Jahresrückblick für Tübingen
: Proteste bis Neubauten: Was ist im Jahr 2024 in Tübingen passiert?

Es wurde demonstriert, gewählt und diskutiert. Mit 2024 geht wieder ein ereignisreiches Jahr zu Ende. Zeit für einen Rückblick auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Von
isi
Tübingen
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Das Jahr 2024 in Tübingen.

Das Jahr 2024 in Tübingen.

Carolin Albers/Ulrich Metz
  • Bauernproteste gegen Dieselpreiserhöhung im Januar.
  • Tausende demonstrieren gegen Rechts auf dem Marktplatz.
  • Sanierte Mensa in der Wilhelmstraße eröffnet nach fünf Jahren.
  • Curevac entlässt 300 Mitarbeiter; Tarifkonflikt am Uniklinikum endet.
  • Neue Radbrücke West verbindet Derendingen mit der Innenstadt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bundesweite Bauernproteste - auch in der Region

Am 10. Januar fuhren hunderte Schlepper bis nach Berlin: Auch im Kreis Tübingen wehren sich Landwirte in zahlreichen Protestzügen lautstark gegen die angekündigte Dieselpreiserhöhung. In Tübingen nutzt ein Grüppchen der „Letzten Generation“ die Demo zur eigenen Kundgebung.

Brandmauer gegen Rechts

Auf dem Tübinger Marktplatz treffen sich Ende Januar mehrere Tausend Menschen, um ein lautes Zeichen gegen Rechts zu setzen. Sie demonstrieren gegen Diskriminierung jeder Art und: gegen die AfD. Zwei Wochen zuvor waren es noch rund tausend Tübinger gewesen. Für die „Brandmauer gegen Rechts“ kommen etwa sechs Mal so viele. Dazu aufgerufen hatten Fridays for Future, Studierendenrat, Jugendgemeinderat und Verdi. Zahlreiche weitere Organisationen und Vereine schlossen sich an. „Omas gegen Rechts“, Studierende, Bürgerinnen und Bürger: In der Brandmauer ums Rathaus stehen an diesem Samstag Menschen aller Gesellschaftsschichten zusammen.

  • 11. Februar: In Unterjesingen ist die Luft nach elfeinhalb Jahren Tempolimit wieder so gut, dass Tempo 30 - theoretisch - abgeschafft werden kann. In der Praxis bleibt es bestehen: Der Lärmaktionsplan lässt auf der Ortsdurchfahrt keine schnelleren Autos zu. Später im Jahr wird auf allen Tübinger Straßen Tempo 30 umgesetzt - mit Ausnahme der Bundesstraßen. Dort darf mit Tempo 40 gefahren werden.
  • 2. Mai: Die Unwetterschäden in der Region halten sich dieses Jahr in Grenzen – jedenfalls verglichen mit den Nachbarkreisen: Am 2. Mai wälzt sich nach Starkregen eine Flut durch Bisingen. Auch Retter aus Tübingen eilen zu Hilfe.
  • 28. Mai: Der Neckarpegel ist so hoch, dass das Stocherkahnrennen auszufallen droht. Zu gefährlich wäre es bei Hochwasser. Am Ende stechen die Kampfstocherer aber dann doch ins Wasser.
  • Stocherkahnrennen 2024

    Emotionen beim Stocherkahnrennen 2024.

    Carolin Albers

Europa- und Kommunalwahlen in Tübingen

Auch in Tübingen wurde am 9. Juni gewählt – das Europaparlament, der Kreistag und der Gemeinderat. Für Letzteren liegt die Wahlbeteiligung bei 71,9 Prozent, Asli Kücük (AL/Grüne) geht mit 32.390 Stimmen als Stimmenkönigin daraus hervor.

Neue Seeterrasse am Europaplatz

Der feine Regen macht den zahlreichen Kindern nichts aus, als am 26. Juni ihr neuer Lieblingsspielplatz in Tübingen eröffnet wird: das Wasserspiel auf der Seeterrasse am Europaplatz. Dort sprudelt und plätschert es seither, zart blau und lila angestrahlt. Die Technik für das Wasserspiel versteckt sich in der Tiefgarage darunter: Dort landet das Wasser von oben und durchläuft mehrere Filter, bevor es gereinigt und ergänzt durch frisches Trinkwasser oben wieder sprudelt und plätschert. Gebaut wird an dem Gesamtprojekt Europaplatz und Anlagenpark immer noch: Im Anlagenpark schaffen die Bagger, um den Bereich ums ehemalige Parkwächterhäuschen neu zu modellieren. Dort wird noch ein Steg gebaut, außerdem werden Spielplätze für kleine und große Kinder angelegt – mit Schaukeln, die von der Radbrücke West hängen, Sportgeräten und einem Spielfeld.

Es gibt wieder Essen in der Mensa Wilhelmstraße

Fünf Jahre lang nahmen die Tübinger Studierenden ihr Mittagessen in der Shedhalle hinterm Schlachthofgelände ein. So lange dauerte es, bis die denkmalgeschützte Baumgarten-Mensa in der Wilhelmstraße saniert wurde. Ende Juni startet der Testbetrieb, einige der Stühle sind da noch verpackt. Und auch bei den Abläufen ruckelt es noch ein wenig. Ende September geht die sanierte Mensa dann in den richtigen Betrieb – ein Jahr später als geplant. Die Insolvenz eines Sanitärbetriebs hat die Sanierung verzögert. 56 Millionen Euro hat der Bau gekostet. Jetzt können täglich bis zu 4000 Essen ausgegeben werden, außerdem gibt es im Erdgeschoss eine abgetrennte Cafeteria. Dass die Mensa überhaupt saniert und nicht abgerissen wurde, ist einer Bürgerinitiative zu verdanken. Einziger Wermutstropfen: Der Bierkeller musste einem Technikraum weichen.

Die Shedhalle Tübingen steht leer. Seit dem die Mensa Wilhhelmstraße zurück in ihr eigentliches Gebäude gezogen ist, stehen ehemalige Lüftungsschächte verlassen vor der Halle.

Die Shedhalle Tübingen steht leer. Seit dem die Mensa Wilhhelmstraße zurück in ihr eigentliches Gebäude gezogen ist, stehen ehemalige Lüftungsschächte verlassen vor der Halle.

Anton Bandomer
  • 2. Juli: Curevac muss Personal entlassen. Die Entlassungsrunde beim Tübinger Impfstoff-Entwickler Curevac stößt selbst beim Betriebsratsvorsitzenden auf Verständnis. Ohne den drastischen Schritt, erläutert Heiko Klever im TAGBLATT, wäre dem Unternehmen im Jahr 2025 das Geld ausgegangen. Gut 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen nun gehen, der Personalbestand soll auf etwa 700 sinken.
  • 5. Juli: Ende des Tarifkonflikts am Uniklinikum: Die Beschäftigten bekommen in zwei Stufen mindestens 8 Prozent mehr Geld und einen Inflationsausgleich.
  • 30. September: Weil das Land die Mietverträge der Bewohnerinnen und Bewohner der Sigwartsstraße 11 nicht verlängert hat, besetzen Aktivistinnen und Aktivisten den zweiten und dritten Stock des Hauses.

Neue Radbrücke West verbindet Derendingen mit der Innenstadt

Am Nachmittag des 16. Oktober wird die Radbrücke West eröffnet. Das Bauwerk ist Teil eines innerstädtischen Radwege-Konzepts, das vier Brücken umfasst. Zwei davon sind bereits vollendet: die Radbrücke Mitte bei der Blauen Brücke überspannt die Steinlach, die Radbrücke Ost beim Wasserwerk den Neckar. Mitte kommenden Jahres dann soll die Fuß- und Radbrücke bei Lustnau, an der seit Mai gebaut wird, fertiggestellt werden.

Radbrücke West in Tübingen

Radbrücke West aus der Vogelperspektive.

Universitätsstadt Tübingen/dpa

Die Radbrücke West ist die größte innerhalb dieses Quartetts und „eine der größten Investitionen in die Radverkehrs-Infrastruktur in Baden-Württemberg“, sagt Palmer. 16 Millionen Euro flossen in deren Bau. Gut investiertes Geld, wie der Oberbürgermeister findet. Nicht zuletzt, da es einen riesigen Investitionsstau im Land gebe, insbesondere bei der Infrastruktur. Um den städtischen Anteil von 4 Millionen Euro besser einordnen zu können: „Das ist so viel wie für ein Kinderhaus – wie das in Bühl – oder der Zuschuss für ein halbes Jahr Busverkehr in der Stadt.“

  • 18. November: Aktivistinnen und Aktivisten besetzen ein Waldstück beim Französischen Viertel, um gegen den Schindhaubasistunnel zu demonstrieren.
  • 29. November: Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer erschreckt viele mit einem Facebook-Post zu einer Messerattacke in der Mühlstraße. Es stellt sich heraus: Das Messer gab es nicht.

Tübingen muss Millionen sparen

Anfang Dezember wird im Gemeinderat ein Sparprogramm für 2025 vorgestellt – betroffen sind von der Flüchtlingshilfe bis zum Klimaschutz alle Bereiche. Dabei geht es vor allem darum, die laufenden Ausgaben zu kürzen. Aber auch Investitionen stehen auf dem Prüfstand: Wird das Hallenbad Süd beim Freibad gebaut, sei die Sanierung und der Betrieb von Uhlandbad und Nordbad nicht machbar, so die Verwaltung. Auch Straßensanierungen sollen geschoben werden. An den Investitionen für Schulen und Kitas hält die Verwaltung aber fest: Die meisten Sanierungen haben schon begonnen. Die acht Fraktionen müssen sich nun in ihren Haushaltsverhandlungen, die Mitte Januar beginnen, darauf einigen, worauf Tübingen künftig verzichten muss. Bis zum Jahresende haben sie Zeit, zu den Konsolidierungsvorschlägen der Verwaltung Stellung zu beziehen.

Ende eines Kuriosums: Abschied vom Tübinger Schiebeparkplatz

Für Generationen von Studierenden ist er über viele Jahrzehnte eine sichere Bank, wenn sie einen Parkplatz in der Nähe des Tal-Campus suchen: Der Schiebeparkplatz zwischen Nauklerstraße und Wilhelmstraße heißt sogar auf Google-Maps so. Er kostet nichts und wird besonders effektiv genutzt, weil auch in den Mittelgängen geparkt wird. Möglich ist das, weil niemand seine Handbremse anzieht und alle parken, ohne einen Gang einzulegen. Bei Platzbedarf werden so die Autos einfach weggeschoben. Ein geniales System – wer dagegen verstößt, erntet böse Zettel am Auto und passt sich an. Seit 20. Dezember ist das Tübinger Kuriosum Geschichte: Nun ist die Fläche Teil der Parkraumbewirtschaftung des Landes.

Schiebeparkplatz

Schiebeparkplatz als er noch kostenlos war.

Carolin Albers