Tübinger Fall im TV: So zeigte Aktenzeichen XY die Supermarktparkplatz-Entführung

Die Tübinger Entführung war Thema in der Sendung Aktenzeichen XY Ungelöst.
Polizeipräsidium Reutlingen/Sina Schuldt/dpa- Die Tübinger Entführung vom Rewe-Parkplatz war Thema bei „Aktenzeichen XY“ im ZDF.
- Der Täter bedrohte eine 68-jährige Anwältin, fesselte sie und sperrte sie in den Kofferraum.
- Die Polizei sucht nach Hinweisen, u. a. zu einem Stadtwerke-Rucksack, den der Täter zurückließ.
- Der Entführer erbeutete 1000 Euro und floh, als die Frau sich befreite und Passanten halfen.
- Zuschauer meldeten neue Hinweise; die ausgesetzte Belohnung wurde erhöht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
War der Entführer, der am Karsamstag auf dem Tübinger Rewe-Parkplatz eine 68-Jährige brutal in ihrem Auto überwältigte, früher Mitarbeiter der Tübinger Stadtwerke? Saß er vor dem Tattag, dem 19. April 2025, längere Zeit im Gefängnis – oder lebte er zwar früher in der Tübinger Gegend, dann aber länger nicht mehr? Diese Fragen stellen sich nicht nur die Ermittler des Tübinger Kriminalkommissariats, sondern seit Mittwoch, 5. November 2025, auch die Zuschauerinnen und Zuschauer der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … Ungelöst“.
Tübinger Ermittler wandten sich ans ZDF
Fragen stellten sich bereits kurz nach der Entführung viele, so unglaublich ist der Fall bis heute: Wie konnte es sein, dass auf dem sehr gut besuchten Parkplatz im Schleifmühleweg niemand bemerkte, dass da eine Frau in ihrem Wagen geschlagen und gefesselt wurde? „Es bleibt ein großes Rätsel, warum es keine Zeugen gibt“, stellte der Tübinger Kriminaloberkommissar Marc Brenn in der Live-Sendung gegenüber Moderator Rudi Cerne fest. Wohin fuhr der Mann mit ihr außerhalb der Stadt, wo er sie in den Kofferraum sperrte? Wie konnte er so plötzlich verschwinden, nachdem er den Wagen mit der 68-Jährigen im Kofferraum im Tübinger Stadtteil Derendingen abgestellt hatte? Wie gelang es der Frau, sich aus dem Kofferraum zu befreien?
Weil die aufwändigen Ermittlungen sehr bald an Grenzen stießen, wandte sich das Reutlinger Polizeipräsidium an die Redaktion, die „Aktenzeichen XY“ produziert (wie das abläuft, lesen Sie hier). So wollen die Fahnder über das Millionenpublikum der Sendung an die entscheidenden Hinweise kommen, die den Durchbruch in dem Fall bringen sollen.
Neue Details im Film zur Tat
Auch wer die bisherige Berichterstattung aufmerksam verfolgt hat, erfuhr am Mittwoch aus dem eingespielten Filmbeitrag neue Details. Das Drehbuch war eng mit Kripo und Staatsanwaltschaft abgestimmt. Neu ist etwa, dass die betroffene Frau Anwältin ist und ihr Mann Professor an der Tübinger Uni. Dass sie ziemlich sicher ein Zufallsopfer war, denn im Rewe kauft sie normalerweise nicht ein: An diesem Tag machte sie das nur, weil ihr Mann nach einem Sturz in einer Tübinger Klinik ambulant behandelt wurde. Sie wollte ihn anschließend wieder abholen.

Auf dem Parkplatz des Rewe-Marktes wurde am Karsamstag gegen 12.40 Uhr eine Frau entführt. Die Polizei sucht noch immer Hinweise auf den Täter.
Jonas BleeserEs gibt nun detailliertere Informationen zum Ablauf der Tat – die sie fast noch unglaublicher machen. Im Film wird gezeigt, dass der Entführer mit einer OP-Maske vor dem Gesicht auf dem Parkplatz in ihren Wagen stieg. Dort bedrohte er sie erst mit einem Messer. Da sie sich wehrte und um Hilfe rief, schlug er sie, um ihren Widerstand zu brechen. Anschließend fesselte er die blutende Frau mit Klebeband und bugsierte sie auf den Rücksitz. Insgesamt dauerte das rund 20 Minuten – ohne dass irgendjemand etwas mitbekam.
Anschließend soll er mit ihr im schwarzen Audi Avant „auf einem Radweg südwestlich von Tübingen“ gefahren sein, offenbar neben der B28 Richtung Rottenburg. Wo genau er dann der Frau die PIN ihrer EC-Karte abpresste, ist unklar. Jedenfalls zwang er sie in den Kofferraum und drohte ihr: „Ich mach dich fertig.“ Das Auto soll etwa 20 Minuten auf dem Radweg gestanden haben.
Alle Artikel zur Tübinger Entführung auf dem Supermarkt-Parkplatz
Am Karsamstag, 19. April 2025, entführte ein Mann eine 68-Jährige auf dem Parkplatz des Rewe-Markts im Tübinger Schleifmühleweg. Was bislang bekannt ist:
- Polizei schließt Ermittlungen zu Tübinger Supermarkt-Entführung ab
- Weitere Zeugen melden sich nach Aktenzeichen XY-Sendung
- Neue Details: So zeigte Aktenzeichen XY die Supermarktparkplatz-Entführung
- So läuft die Zusammenarbeit zwischen Kripo und „Aktenzeichen XY“
- Entführung auf Supermarktparkplatz bei „Aktenzeichen XY ... ungelöst“
- Fahndung läuft weiter – Polizei schreibt 180 Tesla-Halter an
- Wann die Polizei ein Phantombild machen lässt
- Erste Zeugen haben sich gemeldet – Polizei bittet weiter um Mithilfe
- Polizei fahndet mit Phantombild nach mutmaßlichem Entführer
- „Surreale Szene“ – Zeugin entdeckte gefesselte Frau im Kofferraum
- Erste Meldung der Polizei: Frau im eigenen Kofferraum gefesselt
Entführte befreit sich aus Kofferraum
Dann ging es über den Teilort Bühl nach Weilheim. Dort wollte er offenbar zu einer Sparkassen-Filiale. Die aber gibt es seit 2015 nicht mehr. Das deutet darauf hin, dass der Mann sich früher in der Gegend auskannte, aber nicht wusste, dass die Bank die Zweigstelle geschlossen hatte. In der Heinlenstraße in Derendingen hob er am Bankautomat zweimal 500 Euro ab. Nahezu zeitgleich befreite sich die Entführte von ihrem Knebel und bekam die Hände frei. Den Kofferraum konnte sie offenbar mit einer zweiten Fernbedienung oder einem Ersatzschlüssel öffnen, so zeigt es der Film. Der Entführer muss dann wohl mitbekommen haben, dass Passanten ihr halfen und die Polizei riefen. Er floh offenbar zu Fuß Richtung Steinlach.

Das Phantombild des Entführers.
PolizeiWie kam der Entführer an den Stadtwerke-Rucksack?
Geplant hatte er das so sicher nicht. Denn im Auto ließ er mehrere Gegenstände zurück. Darunter war ein besonderer Rucksack: Er war nie im Handel, ihn bekamen nur Mitarbeiter der Tübinger Stadtwerke. Das aufgestickte weiße Logo ist mit blauem Filzstift übermalt. Außerdem fand die Polizei einen gelben Pullover, eine graue Jogginghose und die Verpackung und Anleitung einer Schreckschusspistole.

Diese Gegenstände ordnet die Polizei dem Entführer zu.
Polizeipräsidium Reutlingen„Ich hoffe, dass Sie diesen Kerl möglichst schnell kriegen“, sagte Cerne nach dem Film zu Ermittler Brenn.
Zwei Dutzend neue Hinweise gingen ein
Während der Sendung riefen zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer an. Daraus ergaben sich laut Polizei etwa zwei Dutzend neue Hinweise. „Die arbeiten wir jetzt alle ab“, sagte Polizeisprecher Martin Raff. Etliche Anrufer erinnerten sich anhand des Phantombilds, den Entführer am Tattag gesehen zu haben. Und manche gaben auch konkret eine Person an, die es gewesen sein könnte. Einzelheiten dazu gibt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen dazu nicht heraus. Und es meldeten sich Leute, die zu den von der Staatsanwaltschaft ausgesetzten 2000 Euro Belohnung noch etwas dazu geben wollten. Wie viel und wie eine solche Auszahlung von privater Seite organisiert werden könnte, machte die Polizei keine Angaben.
