Verwechslung in TV-Show
: Sieben Zeichen dafür, dass Sie in Ulm und nicht in Münster sind

Peinliche Panne bei der NDR-Satire-Show Extra 3: Die hat doch glatt Ulm mit Münster verwechselt. Hier 7 Tipps, woran auch Auswärtige erkennen, dass sie in Ulm sind.
Von
Kerstin Auernhammer
Ulm
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Christian Ehring sprach bei diesem Bild von „Münster“. Das Münster ist zwar zu sehen, aber es handelt sich eindeutig um Ulm!

Screenshot: ARD Mediathek

Münster ist eine schöne Stadt. Es ist bekannt für viele Fahrradfahrer, sein unschlagbares Tatort-Duo Thiel und Boerne ... und wahrscheinlich für viele andere Dinge. In Ulm fällt das Wort „Münster“ allerdings in 99 Prozent der Fälle in einem anderen Zusammenhang ... hier steht mit dem Ulmer Münster die Kirche mit dem (noch) höchsten Kirchturm der Welt. 430 Kilometer trennen die beiden Städte, sie liegen in komplett unterschiedlichen Bundesländern, Münster (314.000 Einwohner) ist etwa zweieinhalbmal so groß wie Ulm (ca. 130.000 Einwohner). Und doch besteht offenbar Verwechslungsgefahr. Das Satiremagazin „Extra 3“ des NDR hat die beiden Städte in seiner jüngsten Folge verwechselt. Es ging um die jüngsten Proteste gegen die AfD. Die Sendung zeigte Bilder aus vielen verschiedenen Städten, darunter auch aus Ulm – allerdings ordnet Moderator Christian Ehring das Bild Münster zu.

Peinliche Verwechslung, aber wir Ulmer sind ja nicht so. Fürs nächste Mal haben wir hier sieben Tipps, woran der Sender erkennen kann, dass er in Ulm ist und nicht in Münster.

1. Sie sehen nur noch Schwarz-Weiß

Schwarz und Weiß sind die Ulmer Stadtfarben. Sie bestimmen nicht nur die Ulmer Stadtflaggen, sondern auch die Trikots des Fußball-Drittligisten SSV Ulm 1846 Fußball.

Nadine Vogt

Kein Wunder, denn Schwarz und Weiß sind die Stadtfarben Ulms. Das Wappen ist schlicht zweigeteilt: oben schwarz, unten weiß. An wichtigen Feiertagen wehen schwarz-weiße Flaggen vor öffentlichen Gebäuden. Und auch die Ulmer Drittliga-Fußballer des SSV Ulm 1846 Fußball haben Schwarz und Weiß als Vereinsfarben. Nicht zu verwechseln mit Ligakonkurrent Preußen Münster, der Schwarz-Weiß-Grün als Vereinsfarben hat.

Manchmal versinkt Ulm auch in einem Mix aus seinen Stadtfarben schwarz und weiß, dann ist alles (nebel-)grau.

Volkmar Könneke

Wobei – zugegeben, manchmal sind Schwarz und Weiß in Ulm auch nicht so einfach auseinanderzuhalten. Nämlich dann, wenn sich an der Donau der für Ulm so typische Nebel bildet. Der taucht die Stadt in eine graue Suppe. Da kann man dann schon mal den Durchblick verlieren.

2. Es riecht entweder nach Lebkuchen oder nach Hopfen

Die Ulmer Brauerei ist an manchen Tagen in der ganzen Stadt zu riechen.

Volkmar Könneke

Zwei große Firmen dominieren in den Ulmer Nasen. An manchen Tagen riecht es in Teilen der Stadt, vor allem in der Mitte und im Osten würzig-malzig. Der Geruch kommt von der Ulmer Brauerei Gold Ochsen, die nördlich der Innenstadt, am Fuß des Michelsbergs, zu finden ist. Die einen mögen das Aroma, anderen ist es eher lästig. Im Süden der Stadt ist an manchen Tagen auch ein anderer Geruch wahrnehmbar. Denn bei Neu-Ulm backt Lebkuchen Weiss Leckereien zur Weihnachtszeit – auch und gerade im Sommer. Dieser vanillig-süßliche Duft schwebt manchmal über der Stadt.

3. Sie stehen mit einem Bein in Bayern

Rechts der Ulmer Stadtkern (Baden-Württemberg), alles jenseits der Donau ist bayerisch.

Kerstin Auernhammer

Um das nochmal ganz klar zu sagen: Ulm ist baden-württembergisch und hat mit Bayern gar nichts zu tun. Also fast. Nun gut, es gibt ein Kapitel in der Ulmer Geschichte, manche mögen es ein dunkles Kapitel nennen. Da war Ulm bayerisch. Aber nur acht Jahre und auch nicht ganz freiwillig. Als Nachwehen dieser Zeit hat sich dann ein „Ulm rechts der Donau“ entwickelt, heute besser bekannt als Neu-Ulm. Das ist wirklich bayerisch und mauserte sich von einem Anhängsel Ulms zur eigenständigen Stadt mit knapp 66.000 Einwohnern. Die Donau bildet die Landesgrenze. Mitten auf der Herdbrücke kann man im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Bein in Bayern und mit einem in Baden-Württemberg stehen, dort markiert eine Linie in der Straße die Landesgrenze.

4. Sie sind ständig von Spatzen umgeben

Lauter Ulmer Spatzen: Die Fußballer (links oben) werden ebenso genannt wie der berühmte Chor. Neben den echten Vögeln gibt es in Ulm auch eine Menge bunt bemalter Beton-Spatzen, eine Kunstaktion aus dem Jahr 2001. Und natürlich ist in Ulm auch eine Straße nach dem Wappentier der Stadt benannt.

Volkmar Könneke, Matthias Kessler, Kerstin Auernhammer, Collage: Befunky

Viele Städte haben ein Wappentier, Berlin etwa seinen Bären. Ulm hat den Spatz: klein, wendig und gefräßig. Auch heute sieht man die kleinen Vögel an vielen Orten, manchmal kommen sie im Sommer in den Cafés ganz dreist zum Betteln vorbei. Außerdem thront auf dem Ulmer Münster ein Spatz mit Strohhalm im Schnabel. Er soll an eine städtische Legende rund um den Münsterbau erinnern: Bauarbeiter hatten demnach Probleme, einen Balken für den Bau der Bürgerkirche durchs Stadttor zu bringen. Als sie einen Spatzen beobachteten, der einen Strohhalm für sein Nest durch eine enge Lücke brachte, ging ihnen ein Licht auf: Sie drehten den Balken und brachten ihn längs statt quer durchs Tor. Die Legende ist uralt. Sie ist der Grund, warum der bekannte Kinderchor „Ulmer Spatzen“ heißt, und auch die Fußballer des SSV Ulm 1846 werden seit jeher so genannt. Der Ulmer Künstler Ralf Milde hat diesem Tier im Jahr 2001 eine Kunstaktion gewidmet, die bis heute nachwirkt. Er goss den Vogel in Beton – immer noch findet man ihn an den Fassaden etlicher Häuser in der Innenstadt.

5. Ihnen begegnet an jeder Ecke Albert Einstein

Albert Einstein hat seinen festen Platz in Ulm, links als Figur auf dem Ulmer Wochenmarkt, rechts beim Brunnen vor dem Zeughaus.

Archiv, Kerstin Auernhammer, Collage: Befunky

Er ist neben Harald Schmidt (wobei: Der ist Neu-Ulmer und zählt deshalb nur halb) und Hildegard Knef eins der berühmten Kinder der Stadt. Einstein wurde 1879 in Ulm geboren. Auch wenn seine Eltern im Jahr darauf nach München zogen, schmückt sich die Stadt mit dem Physiker. Wo früher sein Geburtshaus stand, erinnert heute ein Denkmal an Einstein. Darum gab es einen eher peinlichen Miniskandal, aber das ist eine andere Geschichte. Dann gibt es natürlich ein Albert-Einstein-Gymnasium, der Wagen 43 der Ulmer Straßenbahn trägt seinen Namen und vor dem Zeughaus thront ein Brunnen mit dem Konterfei des berühmten Sohnes der Stadt. Auch Einstein erhielt von einem Künstler eine eigene Figur, ähnlich wie der Ulmer Spatz. Ottmar Hörl schuf 2018 einen Mini-Einstein aus Plastik.

6. Sie hören seltsame Worte wie „Gugg“ oder „Breschdlingsgsälz“

Erdbeermarmelade heißt in Ulm „Breschdlingsgsälz“. (Archivbild)

Doris Heinrichs

Der schwäbische Dialekt ist umstritten: Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Bei einer Umfrage wurde Schwäbisch im vergangenen Sommer zum zweit-unbeliebtesten Dialekt Deutschlands gewählt, getoppt nur noch von Sächsisch. Dabei ist die Sprache doch so schön - wo wird man etwa schöner beschimpft als im Schwobaländle: Hier ist man entweder ein Grasdaggl oder ein Seggl (Idiot, wörtlich: männliches Geschlechtsteil). Die Steigerung Muggaseggl (wörtlich übersetzt: Mückenpenis) bedeutet eine winzige Kleinigkeit. Wer bescheuert ist, hat einen Bätscher (Knall). Wer einkaufen geht, nimmt eine „Gugg“ mit (Einkaufstüte). Und niemals das Breschdlingsgsälz vergessen – außer Sie sind allergisch gegen Erdbeeren.

7. Egal, wo Sie sind: Sie sehen immer diese große Kirche

Selbst vom Ulmer Donaustadion aus hat man einen Super Blick aufs Münster.

Matthias Kessler

Das Ulmer Münster. Die Kirche mit dem höchsten Turm der Welt, Ulms Wahrzeichen und von vielen Orten der Stadt aus zu sehen. Egal, ob bei einem Spaziergang auf dem Eselsberg, von der Wilhelmsburg aus, vom Neu-Ulmer Petrusplatz oder vom Donaustadion aus. Wohnungen und Büros mit Münsterblick sind begehrt. Auch von der Autobahn A8 aus etwa ist das Münster zu sehen, ebenso, wenn man mit dem Zug aus südlicher Richtung in den Ulmer Hauptbahnhof einfährt. Für wahre Ulmer ist dieser erste Blick auf „ihre“ Kirche das wahre Heimkommen nach einer Reise.

Wenn die Redaktion von Extra 3 nach diesen Tipps immer noch Probleme hat zu erkennen, wie Ulm aussieht, kann sie ja auch auf Instagram nachschauen:

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