40 Jahre Alte Synagoge Hechingen: Noch nie war Erinnerungsarbeit gegen Fliegenschiss-Verfechter so wichtig wie heute

Es war nicht der Anfang, sondern die Fortsetzung des Terrors gegen die jüdische Bevölkerung: Im November 1938 wurdebei der Pogromnacht die Synagoge in der Hechinger Goldschmiedstraße verwüstet. Anzünden hatten sich die Nazi-Schergen wegen der engen Bebauung nicht getraut.
Stadtarchiv- Alte Synagoge Hechingen: Seit 40 Jahren Erinnerungs- und Kulturort gegen Vergessen.
- 1938 wurde die Synagoge verwüstet, das Innere zerstörten Reutlinger SA-Männer.
- Nach Deportationen 1941 und 1942 erlosch das jüdische Leben in Hechingen weitgehend.
- Ende der 70er begann die Restaurierung trotz Widerständen, Anfang der 80er Wiedereröffnung.
- Herbstprogramm startet am 6. September – Info zu Terminen auf alte-synagoge-hechingen.de.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nahezu ein halbes Jahrhundert war das einstige Gotteshaus der Hechinger Juden dem Verfall preisgegeben. Bei der Pogromnacht im November 1938 war der Innenraum unter der Leitung Reutlinger SA-Männer komplett zerstört worden. Die jüdischen Einwohner flohen aus dem Nazi-Reich, wenn sie konnten. Wer blieb oder bleiben musste, überlebte das nur im Ausnahmefall: Nach zwei Deportationen nach Riga im November 1941 und in ein polnisches Ghetto im April 1942 war im Zollernstädtle das einstmals blühende jüdische Leben ausgelöscht. Damit, so sagen noch heute alte Hechinger, habe der wirtschaftliche Niedergang Hechingens begonnen.
Die mutigen Retter der verfallenden Synagoge
Die Synagoge wurde jahrzehntelang unter anderem als Materiallager genutzt. Ende der 70er-Jahre fassten sich geschichts- und heimatbewusste Menschen ein Herz und starteten die Restaurierung der steinernen Erinnerung an die einstigen Mitbürger – wohlgemerkt gegen einige Widerstände. Bei der Wiedereröffnung Anfang der 80er-Jahre war das freilich nicht mehr so wichtig. Es begann eine bemerkenswerte und überregional bekannte und beachtete Arbeit gegen das Vergessen, gegen Antisemitismus, Rassismus, Ausgrenzung und jede Form der Menschenfeindlichkeit.
Vier Jahrzehnte nach der Wiedereröffnung der Synagoge als Alte Hechinger Synagoge weiß man, dass Erinnerungsarbeit nicht weniger wichtig ist als noch im alten Jahrtausend. Ganz im Gegenteil. Nazi-Diktatur, Zweiter Weltkrieg und Holocaust werden von ausgewählten Menschen mehr und mehr abgetan: vergangen, aus und vorbei. Wäre das allein nicht schlimm genug, folgen in der Konsequenz neue Untaten.
Es ist kein Zufall, dass das Team der Alten Synagoge sein Herbstprogramm im 40. Jahr diesem Dauerauftrag widmet: „Die Alte Synagoge ist ein Ort, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander ins Gespräch kommen. Diesen Weg möchten wir gemeinsam mit Ihnen weitergehen – mit neuer Kraft, Offenheit und dem festen Willen, das zivilgesellschaftliche Engagement und das Kulturleben in unserer Stadt zu bereichern und zu stärken.“ Die Veranstaltungsreihe startet wieder zum „Europäischen Tag der jüdischen Kultur“ am 6. September.

Die Alte Synagoge ist bekannt in der weiten Region als Erinnerungs-, aber auch als Kulturzentrum. Und das seit inzwischen 40 Jahren! Dort lädt die Initiative Hechinger Synagoge zu ihren regelmäßigen Veranstaltungen.
Ernst KlettZum Auftakt auf den jüdischen Friedhof
Hohenzollern war ein Fürstentum, das Juden aufgenommen hat. Und die haben es gedankt. In Hechingen vor allem mit dem Aufbau der Textilindustrie. Spätestens mit der Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten ging das Gemeinsame verloren – und endete in der Verschleppung in die Todeslager. Was von den Juden an Besitztümern übrig blieb, darüber freuten sich wie andernorts die Nichtjuden. Neben der restaurierten Synagoge wird der jüdische Friedhof immer eine Erinnerung an diesen Teil der Bevölkerung bleiben. Preisfrage: Wer von den Heutigen weiß überhaupt, dass es in Hechingen so etwas gibt? Und wer weiß, wo der Friedhof ist? Stadtführer Jörg Küster referiert an diesem Sonntag, 6. September, von 14 Uhr bis 16 Uhr vor Ort über das „Archiv aus Stein“ am Stadtausgang Richtung Bodelshausen (Straße „Am Fichtenwald“ beim kleinen „Kaufland“). Küster kennt sich aus und macht seine Sache zum wiederholten Mal und allerbestens. Allerdings muss man sich anmelden bei der Stadt, und das möglichst rasch unter Telefon (07471) 940-220. Fünf Euro ist die Teilnahmegebühr.
Das ausführliche Herbstprogramm der Alten Synagoge gibt es unter www.alte-synagoge-hechingen.de sowie auf einem Flyer, der an den üblichen Stellen ausliegt.

