Mord an Ece in Illerkirchberg: Emotionen im Gerichtssaal: So lief der zweite Prozesstag

Auftakt des Mordprozesses Illerkirchberg am Landgericht Ulm
Volkmar KönnekeNach einem emotionalen Vormittag wurde am Nachmittag der Mitbewohner vernommen: Am Landgericht Ulm ging der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der 14-jährigen Ece weiter. Der Mitbewohner lebte seit 2016 in verschiedenen Unterkünften mit dem Angeklagten zusammen, berichtete er im Gerichtssaal. Auf ihn habe der 27-Jährige normal gewirkt, er habe sich auch nicht verändert. Die Tat habe ihn überrascht, berichtet der Mann.
Mit seiner Aussage wurde gegen 15:45 Uhr die Beweisaufnahme abgeschlossen, der zweite Verhandlungstag ging zu Ende. Begonnen hatte er am Morgen recht emotional: Ein Polizist, der einer der ersten am Tatort war, berichtete teils unter Tränen von jenem Morgen.
Wie bereits von seiner Anwältin Corinna Nagel aus Geislingen an der Steige im Vorfeld angekündigt, äußerte sich der 27 Jahre alte Angeklagte zunächst nicht zu den Tatvorwürfen. Angeklagt ist der Mann wegen Mordes und versuchten Mordes mit gefährlicher Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Dezember zwei Mädchen mit einem Messer attackiert zu haben. Ece überlebte den Angriff nicht, ihre 13 Jahre alte Freundin konnte schwer verletzt fliehen.
Aussagen zum Motiv für den Messerangriff auf Ece und ihre Freundin
Geladen waren am zweiten Verhandlungstag Zeugen von Polizei und Spurensicherung, aber auch Zeugen, die etwas zum Motiv des Angeklagten sagen könnten.
So berichtete der psychiatrische Gutachter, Dr. Peter Winckler, was der Angeklagte ihm zum Tathergang und zum Motiv gesagt hatte – es entspricht im Wesentlichen der bereits bekannten Darstellung der Anklage: Der Angeklagte, der als Asylbewerber nach Deutschland gekommen war, habe an jenem Tag mit einem Messer im Landratsamt einen Reisepass für eine Reise nach Afrika erzwingen wollen, wo er heiraten wollte. Als er sein Haus verließ, traf er auf Ece und ihre Freundin und stach zu – in der Annahme, dass die Mädchen das Messer gesehen hätten und seine Pläne vereiteln hätten können.
Angeklagter wollte Mitarbeiter im Landratsamt mit Messer verletzten
Der Gutachter führte aus, dass der Angeklagte den Landratsamtsmitarbeiter des Alb-Donau-Kreises mit dem Messer habe verletzen wollen. Er sei davon überzeugt gewesen, dass das Landratsamt sein Leben zerstört habe. Diese Aussage bestätigte ein Polizei-Ermittler, der den 27-Jährigen nach der Bluttat vernommen hatte.
Laut dem Gutachter hatte der Angeklagte von gesundheitlichen Problemen berichtet, die ihn belastet hätten. Darunter seien auch sexuelle Probleme gewesen. Von einer Heirat habe er sich erhofft, dass diese verschwänden. Dass er keine Frau habe, sei ein großes Problem im Leben des 27-Jährigen gewesen. Von Freunden habe er gewusst, dass diese in ihre Heimat nach Äthiopien ausgereist seien. Dort hätten sie geheiratet und seien dann mit einer Frau zurückgekommen. Das, so der Gutachter, habe der Angeklagte auch gewollt.
Weitere Informationen folgen
Beim Prozessauftakt Anfang Juni war lediglich die Anklageschrift verlesen worden. Ein Urteil in dem Verfahren könnte am 4. Juli fallen.
