Mario Schneider aus Ulm
: Grafikdesigner, Clubchef, Gemeinderat – was kommt noch?

Nur ein Job wäre ihm zu langweilig. Der gebürtige Ulmer hat viele Talente – und setzt sie nicht nur in der Unterhaltungsbranche ein. Ein Gespräch mit dem Stadtmagazin acht.neun über Corona, Stadtpolitik und die Clubszene.
Von
Karsten Sander, Saskia Mohr
Ulm
Jetzt in der App anhören
Mario Schneider - Clubbesitzer, Gemeinderat, Grafikdesigner im Interview mit dem Magazin acht.neun

Mario Schneider - der Ulmer Politiker, Clubbesitzer und Unternehmer verrät im Interview mit dem Magazin acht.neun unter anderem von seinen beruflichen Wurzeln als Grafikdesigner.

Atelier Schlieper
  • Mario Schneider aus Ulm ist Grafikdesigner, Clubbesitzer und Gemeinderat.
  • Er spricht über seine vielseitige Karriere und seine Pläne für die Zukunft.
  • Schneider war an vielen Projekten beteiligt, darunter Clubs in Ulm und Mykonos.
  • Während der Corona-Pandemie baute er Testzentren im Club auf.
  • Aktuell betreibt er den Club "Eins Tiefer" und ist im Gemeinderat aktiv.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Viele kennen ihn von seinem früheren Club Theatro, von seinem aktuellen Club EinsTiefer oder auch als Gemeinderat. Doch Mario Schneider hat viele Eisen im Feuer. Seit einem halben Jahr ist der Mittvierziger im Ulmer Gemeinderat, nächstes Jahr will er für die CDU in den Landtag einziehen.

Was hat dich ursprünglich inspiriert, in die Club- und Gastroszene einzusteigen?
Schon während der Schulzeit habe ich meine kreative Ader entdeckt. Von meinen ersten Grafiken bis hin zu den ersten eigenen Veranstaltungen. Man kann sagen ich habe bereits mit 15 Jahren die ganze Kiste losgetreten. Bei Frieder Hieber habe ich angefangen. Schnell hat mich dann Thomas Heyne in seinen, zu diesem Zeitpunkt legendären Myer’s Club geholt. Er hat mich auf allen Stationen, die wir gemeinsam durchlaufen haben, geprägt und mir unfassbar viel mitgegeben. Thomas Hartmann, an dessen Seite ich das Dolce, das Yellow und auch später das Myer’s begleiten durfte, war in Sachen Kreativität und Perspektivwechsel ein wichtiger Mentor. 2006 folgte das Projekt „The Beach“, das ich gemeinsam mit Michael Freudenberg umsetzen durfte. Ein Highlight war dann die Eröffnung des Club „Paradies“ auf Mykonos ¬ zusammen mit Thomas Heyne und Mario Hertel. Parallel dazu habe ich meine eigene Agentur aufgebaut. Mit Schneider & Friends vermarkte und manage ich bis heute Künstler und betreibe internationales Eventmanagement. Zu den Eckpfeilern gehören auch grafische Dienstleistungen.

Nach deiner schulischen Laufbahn hast du zunächst Grafik-Design studiert. Du hättest sicher auch diesen beruflichen Weg einschlagen können?
Absolut. Ich hatte immer Spaß an Design-Projekten und damals tatsächlich auch ein paar Bewerbungsgespräche geführt. Aber meine Liebe galt dann doch mehr den Veranstaltungen. Wobei ich das Designen bis heute in meine Arbeit einfließen lassen kann. Design ist bei mir Chefaufgabe. Ich mache all meine Grafiken selbst.

2007 kam dann das Großprojekt „Theatro“ – nimm uns doch mit auf eine kleine Zeitreise.
Seit 2005 habe ich gemeinsam mit meinen Geschäftspartnern den Club „Paradies“ auf Mykonos betrieben, mich aber währenddessen schon für das Projekt „Theatro“ entschieden. Es war eine unglaubliche Chance ein altes Kino in einen Club umzuwandeln. Wir haben sprichwörtlich auf der grünen Wiese begonnen. Das „Theatro“ trug meine Handschrift, es war mein Baby. Ich habe unfassbar viel Zeit, Energie und vor allem viel Liebe investiert. Der Erfolg stellte sich sehr schnell ein.

Seit Juni am Start: acht.neun

Dieser Text erschien zuerst im neuen Stadtmagazin acht.neun. Es ging im Juni 2024 an den Start. Jeden Monat gibt es darin Geschichten rund um Leute, Lifestyle, Kultur, Gastronomie und Stadtgeschehen. Den Link zur aktuellen Online-Ausgabe gibt es hier.

acht.neun als gedrucktes Magazin ist an mehr als 250 Auslagestellen kostenlos zu haben. Es liegt an vielen hochfrequentierten Plätzen in der Doppelstadt aus: in der Gastronomie, im Einzelhandel, in Banken und Parkhäusern.

Du giltst als Tausendsassa. Gab es neben dem „Theatro“ noch weitere Projekte?
Ich liebe es, wenn viele Bälle in der Luft sind. Natürlich habe ich weiterhin Events gemacht. Eines der größeren Projekte war unsere „Ibiza World Club Tour“. Veranstalter auf der ganzen Welt konnten das Konzept von uns buchen. Wir haben von DJs, Grafiken, Marketing bis hin zur Ausstattung alles geliefert und organisiert. Es war ein erprobtes Full-Service-Partypaket mit Erfolgsgarantie, das in vielen Ländern gebucht wurde.

Das klingt nach logistischer Höchstleistung. Da sind Pannen sicher vorprogrammiert?
Man darf auf keinen Fall schlechte Nerven haben. Eine Katastrophe war, wenn, Ende der 90er, der Plattenkoffer eines DJs nicht am Zielort ankam. Auch das ist passiert. Dann muss man vor Ort mit den Resident DJs eine Lösung finden oder, als Worst-Case-Szenario, den Gig absagen. Wir haben aber meistens durch Kontakte vor Ort die Veranstaltung retten können.

Theatro-Chef Mario Schneider.

Peak-Termin: Mario Schneider im Theatro und die Zukunft der Partyszene

2021 war Mario Schneider noch bzw. wieder Chef im Theatro. 2022 schloss der Club in der Hirschstraße, der Nachfolger Cocomo ist eine feste Größe im Ulmer Nachtleben.

Matthias Kessler

Nochmal kurz zurück zum „Theatro“, wie fing die Geschichte eigentlich an?
Mein Freund Herbert Sindel hatte den Kontakt zur Familie Falschebner, die damals Eigentümer der Immobilie waren, ermöglicht. Schnell war klar, dass wir die Liegenschaft tatsächlich sanieren und umbauen können. Nach dem Start wuchsen aber die finanziellen Anforderungen mit jeder neuen Aufgabe. Ein Projekt in dieser Dimension ist immer gut für Überraschungen. Am Ende landeten wir bei 2,2 Millionen Euro.

Wie geht ein damals 28-Jähriger mit so einem großen Druck um? Ihr wart zum Erfolg verdammt!
Die Geschäftspartner an meiner Seite waren anfangs sehr kollegial und haben viel Druck von mir genommen. So konnte ich mich mit ganzer Kraft um das Tagesgeschäft und um den Erfolg des Clubs kümmern. Ich hatte eine Spielwiese, auf der ich sowohl neue Formate und Konzepte als auch natürlich meine Grafiken entwickeln konnte. Im Nachhinein weiß ich nicht, ob es clever war, die Verantwortung in den wirtschaftlichen Bereichen komplett abzugeben.

Es gab dann aber auch eine Auszeit. Wie kam es dazu?
Wo Menschen miteinander arbeiten, knirscht es bisweilen auch. Ich hielt es damals für richtig, aus dem operativen Geschäft auszusteigen, war aber noch Teilhaber. 2019 habe ich dann alle Anteile erworben und bin bis in die Haarspitzen motiviert voll durchgestartet. Der Erfolg und der Zuspruch waren großartig.

Mitten in die Erfolgsgeschichte platzte dann Corona. Du hast daraufhin mit einigen Ideen erfolgreich experimentiert.
Bezeichnenderweise erreichte uns an einem Freitag, den 13. die Nachricht, dass ein Club-Betrieb nicht mehr möglich ist. Zunächst war das eine Horror-Nachricht. Ich habe aber nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern begonnen alternative Konzepte zu entwickeln. Der Zirkel 854 war ein Gastro-Kollektiv im „Theatro“, in dem sich kleinere Bars unseren großen Raum teilten, um Gastroregeln einhalten zu können. Oder auch unser Warenhaus „Supermarkt Mitte“ für regionale Produkte. Das war ein außergewöhnliches und erfolgreiches Konzept, aber dann kam der Lockdown.

In dieser Zeit kam die Idee mit dem Testzentrum.
Ja, das war kurz vor Weihnachten. Der Gedanke, wie infizierte Menschen ihre Familien während dieser Zeit schützen können, trieb mich um. Meine Überzeugung war, dass dies nur mit Tests funktioniert. Und es musste super easy sein, um Akzeptanz zu schaffen. Naheliegend war es, neben dem Donaubad, auch ein Testzentrum im Theatro zu eröffnen. Rückblickend klingt das simpel. Aber es war Neuland und ich wollte es professionell und transparent gestalten. Mit dem Labormediziner Dr. Schwarzbach und seinem Sohn Eric Schwarzbach habe ich Experten gefunden, die das Projekt professionell betreuen konnten und mit denen ich richtig Geschwindigkeit aufnehmen konnte. Aber das war nur die halbe Miete. Ich habe zudem eine Software programmieren lassen, die wir permanent weiterentwickelt haben. Nach dem Test bekamen die Menschen einen Ausdruck mit einem QR-Code. Über den konnten sie kurz nach dem Test ihr Ergebnis abrufen. Das mag jetzt trivial klingen. Damals war es richtig innovativ und wurde von befreundeten Gastronomen und Eventveranstaltern in ganz Deutschland übernommen. Auch für die Software als Stand-alone-Lösung gab es Bedarf.

War das im Rückspiegel betrachtet deine beste Idee?
So weit würde ich nicht gehen. Aber ich habe viel gelernt. Nach den vielen Jahren im Musikbusiness musste ich mich jetzt in eine mir völlig neue Materie einarbeiten. Natürlich haben wir Geld verdient, aber es hat auch großen Spaß gemacht. Das Wichtigste für mich aber war, dass wir vielen Menschen helfen konnten.

Inzwischen betreibst du mit dem „Eins Tiefer“ wieder einen angesagten Club. Hattest du Heimweh nach der Clubatmosphäre?
Ja, und es ist ein Herzensprojekt. Ich habe an jedem Detail getüftelt und gezeichnet. Die Umbauarbeiten haben sich ein Jahr gezogen. Ich investiere in den Raum sehr viel Liebe und noch mehr Leidenschaft. Für einen Club ist das „Eins Tiefer“ eher klein, aber er ist exakt so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Hier kann ich mich auf ein kleines Publikum konzentrieren und auf die Musik, für die ich stehe. Leckere Drinks, tolle Musik und schöne Momente zusammen mit wundervollen Menschen zu teilen, dafür steht dieser Club.

Seit einigen Monaten bist du jetzt auch Gemeinderat. Wie bekommt man beides unter einen Hut?
Das Mandat ist ein Ehrenamt. Wenn man es ernst nimmt, muss man viel Zeit investieren. Ich mache das sehr gerne und bin mit Leib und Seele Gemeinderat. Auf kommunaler Ebene wird vieles entschieden, was direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Ulm hat. Hier mitwirken zu dürfen, empfinde ich als eine große Ehre. Diese Tätigkeit ist absolut bereichernd für mein Leben. Vor allem auch durch die unterschiedlichsten Menschen, die man kennenlernt.

Was zeichnet Ulm für dich aus?
Ulm ist eine absolut lebenswerte Stadt und vor allem überschaubar. In Ulm kann man schön leben, super feiern und toll essen. Wir haben, und das wird immer so bleiben, den höchsten und schönsten Kirchturm der Welt und vor allem leben hier fantastische Menschen.

Der Blick in die Glaskugel: In welcher Liga spielt der SSV in der kommenden Saison?
Ganz eindeutig in der zweiten Liga, davon bin ich fest überzeugt.

Interessierst du dich auch für Basketball?
Auf jeden Fall. Basketball ist ein großartiger Sport. Ich schaffe es leider viel zu selten, zu den Spielen zu gehen. Fan bin ich aber auch vom Söflinger Handball und vom Eishockey der Devils.

Wie blickst du auf die Gastronomie in Ulm und wo würde man dich dort treffen?
Ulm hat eine große gastronomische Vielfalt. Wir haben unfassbar viele gute Restaurants, Bars und natürlich Gastromen, die jeden Tag ihr Bestes geben. Privat gehe ich gerne ins Elinaki, zu Da Franco, in die Edda und ins Buonissimo in Neu-Ulm. Mit meinen über alles geliebten Kindern auch gerne ins Wirtshaus zur Brezel.