Frauen auf Rottenburgs Straßenschildern
: Wildermuthstraße – Bestseller-Autorin im Clinch mit Pfarrhäusern

Stadtführerin Rosemarie Sieß-Vogt rückt in einer Serie die wenigen Frauen in den Fokus, nach denen Rottenburger Straßen benannt sind.
Von
Rosemarie Sieß-Vogt
Rottenburg
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Rottenburger Frauen-Straßennamen, hier Wildermuthstraße in Rottenburg

Rottenburger Frauen-Straßennamen, hier Wildermuthstraße in Rottenburg

Carolin Albers
  • Serie beleuchtet Rottenburger Straßennamen: Fokus auf seltene Frauen als Namensgeberinnen.
  • Wildermuthstraße verbindet Mechthildstraße mit Winghoferstraße nahe dem Schänzle-Park.
  • Ottilie Wildermuth war Biedermeier-Bestsellerautorin mit spitzem Humor.
  • Sie kritisierte bürgerliche Doppelmoral und schilderte schwäbische Pfarrhäuser.
  • Geboren in Rottenburg, lebte sie in Tübingen – Denkmal und Gedenktafel erinnern an sie.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Unweit des Rottenburger Schänzle-Parks ruht die Wildermuthstraße als Verbindung der  Mechthildstraße mit der Winghoferstraße. Hinter dem Namen verbirgt sich eine Frau, die als wahre Bestseller-Autorin der Biedermeier-Zeit durch ihren spitzen Humor in so manchem Pfarrhaus für Empörung sorgte.

Ottilie Wildermuth (1817–1877), geborene Rooschütz, ist im katholischen, ehemals vorderösterreichischen, seit 1806 württembergischen Rottenburg geboren. Sie wurde in der damaligen Simultankirche St. Moriz vom evangelischen Remmingsheimer Pfarrer getauft, da es für die Neu-Württemberger noch keine evangelische Kirche gab. Ihr Vater war Kriminalrat, doch schon zwei Jahre nach Ottilies Geburt zog die Familie nach Marbach am Neckar, wo der Vater Oberamtsrichter wurde.

Ottilie scheint ihre katholische Geburtsstadt verleugnet zu haben, denn auf ihrem Grabstein auf dem Tübinger Stadtfriedhof stand bis in die 1920er-Jahre als Geburtsort Marbach. Erst der Heimatforscher Anton Buhl klärte dies auf. Es ist auch nicht bekannt, wo die Familie in Rottenburg wohnte. Ottilie kam von Tübingen aus, wohin sie sich 1853 verheiratet hatte, anscheinend nie mehr nach Rottenburg, obwohl ihre Paten hier lebten. Auch ihre Mutter, die sie zu sich nach Tübingen geholt hatte, zeigte ihr nie ihr Geburtshaus.

Ottilies Mann war der Tübinger Gymnasiallehrer Johann Wildermuth. Ottilie war gleichzeitig Hausfrau, Mutter von fünf Kindern und hatte viele Freunde und Dichterfreunde, wie zum Beispiel Kerner und Uhland.

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Bekannt wurde sie als erfolgreiche Schriftstellerin der Biedermeierzeit. Es gibt insgesamt zehn Bände ihrer gesammelten Werke. Sie hatte einen köstlichen Humor und schrieb über das kleinkarierte Leben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie beschreibt, wie doppelbödig das gutbürgerliche Leben war: Fleiß contra Müßiggang, Sparsamkeit, die zu Geiz wurde, Frömmigkeit, die zu Bigotterie wurde. In ihrem berühmtesten Werk beschreibt sie neun schwäbische Pfarrhäuser mit all ihren Eitelkeiten und Unzulänglichkeiten, so etwa das geizige, fromme, genügsame, gastfreie Pfarrhaus. Elf Pfarrhäuser glaubten sich gemeint und reagierten empört.

Im Seufzerwäldchen auf der Tübinger Neckarinsel erhielt sie, zehn Jahre nach ihrem Tod, ein Denkmal. An ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Wilhelmstraße 14 in Tübingen gibt es eine Gedenktafel.

Straßennamen in Rottenburg

In der Rottenburger Kernstadt sind zehnmal mehr Straßen und Plätze nach Männern benannt als nach Frauen. Unsere Gastautorin, Stadtführerin Rosemarie Sieß-Vogt, widmet sich in einer Serie den namensgebenden Frauen. Erschienen sind in der Serie bereits:

Mechthildstraße – Wegbereiterin des deutschen Humanismus

Sofienstraße – Wohltäterin der Rottenburger Hospitalstiftung