Frauen auf Rottenburgs Straßenschildern: Elsa-Brändström-Weg – der „Engel von Sibirien“

Der Elsa-Brändström-Weg liegt südlich des Rottenburger Bahnhofs.
Carolin Albers- Serie beleuchtet Frauen als Namensgeberinnen von Rottenburger Straßen – Fokus: Elsa Brändström.
- „Engel von Sibirien“: Sie half ab 1915 Kriegsgefangenen in russischen Lagern.
- Sie richtete medizinische Versorgung ein, senkte teils hohe Sterblichkeit, erkrankte selbst.
- Nach 1922 Bucherfolg baute sie Heime und ein Sanatorium auf, sammelte in den USA Spenden.
- Sie lehnte NS-Anwerbung ab, emigrierte 1934 in die USA und unterstützte Geflüchtete.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Einige hundert Meter südlich des Rottenburger Bahnhofs liegt der Elsa-Brändström-Weg. Hinter dem Straßennamen verbirgt sich eine Frau, die als „Engel von Sibirien“ in die Geschichte einging.
Elsa Brändström (1888 in St. Petersburg–1948 in Cambridge, Massachusetts) war Tochter des schwedischen Militärattachés in Russland. In Stockholm besuchte sie ein Lehrerinnenseminar.
Desolate Zustände in russischen Lagern
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ging Brändström 1915 für das Rote Kreuz nach Sibirien, wo sie sich für deutsche und österreichische Kriegsgefangene in russischen Lagern einsetzte und eine medizinische Grundversorgung einrichtete. Dort fand sie desolate Zustände vor: überfüllte Baracken, Wassermangel, Fleckfieber, Typhus, Erfrierungen, Hunger und Durchfall. In manchen Lagern lag die Sterblichkeit zeitweise bei bis zu 80 Prozent. Auch Brändström erkrankte schwer an Fleckfieber.
Nach ihrer Genesung organisierte sie mit Unterstützung des Roten Kreuzes weitere Hilfe; in einem Lager sank die Todesrate auf 18 Prozent. Als sie sich erneut infizierte, zimmerten Kriegsgefangene einen Sarg für sie, damit sie im Falle ihres Todes nicht in einem Massengrab bestattet würde.
100.000 US-Dollar für ein Kinderheim in der Nähe von Chemnitz
Nach ihrer Rückkehr nach St. Petersburg baute Brändström eine Hilfsorganisation auf und reiste mehrfach nach Sibirien. 1922 erschien ihr Buch „Unter Kriegsgefangenen in Russland und Sibirien 1914–1920“, das zu einem großen Erfolg wurde. Mit Einnahmen aus ihrem Buch und Spendengeldern richtete sie 1922 ein Arbeitssanatorium für ehemalige Kriegsgefangene in Marienborn bei Kamenz (Sachsen) ein. Außerdem gründete sie ein Kinderheim in der Schreibermühle bei Lychen in der Uckermark.
Auf einer Vortragsreise durch die USA sammelte sie 1923 rund 100.000 US-Dollar für ein Kinderheim auf Schloss Neusorge bei Chemnitz. Außerdem war sie Mitbegründerin der Studienstiftung des deutschen Volkes. 1927 verlieh ihr die Uni Tübingen die Ehrendoktorwürde.
Auswanderung in die USA nach Machtübernahme der Nazis
1929 heiratete sie den Professor Robert Ulich und zog mit ihm nach Dresden, wo ihre Tochter Brita zur Welt kam. Versuche der Nazis, sie für ihre Zwecke zu gewinnen, lehnte sie ab. 1934 wanderte die Familie in die USA aus. Brändström engagierte sich dort für die zahlreich ankommenden Deutschen und Österreicher, unter anderem mit der Gründung des „Window Shops“ im Jahr 1939, der Geflüchteten Arbeit bot.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs organisierte sie Hilfsaktionen für notleidende Kinder in Deutschland. 1945 unternahm sie für die Stiftung „Save the Children Fund“ eine Vortragsreise durch Europa. Brändström starb 1948 an Knochenkrebs und wurde nahe Stockholm beigesetzt.
Straßennamen in Rottenburg
In der Rottenburger Kernstadt sind zehnmal mehr Straßen und Plätze nach Männern benannt als nach Frauen. Unsere Gastautorin, Stadtführerin Rosemarie Sieß-Vogt, widmet sich in einer Serie den namensgebenden Frauen. Erschienen sind in der Serie bereits:
Mechthildstraße – Wegbereiterin des deutschen Humanismus
Sofienstraße – Wohltäterin der Rottenburger Hospitalstiftung
Wildermuthstraße – Bestseller-Autorin im Clinch mit Pfarrhäusern
Mutter-Teresa-Straße – verehrte Helferin, umstrittene Heilige

