen

Immer wieder beschäftigen illegale Kletteraktionen am Münster die Polizei. Erst am frühen Dienstagmorgen wurden zwei sogenannte Roofer am Gerüst des Nordturms entdeckt und konnten unerkannt entkommen. Ob es einen Zusammenhang mit den Aktivisten gibt und diese möglicherweise Vorbereitungen für Mittwoch getroffen hatten, ist noch unklar.