L371 Tübingen–Hirschau
: Wichtige Brücke wird sofort für den Schwerlastverkehr gesperrt

Bereits am Freitag dürfen Laster über 7,5 Tonnen die baufällige Betonbrücke zwischen Tübingen und Hirschau nicht mehr befahren. Eine Ausnahme gilt für den Bus.
Von
Hans-Jörg Schweizer
Tübingen
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Brücke der L371 von Tübingen-Weilheim nach Tübingen-Hirschau über den Neckar.

Die Brücke der L371 von Tübingen-Weilheim nach Tübingen-Hirschau über den Neckar und den Neckarkanal stammt aus dem Jahr 1957 und wurde aus jener frühen Sorte Spannbeton gebaut, die derzeit landauf, landab schlappmacht. Viele Brücken müssen in den kommenden Jahren gleichzeitig saniert oder gar abgerissen und neu gebaut werden, da kaum kalkulierbare Spannungsrisskorrosion die Standsicherheit der in die Jahre gekommenen Bauwerke gefährdet.

Regierungspräsidium Tübingen / Süleyman Tillem
  • Neckarbrücke der L371 zwischen Tübingen und Hirschau ab 24. Oktober 2025 für Laster über 7,5 t gesperrt.
  • Ausnahmen: Rettungsfahrzeuge, Feuerwehr und Stadtbus der Linie 18; Brücke wird per Ampel geregelt.
  • Umleitung für Schwerverkehr über Rottenburg, Wurmlingen und L371 nach Hirschau eingerichtet.
  • Neubau der maroden Brücke geplant, Baustart 2027, Bauzeit ca. zwei Jahre.
  • Verschlechterter Bauwerkszustand könnte zu Komplettsperrung der Brücke führen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein Raunen ging durch die Reihen der knapp 200 Hirschauerinnen und Hirschauer, als Regierungspräsident Klaus Tappeser zu Beginn einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend die Bombe platzen ließ: Bereits am Freitag, 24. Oktober 2025, wird die Neckarbrücke der Landesstraße 371 zwischen Weilheim und Hirschau für den Schwerlastverkehr gesperrt.

Dies betrifft alle Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 7,5 Tonnen. Ausgenommen sind Rettungswagen und Fahrzeuge der Feuerwehr sowie der Stadtbus der Linie 18. Mit einer Ampelschaltung will das Regierungspräsidium Tübingen (RP) sicherstellen, dass der Bus immer als einziges Fahrzeug auf der Brücke ist. Alle anderen Autos müssen warten. Außerdem wird von Freitag an eine Fahrspur gesperrt, sodass die Brücke auch mit PKW immer nur abwechselnd in der einen oder der anderen Richtung befahren werden kann. Auch dies soll mit Ampeln gesteuert werden.

Umleitung über Rottenburg und Wurmlingen

Die Umleitung für den Schwerverkehr zwischen Tübingen und Hirschau führt von Freitag an von Tübingen über die B28 zur Rottenburger Osttangente und dann vom Sülchenknoten über die L372 nach Wurmlingen und weiter auf der L371 nach Hirschau: Gut zwölf statt knapp drei Kilometer von der Hirschauer Ortsmitte bis zum Weilheimer Knoten. Mit dieser Umleitung werden die Hirschauer einige Jahre lang leben müssen. Denn obwohl beim RP bereits seit Jahren an Abriss und Neubau der Brücke über den Neckar geplant werden, sollen die Bauarbeiten erst 2027 beginnen und dann 18 bis 22 Monate dauern. Ursprünglich war der Baubeginn erst für 2028 vorgesehen, er wurde nun aber angesichts der verschlimmerten Lage vorgezogen. Während der Bauarbeiten und Vollsperrung der L371 zwischen Weilheim und Hirschau von 2027 an soll dann eine zweite Umleitungsstrecke über Wurmlingen und Unterjesingen nach Tübingen eingerichtet werden.

Grund für die hastige Entscheidung des RP, die 1957 erbaute und knapp 80 Meter lange Brücke „abzulasten“: Der Spannbeton ist maroder als gedacht. Erst vor einer Woche war angesichts neuer Untersuchungen die Zustandsnote von bisher 2,9 auf jetzt 3,4 (nicht ausreichender Bauwerkszustand) abgestürzt. Ab 3,5 spricht man von einem „ungenügenden Bauwerkszustand“, bei dem Standsicherheit oder Verkehrssicherheit erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben sind. Drastisch ausgedrückt: Angesichts der „Spannungsrisskorrosion“ könnte im schlimmsten Fall der Einsturz drohen. „Die Reduzierung des Schwerverkehrsanteils und Einengung auf einen Fahrstreifen schont die noch vorhandenen Traglastreserven und damit das Bauwerk“, so das RP.

Im schlimmsten Fall: Vollsperrung

Das Fahrverbot für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen werde eng überwacht, kündigt das RP an und warnt: „Sollte die Sperrung für den Schwerverkehr nicht eingehalten werden oder sich weitere Veränderungen am Bauwerkszustand ergeben, kann eine Komplettsperrung des Bauwerks nötig werden.“

Weil die marode Brücke der L371 über den Neckar zwischen Weilheim und Hirschau für den Schwerverkehr gesperrt werden muss, hat das Regierungspräsidium Tübingen eine Umleitungsstrecke über Rottenburg und Wurmlingen nach Hirschau eingerichtet.

Weil die marode Brücke der L371 über den Neckar zwischen Weilheim und Hirschau für den Schwerverkehr gesperrt werden muss, hat das Regierungspräsidium Tübingen eine Umleitungsstrecke über die neue B28 nach Rottenburg und weiter über Wurmlingen nach Hirschau eingerichtet.

Regierungspräsidium Tübingen

Schon seit 2020 ist man beim RP mit den Vorbereitungen für Abriss und Neubau der L371-Brücke befasst. 2021 ergaben Probenanalysen „Spannungsrisskorrosion“ im Stahlbeton, weshalb die Höchstgeschwindigkeit auf der Brücke auf 70 Stundenkilometer reduziert und ein Abstandsgebot von 50 Metern für LKW eingeführt wurde. Außerdem wurde die Belastbarkeit der Brücke von 60 auf 45 Tonnen herabgestuft. Seither wird die Brücke jährlich geprüft, mit dem jüngsten Ergebnis, dass sich der Bauwerkszustand nochmal deutlich verschlechtert hat. Deshalb nun die Sperrung für den Schwerverkehr. Außerdem soll ein unterstützendes Stahltragwerk angebracht und fortan monatlich der Zustand geprüft werden.

Abriss und Neubau der Brücke von 2027 an sollen acht Millionen Euro kosten, inklusive neuer Radwegeführung und verschiedenen Umweltschutzprojekten, zum Beispiel für Vögel, Fledermäuse  und Zauneidechsen. Während der knapp zweijährigen Bauzeit muss die Verbindung Hirschau-Weilheim für mindestens ein Jahr komplett gesperrt bleiben. Für das Umleitungskonzept während der Vollsperrung laufen derzeit Verkehrszählungen auf den beiden möglichen Ausweichstrecken über Rottenburg und Unterjesingen. Angesichts der vielen anstehenden Brückenerneuerungen im ganzen Land hatte das Verkehrsministerium schon Ende 2022 verkündet, dass keine Behelfsbrücken gebaut werden dürfen. Andernfalls wäre man mit den Brückenbaukapazitäten im Land wohl noch schneller am Ende.

In Hirschau befürchtet man derweil gravierende Konsequenzen für Handel und Gewerbe. Mehrere Firmen im Gewerbegebiet Rittweg müssen ab sofort mit ihren Lastern weite Umwege in Kauf nehmen. Manche Hirschauer äußerten am Mittwoch die Sorge, dass den Läden an der Ortsdurchfahrt durch der Sperrung die Kundschaft des Durchgangsverkehrs fehlen werde. Das Land stelle zwar das Straßennetz zur Verfügung, es habe aber niemand ein Anrecht darauf, dass die Straße immer befahrbar sein muss. Es gebe also keine Entschädigung, so die klare Auskunft des RP.

Keine Umleitung durch die Rappenberghalde

„Wir prüfen alle möglichen Ausweichstrecken, auch für die Alleenbrücke“, sagte Tübingens Baubürgermeister Cord Soehlke am Mittwoch in Hirschau. Einer Umleitungsstrecke für Autos von Hirschau nach Tübingen über die Rappenberghalde am Wasserkraftwerk vorbei zur Hirschauer Straße Richtung Stadtmitte erteilte er eine klare Absage. Das schmale Sträßchen benötigt die Stadt als „einzig sinnvolle Fahrradstrecke“ nach Hirschau und zudem als „Ausweichstrecke für Sonderverkehre und Notfalleinsätze“, denn auch die ebenfalls alte und marode Tübinger Alleenbrücke wurde im Frühjahr für den Schwerlastverkehr gesperrt. Die Rappenberghalde sei ohnehin nicht breit genug, um als Umleitungsstrecke mit Begegnungsverkehr zu dienen.

Auch die Alleenbrücke zwischen Europastraße und Neckarhalde muss voraussichtlich abgerissen und neu gebaut werden, allerdings erst, wenn das RP die L371-Brücke durch einen Neubau ersetzt hat. Soehlke: „Wir wären sowieso nicht so schnell wie das RP, obwohl wir auch früh angefangen haben.“ Die Alleenbrücke wolle die Stadt nun „stabilisieren“, um nicht gleichzeitig mit dem RP bauen zu müssen.