Bundestagswahl 2025: „Wir können das Klima nicht schützen“

Rudolf Grams war die AfD lange zu radikal. Jetzt zieht er für sie in den Bundestagswahlkampf.
Thomas Kiehl- Rudolf Grams kandidiert für die AfD im Wahlkreis Reutlingen.
- Er war früher CDU- und FDP-Wähler, seine Ansichten änderten sich ab 2015.
- Grams kritisiert die Flüchtlingspolitik, Klimadiskussion und Corona-Maßnahmen.
- Er will wirtschaftlichen Niedergang verhindern, lehnt das Verbrennerverbot ab.
- Grams fordert strikte Migrationspolitik und kritisiert die EU und WHO.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mit der AfD hatte der in Metzingen lebende Rudolf Grams bis 2020 nichts im Sinn. Er war immer CDU-Wähler, der auch mal sein Kreuz bei der FDP gemacht hat. Dann kam sein Weltbild allmählich ins Wanken. Jetzt tritt er bei der Bundestagswahl als AfD-Direkt-Kandidat im Wahlkreis Reutlingen an.
Herr Grams, die AfD gilt in Teilen als gesichert rechtsradikal. Da muss die Frage erlaubt sein, warum Sie für diese Partei kandidieren.
Rudolf Grams: Ich war immer CDU-Wähler und habe auch mal FDP gewählt. Bis 2015 war ich meilenweit von der AfD entfernt, auch lange danach noch. Begriffe wie „Umvolken“ fand ich sonderbar, das war nicht meine Wellenlänge. Es waren drei Ereignisse, die mein Weltbild ins Wanken brachten: ein Beitrag im Deutschlandfunk, das Hinterfragen der Klimadiskussion, und schließlich die Corona-Krise.
Das müssen sie näher erläutern.
Beginnen wir mit dem Deutschlandfunk. Nachdem 2015 die Grenzen für Hunderttausende von Flüchtlingen geöffnet worden waren, kam im Deutschlandfunk eine Sendung darüber. Die feierten die ungeprüfte Einreise von Asylanten im Radio wie eine Party. Das habe ich nicht verstanden, also habe ich dort nachgefragt und als Antwort erhalten, ich könne mir am Radio ganz leicht eine andere Frequenz einstellen und einen anderen Sender hören, wenn mir dieser nicht passt. Ich fühlte mich richtig verladen. Für Biogasanlagen, mit denen ich mein Geld verdient habe, gab es plötzlich keine Förderung mehr und das Klima-Narrativ hatte scheinbar keine Relevanz und mit Corona verhielt es sich so: Ich habe meinen Sohn in Stuttgart besucht und sah die erste Demonstration gegen die Coronamaßnahmen. Alte grauhaarige Daddys, insgesamt vielleicht 200. Überall Polizei mit Schlagstöcken, sogar ein Polizeihubschrauber, nur weil gegen Massenimpfung demonstriert wurde. Fünf Monate zuvor war ich noch bei der Vereidigung meines jüngsten Sohnes bei der Bundespolizei und hörte mir hochtrabende Reden an über Demokratie und Grundgesetz. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, wie schnell wir Maßnahmen haben wie ein Polizeistaat. 2021 habe ich den Antrag zur Aufnahme in die AfD gestellt.
Damals musste Ihnen klar gewesen sein, dass die AfD vom Verfassungsschutz beobachtet wird.
Darüber müssen wir doch nicht reden. Der Verfassungsschutz wird von leitenden Beamten geführt, die sind für mich keine Kronzeugen. Diese Institution hat sich komplett delegitimiert.
Stören Sie sich am Beamtentum?
Nein, ich habe nichts gegen Beamte. Aber sie müssen halt die Weisungen der Politik erfüllen. In dem Fall muss der Verfassungsschutz tun, was ihm Regierungsparteien vorgeben.
Was sagen Sie zum AfD-Kreisverband Karlsruhe, dessen Mitglieder als Abschiebetickets in Form von Flugtickets in Briefkästen mit ausländisch klingendem Namen eingeworfen haben?
Das kann ich nicht nachvollziehen, aber wir sind eine basisdemokratische Partei, da kann so etwas vorkommen. Unser Bestreben ist es aber, Menschen aus der Partei rauszuhalten, die sonderbar sind.
Menschen, die nicht in Ihr Weltbild passen? Meinen Sie Lesben, Schwule, Diverse?
Nein, die jeweilige sexuelle Orientierung interessiert mich gar nicht. Ich meine Rechtsradikale. In Deutschland gibt es 78 Parteien und Organisationen rechtsradikaler Natur, wer in einer davon Mitglied ist, hat bei uns keine Chance. In manchen Regionen kocht die Volksseele. Ich habe mit Karlsruhe telefoniert, die sind selbst nicht glücklich. Aber die Stimmung dort ist deutlich aufgeheizter als im beschaulichen Metzingen.
Also lehnen Sie die Abschiebeticket-Kampagnen ab?
Dass Kreisverbände selbst Flyer gestalten, halte ich für gefährlich. Da braucht es Vorgaben der Partei. Entsprechende Maßnahmen werden wir für die Zukunft entwickeln.
Was sind die Kernpunkte Ihres Wahlprogramms?
Mir macht der industrielle und wirtschaftliche Niedergang Deutschlands die meisten Sorgen.
Was wollen Sie dagegen tun?
Erstens: Das Verbrennerverbot verhindern und die Technologieoffenheit beibehalten. Alle haben gedacht, dass 180 Jahre nach Erfindung der Schiffsschraube das Ding sei ausentwickelt. Jetzt haben Ingenieure die Form von Buckelwalen studiert und Erkenntnisse auf einen neuen Schraubentyp angewandt, der eine Effizienzsteigerung über 100 Prozent ermöglicht und den Torodial-Rotor mit einer Effizienzsteigerung von 205 Prozent. Womit ich zukünftig mobil bin, elektrisch oder Verbrenner, ist mir egal. Ich möchte die beste Technik nutzen. Die Politik darf keine Vorgaben machen.
Auch die Wirtschaft warnt vor der AfD.
Ich kenne genügend Fachleute aus der Ökonomie, die sich seit zwei Jahren für die AfD aussprechen.
Wen meinen Sie?
Die findet man leicht auf Youtube. Wir sind die einzige Alternative. Die anderen sind ein linker Block, der keine anderen Diskussionen zulässt.
Welche Diskussion lässt die AfD beim Klimaschutz zu?
Wir können das Klima nicht schützen. Es gibt dazu wissenschaftliche Studien. Wir sagen, es gibt keinen Hinweis auf den Menschen gemachten Klimawandel. Wir haben extreme Wetterlagen. Warum? Weil das Wetter ein chaotisches System ist.
Wetter und Klima sind nicht dasselbe. Aber vielleicht können sie uns erklären, warum der CO₂-Anstieg exakt mit dem Beginn der Industrialisierung einsetzte.
Wir hatten schon vorher höhere CO₂-Anteile. Das Meer ist die größte CO₂-Senke, jetzt setzt es durch verstärkte Sonneneinstrahlung und eine Erwärmung der Meere vermehrt CO₂ frei.
Schmelzen die Gletscher auch nur aufgrund der Sonnenaktivität?
Ich habe Gletscherwanderungen gemacht. Warum liegen an den Gletscherzungen so viele Baumstämme? Die stammen aus Zeiten früherer Wärmeperioden. Wir sollten uns keine neue Eiszeit wünschen, sonst reichen die Gletscher wieder bis Stuttgart. Unser größten Problem sind andere.
Welches?
Teflon, allgemein die PAFS-Gruppe. Das muss unbedingt aus den Haushalten raus. Die erdölbasierte Plastifizierung unserer Erdkugel muss aufhören.
So kennt man die AfD gar nicht.
Sozialsysteme werden zerstört, und anstatt Naturwissenschaften zu fördern, unterstützen wir die Ausbildung zu Gender-Wissenschaft.
Eines Ihrer Lieblingsthemen dürfte die Migrationspolitik sein.
Da wollen wir nur geltendes Recht umgesetzt sehen. Wer über Drittstaaten nach Deutschland kommt, muss an der Grenze umkehren. Das wird nicht eingehalten. Warum geben wir uns Gesetze? Doch hoffentlich, damit sie eingehalten werden. Zweitens: Wer hier als Flüchtling straffällig geworden ist, und ich rede von Kapitalverbrechen, nicht vom Schwarzfahren, sollte das Land verlassen müssen. Es geht um Gewalt gegen andere Menschen. Die ausufernde Gewalt können wir bald nicht mehr zurückdrängen. Siehe Magdeburg und Aschaffenburg, wo Attentate Menschenleben gekostet haben. Was mich dabei besonders enttäuscht: Diese Taten wurden nicht als Terrorakte eingestuft. Damit erhalten die Opfer auch keine Entschädigung. Das ist mies, denn es handelt sich hierbei um Staatsversagen.
War der Merz-Vorstoß richtig?
Worüber ließ er abstimmen? Über ein Positionspapier, damit die Brandmauer stehen bleibt. Das hat nichts mit Demokratie und Offenheit zu tun. In Bochum und Duisburg gibt es inzwischen No-go-Areas. Unsere Polizei und Justiz werden dort von Clans eingeschüchtert. Hier im Landkreis haben wir das Problem der Antifa, konkret wurde ein Haus von einem Parteimitglied beschmiert, und Gastwirte, die uns Räume zur Verfügung stellen, werden bedroht. Daher kennen wir das Gefühl der Einschüchterung
Sind Sie ein Freund der Abschiebungs-Rhetorik von Trump?
Ich war beruflich in den USA. Da bin ich an einem Gefängnis vorbeigefahren, man kann sich kaum vorstellen, wie groß das ist. Da gibt es für Insassen keine Bürgerrechte mehr.In Amerika ist alles anders. Lassen wir die USA lieber raus, die werden in wirtschaftlicher Hinsicht unser nächster großer Gegner.
Wegen der besseren Wettbewerbsbedingungen?
Die Energiepreise sind um den Faktor Zehn niedriger als bei uns. Steuergeschenke kommen noch dazu. Und eben die Zölle, die Trump erheben möchte. Ich verstehe Unternehmen, die dort investieren. Weil sie ihrem Unternehmen verpflichtet sind. Die Politik aber sollte dem Volk verpflichtet sein.
Sie reden von Remigration. Dann müssten Millionen damit rechnen, abgeschoben zu werden.
Nein, wer einen deutschen Pass hat, nicht, wer eine doppelte Staatsbürgerschaft hat, auch nicht. Aber die berechtigte Frage der doppelten Staatsbürgerschaft ist doch: Wie im Falle einer Wehrpflicht, muss man sich entscheiden, diese für Deutschland abzuleisten oder eben doch lieber für die Türkei.
Wir brauchen aber Zuwanderung, allein schon wegen der fehlenden Fachkräfte.
Ja, aber Deutschland wird zunehmend unattraktiver für junge Menschen. Es bleibt zu wenig Netto vom Brutto. Mein Sohn zieht deswegen in die Schweiz. Das ist schade für die Familie.
Wie wollen Sie das ändern?
Einkommensteuer überarbeiten, Grundsteuer weg, die Mehrwertsteuer reduzieren. 2027 wird der Sprit einen Euro mehr kosten, also muss auch die CO2-Steuer abgeschafft werden. Da werden Leute ins Land geholt, die am Ende ihres Lebens mehr aus der Rentenversicherung bekommen, als sie je eingezahlt haben, das können wir uns nicht leisten, daher qualifizierte Einwanderung.
Können wir uns die Landesverteidigung leisten?
Meine eindeutige Meinung: Wir brauchen eine starke Landesverteidigung, die von der Nato geforderten drei Prozent wollen wir einhalten
Also möchte die AfD nicht raus aus der Nato?
Nein, aber wir sehen die Nato kritisch. Wir wollen nicht ihre Expansionbewegungen unterstützen. Aber sie ist durchaus hilfreich für die Landesverteidigung.
Aber aus der WHO und aus der EU wollen Sie raus?
Aus der WHO ja, Trump hat Recht. Deutschland ist mit 800 Millionen Euro einer der große Zahler, und die WHO kann nicht mal auf ihr Geld aufpassen, aktuell sind 41Milliarden Dollar verschwunden. So einer Organisation wollen wir nicht die absolute Kontrolle in einer Pandemie übertragen. Was die EU angeht: Wir wollen eine andere EU, die sich auf Kernaufgaben besinnt: freier Handel, freie Warenströme, aber nicht noch mehr Bürokratie und Verlust der staatlichen Souveränität.
EU als gemeinsamer Markt, aber ohne gemeinsame Armee?
Die EU braucht keine gemeinsame Armee, nicht mal eine gemeinsame Strategie. Was wir brauchen, sind Ausbildungsstandards. Warum wirbt man nicht in südlichen Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit Menschen an, bildet sie hier aus und hofft, dass sie bleiben? Wenn nicht, gehen sie nach der Ausbildung in ihr Land zurück, das hilft ihrem Herkunftsland. So würde Europa langfristig zusammen wachsen.


