SEK-Einsatz am Ulmer Münster
: Polizei nimmt drei Klimaaktivisten fest

Am Dienstagmorgen hatten christliche Klimaaktivisten mit einer illegalen Kletteraktion am Ulmer Münster Polizei, Feuerwehr und SEK alarmiert. Der Einsatz ist nach knapp sechs Stunden beendet.
Von
Christian Wille,
Amelie Schröer
Ulm
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  • Ulmer Münster - Klimaprotest

    Mit einem Hubwagen stieg das SEK zu den Demonstrierenden hinauf.

    Matthias Kessler
  • Ulmer Münster - Klimaprotest

    Eine Demonstrantin wird abgeführt.

    Matthias Kessler
  • Ulmer Münster - Klimaprotest

    Um 11.30 Uhr hat die Polizei

    Matthias Kessler
  • Ulmer Münster - Klimaprotest

    Während der Mann im Hintergrund die Drohne steuert, schauen sich drei SEK-Beamte das Geschehen am Ulmer Münster an.

    Matthias Kessler
  • Ulmer Münster - Klimaprotest

    Im Laufe des Vormittags treffen immer mehr Schaulustige ein.

    Matthias Kessler
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Zahlreiche Polizeibeamte, Kräfte der Feuerwehr und das SEK waren am Dienstag am Ulmer Münsterplatz bei einer Aktion von Klimaaktivisten im Einsatz. In den frühen Morgenstunden berichtete die Polizei von einer Kletteraktion mit Banner. Nach ersten Informationen waren dort vier Personen an der Kirchenfront hochgeklettert. Bereits um 6 Uhr hatte ein Polizeibeamter das Geschehen im Revier gemeldet. Ob er es auf dem Weg zur Arbeit oder privat mitbekommen hatte, ist bislang unklar. Zur Mittagszeit nahm die Polizei letztendlich drei Personen vorläufig fest.

Junge Klimaaktivisten waren in den frühen Morgenstunden am Ulmer Münster hoch geklettert und hatten auf rund 70 Metern Höhe am Gerüst der Kirchenfront ein Banner mit der Aufschrift "Wäre Jesus Klimaaktivist?" befestigt.

Klimaaktivisten hängen Banner an Ulmer Münster - SEK im Einsatz

Klimaaktivisten hängen Banner an Ulmer Münster. Das SEK ist im Einsatz. Drei Personen werden festgenommen.

Matthias Kessler

SEK ist angefordert und Polizei-Drohne vor Ort

Nachdem früh die ersten Polizei- und Feuerwehrkräfte eintrafen und den Münsterplatz in alle Richtungen mit Einsatzwägen absicherten, wurde gegen 8.30 Uhr das Spezialeinsatzkommando (SEK) alarmiert, das sich auf den Weg zum Münsterplatz machte, um die Aktivisten sicher vom Münster herunterzuholen. Zudem setzte die Polizei auf Unterstützung aus der Luft und nutzte mehrere Drohnen, um Livebilder der Aktivisten zu den Einsatzkräften am Boden zu senden und dadurch die weitere Einsatzplanung entscheidend zu unterstützen. Während Drohnen-Experten die Geräte in der Luft steuerten, beobachteten Polizei und SEK auf einem Bildschirm das Geschehen am Münsterturm.

SEK trifft am Münsterplatz ein - Auch Ansbacher informiert sich

Um kurz vor 9 Uhr traf das SEK vor Ort mit mehren Wägen und Kräften ein und besprach zunächst das weitere Vorgehen mit der Polizei. Auch die Feuerwehr bekam Verstärkung: Der Einheitsführer der Höhenrettung der Feuerwehr Ulm kam auf dem Münsterplatz. Ulms Oberbürgermeister, Martin Ansbacher, kam ebenfalls auf dem Ulmer Münsterplatz und sprach mit den dortigen Einsatzkräften.

Ulms OB, Martin Ansbacher, bei der Kletteraktion am Ulmer Münster vor Ort.

Ulms OB, Martin Ansbacher, bei der Kletteraktion am Ulmer Münster vor Ort.

Amelie Schröer

SEK-Einsatz gestartet, um Aktivisten runterzuholen

Sven Vrancken, der Leiter der Öffentlichkeitsabteilung des Polizeipräsidiums Ulm berichtete, dass bevor das SEK tatsächlich eingreift, die Aktivisten noch einmal überzeugt werden sollen, von selbst herunterzukommen. Erfolglos.

Schlussendlich machten sich gegen 9.30 Uhr die ersten Einsatzkräfte des SEK mit dem Bauaufzug an der Seite des Gerüsts am Münster auf den Weg nach oben. Nach Informationen der Polizei beteiligten sich drei Personen zu diesem Zeitpunkt an der Kletteraktion. Darunter laut Polizei auch Samuel Bosch, der bereits vorab Mitteilungen mit der Botschaft der Aktivisten an die Presse verschickt hatte. Parallal machte sich weiteres schweres Gerät bereit: Eine große Hebebühne war  inzwischen eingetroffen und hinter Absperrband mittig vor der Kirchenfront platziert, um die Klimaaktivisten auf diesem Weg in Richtung Boden zu holen.

Eine Polizeidrohne unterstützt den SEK-Einsatz bei der Kletteraktion von Klimaaktivisten am Ulmer Münster.

Eine Polizeidrohne unterstützt den SEK-Einsatz bei der Kletteraktion von Klimaaktivisten am Ulmer Münster.

Amelie Schröer

Erste Festnahme bei Kletteraktion am Ulmer Münster

Die Situation beobachtete auch Dekan Torsten Krannich. Er hatte eine klare Meinung zu der Aktion: „Einfach doof“. Eigentlich wollte er mit den Aktivisten sprechen, nach der von der Polizei verhinderten Aktion vergangene Woche. Auf Nachfrage, ob er ihnen das Angebot nochmal machen werde, sagte er „Mal schauen, ob sie das noch wollen, wir werden ihnen aber erstmal ne fette Rechnung schicken, so ein Einsatz ist natürlich teuer“.

In der Zwischenzeit konnten Spezialkräfte den ersten Aktivisten festnehmen. Er wurde von Polizeibeamten auf das Revier Ulm Mitte gebracht.

SEK nimmt zweiten Aktivisten fest

Gegen 10.20 Uhr folgte Person Nummer zwei. Über die Hebebühne des Spezialkrans nahmen die Einsatzkräfte des SEK einen jungen Mann fest. Er leistete keine Gegenwehr und stieg von selbst auf die Plattform des Krans zu den SEK-Beamten und später ins Polizeiauto, das ihn ebenfalls in Revier Ulm Mitte brachte.

Zweite Festnahme bei Kletteraktion von Klimaaktivisten am 2. Juli am Ulmer Münster.

Zweite Festnahme bei Kletteraktion von Klimaaktivisten am 2. Juli am Ulmer Münster.

Amelie Schröer

Probleme bei dritter Festnahme am Ulmer Münster

Die Festnahme von Person Nummer drei dauerte dagegen länger als geplant. Um kurz nach 10.30 Uhr machte sich der Kran auf den Weg nach oben – doch die Hebebühne konnte nicht weit genug ausfahren. Offenbar war der Wind das Problem, warum der Kran nicht weit genug ausgefahren werden konnte. Eine neue Position sollte helfen. Nachdem der Kran gegen 11 Uhr schließlich neu ausgerichtet war, konnte es an die dritte und letzte Festnahme gehen.

Für die Festnahme des dritten Klimaaktivisten auf dem Ulmer Münster muss der Kran neu ausgerichtet werden.

Für die Festnahme des dritten Klimaaktivisten auf dem Ulmer Münster muss der Kran neu ausgerichtet werden.

Amelie Schröer

Doch auch Anlauf Nummer zwei der dritten Festnahme um 11.10 Uhr erweist sich als schwierig. Die Einsatzkräfte haben Sorge, das Münster zu beschädigen, deshalb drehen sie den Korb des Krans jetzt noch einmal.

In der Zwischenzeit füllte sich der Münsterplatz mit immer mehr Schaulustigen. Neben Erwachsenen waren auch viele Kinder mit Eltern dort. Eine Frau äußerte ihr Unverständnis für die Kletterer: „Wenn sie da hochgehen, sollen sie doch bitte auch alleine wieder runterkommen!", oder auch "so ein Polizeiaufgebot für so eine Aktion".

SEK nimmt dritten Aktivisten fest

Gegen 11.30 Uhr gelang es den Einsatzkräften des SEK schließlich auch die dritte und damit letzte Person, eine junge Frau, vom Ulmer Münster zu holen und festzunehmen. Sichtlich zufrieden winkte sie den Menschen auf dem Münsterplatz von der Hebebühne aus zu, ehe sie mit Handschellen ins Polizeiauto und dann zur Wache gebracht wurde.

Noch einmal steuerte der Kran danach den Turm des Ulmer Münsters an, mit dem Ziel, das Banner und Equipment der Aktivisten zu entfernen. Danach endete der Einsatz, der sich insgesamt beinah über sechs Stunden hingezogen hat, von der ersten Information über die Aktion gegen 6 Uhr am Morgen bis hin zur dritten und letzten Festnahme zur Mittagszeit.

Sobald es weitere Informationen zu der illegalen Kletteraktion gibt, aktualisieren wir diesen Artikel.

Ulmer Münster - Klimaprotest

Zur Mittagszeit entfernten die SEK-Einsatzkräfte am Ulmer Münster das Banner der Klimaaktivisten.

Matthias Kessler

Klimaaktivisten bereits vergangene Woche am Münsterplatz

Erst beim Wochenmarkt auf dem Münsterplatz in Ulm am vergangenen Mittwochmorgen (26.06.) hatten Umweltschützer eine waghalsige Roofing-Aktion geplant. Doch daraus wurde nichts - die Polizei kam ihnen zuvor. Daraufhin verkündeten die vier christlichen Aktivisten ihre Botschaft am Rande des Marktes. Ob es sich bei der aktuellen Aktion um die gleichen Aktivisten handelt, ist noch nicht bestätigt - liegt aber nahe.

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