Überschwemmung in Baden-Württemberg: Donau, Rhein und Neckar: Tauwetter sorgt für Hochwasser im Südwesten - Pegelstände sinken leicht
- In Baden-Württemberg hat das Regen- und Tauwetter viele Flüsse und Gewässer über die Ufer treten lassen
- Betroffen sind unter anderem die Donau, der Rhein und der Neckar
- Die Pegelstände sinken leicht, könnten aber in den kommenden Tagen wieder ansteigen
- Auch die Nachbarbundesländer Rheinland-Pfalz und Bayern sind betroffen
Pegelstände sinken am Sonntag, 31.1. - So ist die Lage
In ihrem Lagebericht am Sonntag schreibt die Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) Baden-Württemberg, dass viele Pegelstände derzeit wieder sinken. Durch erneute Regenfälle und anhaltendes Tauwetter könnte es am Montag einen leichten Wiederanstieg geben. (Stand: 9:15 Uhr)
Oberrhein: Am Oberrhein nördlich Maxau steigt das Wasser noch leicht. Der Hochwasserscheitelwert wurde in Maxau am Sonntagmorgen gegen 3 Uhr mit 8,5 Meter erreicht. Im Rheinabschnitt nördlich Germersheim erwartet die HVZ, dass in der Nacht zum Sonntag der für die Schifffahrtssperrung relevante Wasserstand von 7,3 Meter überschritten wird.
Neckar: Im Neckar fallen die Wasserstände bereits wieder.
Donau: Auch der die Wasserstände der Donau fallen derzeit. Am Abschnitt ab Hundersingen bis zur bayrischen Grenze steigt das Wasser noch leicht, ebenso bei Berg und auf bayrischer Seite bei Neu-Ulm. Weiterer Regen und Tauwetter können die Donau in den kommenden Tagen wieder ansteigen lassen.
Main: Im baden-württembergischen Abschnitt des Mains stagnieren die Wasserstände aktuell auf hohem Niveau. Am Pegel Wertheim/Main wurde der Hochwassermeldewert bereits überschritten, die Wasserstände können am Montag nochmals leicht ansteigen
Aktuelle Informationen zum Hochwasser an Flüssen in Baden-Württemberg wie Donau, Rhein und Neckar und deren Pegelständen gibt es auf der Homepage der Hochwasserzentrale des Landes.
DWD: Es bleibt regnerisch
Der vielerorts heftige Regen der vergangenen Tage hält in weiten Teilen Deutschlands noch bis mindestens Mitte der Woche an. Vor allem im Süden und im Westen erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) Dauerregen. Dabei fallen dort von Sonntag bis Mittwoch bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter, vom Saarland bis zum Hochrhein sowie im Allgäu sogar bis zu 60 Liter. In der Mitte und dem Norden geht der Regen in Schnee über. „Die Wasserstände an den Flüssen bleiben demnach auf hohem Niveau“, sagte ein DWD-Meteorologe am Samstag in Offenbach.
Ursache für das zweigeteilte Wetter sind mehrere Tief- und Hochdruckgebiete, die im Norden kalte Polarluft, im Süden hingegen milde Luft aus den Subtropen einströmen lassen.
„Das Wetter in Deutschland kann sich derzeit nicht wirklich für den Winter oder den Frühling entscheiden“, sagte der Meteorologe. Entsprechend pendeln die Tagestemperaturen im Norden und Osten um den Gefrierpunkt, im Südwesten werden bis zu neun Grad erreicht. Am Dienstag geht es mit Höchstwerten von vier bis zehn Grad in der Mitte und 13 Grad im Südwesten noch weiter nach oben.
In den vergangenen drei Tagen fielen laut DWD im Süden, Westen und der Mitte bis zu 50 Liter Regen auf den Quadratmeter. In Mittel- und Osthessen, der Eifel, im Schwarzwald und dem Allgäu waren es 50 bis 90 Liter.
Hochwasser in Baden-Württemberg
Das Tauwetter hat bis Samstagmorgen vor allem im Süden Baden-Württembergs für verbreitet hohe Wasserstände gesorgt. An vielen Orten stiegen die Pegel nach Angaben der HVZ auf einen Bereich, der statistisch gesehen einmal in zwei Jahren erreicht wird. In Meckenbeuren im Bodenseekreis stieg die Schussen auf beinahe 4,50 Meter - ein Wasserstand, der im statistischen Mittel nur alle 20 bis 50 Jahre vorkommt.
Die Polizei berichtete von zahlreichen überschwemmten Straßen am Bodensee und in Oberschwaben. Besonders betroffen seien die Orte Friedrichshafen, Salem, Deggenhausertal und Meersburg. In Bad Wurzach wurde ein Abschnitt der Bundesstraße 465 komplett gesperrt.
Zahlreiche Einsätze der DLRG
Wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Samstag in einer Pressemeldung mitteilt, hat das Tau- und Regenwetter die Einsatzzahlen in die Höhe schnellen lassen. Nach ersten Erkenntnissen der Koordinierungsstelle der DLRG in Baden-Württemberg wurden die Spezialisten des Wasser-Rettungsdienstes in Baden-Württemberg in den Rettungsdienstbereichen Freiburg, Rheinfelden, Pforzheim, Karlsruhe, Esslingen und Tübingen gestern fast zeitgleich zu einem oder mehreren Notfällen alarmiert.
Dabei sei nicht das Wasser das Problem, sondern „die Unvernunft der Menschen“, wird Armin Flohr, Präsident des DLRG Landesverbandes Württemberg e.V., zitiert. „Die von überfluteten Wegen und Straßen ausgehende Gefahr und die starke Strömung wird von Personen oftmals unterschätzt. So gerät man aus Leichtsinn schnell in eine Notsituation.“ Durch das eigene riskante Verhalten gefährde man nicht nur das eigene Leben, sonder auch das der Einsatzkräfte, fügt Heinz Thöne, Vizepräsident des DLRG Landesverbandes Baden e.V. hinzu.
Schifffahrt auf Rhein bei Karlsruhe eingestellt
Wegen Hochwassers ist die Schifffahrt auf dem Rhein bei Karlsruhe am Samstag eingestellt worden. Am Pegel Maxau wurde der Wasserstand von 7,5 Metern in der Nacht zum Samstag überschritten, wie die HVZ mitteilte. Am Samstagmorgen hatte der Rhein einen Wasserstand von mehr als 8 Metern. Die Experten rechnen damit, dass das Wasser in Maxau noch bis Samstagabend auf bis zu 8,30 Meter steigt.
Rettungskräfte befreien 35-jährigen Obdachlosen
Ein 35-jähriger Mann ist am Freitagabend am Rheinufer in der Nähe des Schmugglermeers in Eggenstein-Leopoldshafen (Landkreis Karlsruhe) vom Hochwasser überrascht worden. Nach Angaben der Polizei konnte sich der bis zur Hüfte im Hochwasser stehende, obdachlose Mann wegen der Dunkelheit nicht mehr selbst befreien und rief mit seinem Handy die Rettung.
Dadurch, dass sein genauer Standort zunächst nicht festgestellt werden konnte, wurden mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei und der Feuerwehr, zwei Boote der Wasserschutzpolizei und ein Polizeihubschrauber zur Suche des Mannes eingesetzt. Außerdem im Einsatz waren Rettungskräfte der DLRG. Schlussendlich konnte die Feuerwehr den 35-Jährigen mit einem Boot retten. Der Mann blieb unverletzt.
Erdrutsche, Überschwemmungen und gesperrte Straßen durch Hochwasser in BW am Freitag
„Wir haben zwar Hochwassereinsätze und vereinzelt überschwemmte Straßen, dennoch hält es sich momentan noch in Grenzen“, sagte ein Polizeisprecher aus Freiburg am Freitag. Unfälle wegen Überschwemmungen seien bislang ausgeblieben. Generell sei die Situation unter Kontrolle.
Auf einer Landstraße bei Schopfheim (Kreis Lörrach) kam es in der Nacht zu Freitag zu einem größeren Erdrutsch. Kurz darauf kam es zu einer Überschwemmung bei Maulburg (Kreis Lörrach). Die Straßen wurden gesperrt.
Auch im Bereich Konstanz gab es seit Donnerstagabend einige Hochwasser-Einsätze. Unter anderem wurden am Freitagmorgen mehrere Straßen im Kreis Konstanz und im Schwarzwald-Baar-Kreis wegen Überschwemmung gesperrt. Einige Keller füllten sich mit Wasser. Dramatisch sei die Lage jedoch nicht, so die Sprecherin.
Hochwasser an der Dreisam: Feuerwehr sucht Frau in Freiburg
Zahlreiche Rettungskräfte haben am Freitagvormittag nach einer jungen Frau gesucht, die der Beobachtung einer Zeugin zufolge in die überschwemmte Dreisam in Freiburg gefallen ist. Der Einsatz endete zwar erfolglos, doch auch ohne ein Unglück.
Wendlingen: Zwei Männer surfen im Hochwasser
Zwei junge Männer haben das Hochwasser im Neckar bei Wendlingen genutzt um zu Surfen. Das hat einen Polizeieinsatz mit Hubschrauber ausgelöst.
Wangen im Allgäu schließt Stadtmauer
Die Stadt Wangen im Allgäu hat sich auf starke Regenfälle eingestellt und schützende Dämme zur Altstadt errichtet. Das berichtet der „SWR“. Zudem sei der Fußgängerüberweg über die Argen blockiert. Ein Pegelstand von über drei Metern wird erwartet.

Eine Fußgängerbrücke in Wangen im Allgäu ist hochgefahren und dadurch blockiert.
DPAHochwasser Rheinland-Pfalz: Mosel, Saar und Rhein schwellen an
Wegen häufiger Regenfälle und Schneeschmelze schwellen Mosel und Rhein deutlich an. Laut des Hochwassermeldediensts Rheinland-Pfalz steigt der Pegel des Rheins am Sonntag an, während für die Mosel erwartet wird, dass der Wasserstand sinkt.
Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) sprach von viel Regen in den kommenden Tagen und Tauwetter in den Mittelgebirgen. „Die Flüsse werden voll“, sagte ein Meteorologe.
Der Normalpegelstand in Trier liegt bei 3,50 Metern - ab 6,95 Metern wird hier die Moselschifffahrt gestoppt. Ab einem Trierer Pegelstand von etwa acht Metern gibt es meist erste Überschwemmungen in Gemeinden an der Mittelmosel. Ein Pegelstand ist eine relative, von einem willkürlich festgelegten Punkt aus gemessene Wasserhöhe.
NRW: „Rhein wird sein Bett verlassen“
„Der Rhein wird sein Bett verlassen“, sagte der Leiter des Hochwasserinformationsdienstes des nordrhein-westfälischen Landesumweltamtes (Lanuv), Bernd Mehlig, am Freitag. Besorgniserregende Entwicklungen würden derzeit allerdings nicht erwartet.
Am Rhein liegende Städte wie Köln und Leverkusen bereiteten sich Ende der Woche mit Schutzmaßnahmen auf das Hochwasser vor. In der Domstadt stieg der Pegel des Rheins am Sonntagmorgen auf 7,15 Meter an, berichtete der WDR, in Bonn wurde ein Wert von 6,56 Meter erreicht. Für die Schifffahrt gelten ab einer Marke von 6,2 Meter am Kölner Pegel Einschränkungen. Schiffe dürfen derzeit nur noch mit verminderter Geschwindigkeit und in der Mittel des Flusses fahren, damit größere Wellen vermieden werden. Ab dem Pegel 8,30 Meter wird die Schifffahrt komplett gestoppt. Der Höchststand des Rheins wird am Dienstag erwartet.
Donau und Main: Tauwetter und Regen sorgen für Überschwemmungen in Bayern
Der Schnee taut, es fällt Regen und die Flüsse in Bayern treten über die Ufer. Vor allem in Nordbayern gilt deshalb eine Warnung vor Hochwasser.



