Erklärung aus Hechingen
: Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb warnt vor der AfD

Die Mitgliedsverbände des Gedenkstättenverbunds Gäu-Neckar-Alb e. V. haben mit Blick auf die Landtagswahl am 8. März bei ihrer Mitgliederversammlung in Hechingen einstimmig vor einem Erstarken der Rechtsaußen-Partei AfD gewarnt.
Von
Hardy Kromer
Hechingen/Region
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Eine Anti-AfD-Demo, wie hier in Koblenz, stünde auch Hechingen und der Zollernalb gut zu Gesicht.

20.01.2024, Rheinland-Pfalz, Koblenz: Ein durchgestrichenes AfD-Logo ist auf einem Schild bei einer Demo gegen Rechts zu sehen. Zu der Demonstration mit Kundgebung unter dem Motto: «Nazis raus aus den Parlamenten» eines überparteilichen Bündnisses wurden alle im Stadtrat vertretenen Parteien und Wählergruppen abseits der AfD als Mitveranstaltende eingeladen. Mit der Demonstration wollen die Teilnehmer ein Zeichen des Widerstands gegen rechtsextreme Umtriebe setzen. Foto: Thomas Frey/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Vor dem Erstarken der AfD warnt der Gedenkstättenverbund Neckar-Alb in einer einstimmig verabschiedeten Erklärung.

Thomas Frey
  • Der Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb warnt einstimmig vor dem Erstarken der AfD.
  • Bei einer Veranstaltung führte ein Vorfall mit einem provokanten T-Shirt zu Streit und Austritten.
  • Eine Erklärung der Mitgliedsvereine distanziert sich klar von der AfD und rechtsextremen Positionen.
  • Laut Verfassungsschutz ist die AfD in mehreren Bundesländern rechtsextrem eingestuft.
  • Der Verbund betont die Verteidigung der Demokratie und widerspricht antisemitischen Aussagen entschieden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb hat schwierige Wochen hinter sich. Was am 19. Oktober 2025 ein Tag zur Stärkung der Demokratie werden sollte, endete in einem Eklat und in Streitereien: Bei einer Veranstaltung zu Wirkungsmöglichkeiten von Gedenkstätten in der demokratischen Gesellschaft in Horb-Rexingen, veranstaltet vom Gedenkstättenverbund, hatte ein junger Mann ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Deutschland, Ehre, Stolz“ und dem Bundesadler getragen. Viele Teilnehmer hatten das als Provokation von Rechts aufgefasst. Der Mann soll sich geweigert haben, das T-Shirt zu verdecken, woraufhin ihm die Veranstalter ein Hausverbot erteilten. Brisant daran: Der 24-Jährige ist der Sohn von Andrea Dettling, der Vorsitzenden des Rexinger Synagogenvereins. Aus diesem wiederum traten in der Folge der Veranstaltung eine Reihe von Mitgliedern aus.

Es gab einiges aufzuarbeiten

Es gab also einiges aufzuarbeiten bei der Mitgliederversammlung des Gedenkstättenverbundes in Hechingen. Eine Konsequenz, die die Mitgliedsvereine zogen, ist eine einstimmig verabschiedete „Erklärung zur Situation unserer demokratischen Gesellschaft und zur AfD“, in der sich die Mitgliedsvereine in aller Deutlichkeit von der Rechtsaußen-Partei distanzieren. So lautet die Erklärung im Wortlaut:

„,Nie in der Geschichte unseres wiedervereinten Landes waren Demokratie und Freiheit so angegriffen“, formulierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 9. November dieses Jahres im Schloss Bellevue die politische Situation der BRD. Zur äußeren Bedrohung Europas durch den russischen Aggressor komme die innere Bedrohung durch „...rechtsextreme Kräfte, die unsere Demokratie angreifen und an Zustimmung in der Bevölkerung gewinnen“.

„Die Radikalen haben die Kontrolle über die AfD übernommen“

Wir teilen diese Einschätzung des Bundespräsidenten und stellen fest: Die Partei, die diese rechtsextremen Kräfte repräsentiert und bündelt, ist die ,Alternative für Deutschland' (AfD), die in den letzten Jahren eine weitere Radikalisierung hinter sich gebracht hat. Schon 2017 hat die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen (LAGG) bei ihrer Jahreshauptversammlung die geschichtsrevisionistischen Angriffe der AfD verurteilt und sich zur Aufgabe gestellt, mit allen Mitteln, die den Gedenkstätten zur Verfügung stehen, die rechtspopulistischen und rechtsextremen Angriffe auf die offene, plurale Gesellschaft abzuwehren. Inzwischen hat der damalige Fraktionsvorsitzende in Baden-Württemberg und Bundesvorsitzende der AfD, Jörg Meuthen, die AfD verlassen. Er musste feststellen: ,Die Radikalen haben die Kontrolle über die AfD übernommen.' Martin Sellner, Führer der Identitären Bewegung, hat den Begriff Remigration, der die massenhafte Abschiebung von Bürgern auch mit deutschem Pass umfassen soll, in der AfD verankert.

In Baden-Württemberg „ein rechtsextremer Verdachtsfall“

Auf dem Gründungskongress der neuen Jugendorganisation der AfD, der ,Generation Deutschland', forderten Mitglieder des neuen Vorstandes die millionenfache Remigration von Menschen, bis die ,Startbahnen in Deutschland glühen' (Frankfurter Rundschau). In vier Bundesländern wird die AfD als gesichert rechtsextrem vom Verfassungsschutz eingestuft. In Baden-Württemberg ist sie rechtsextremer Verdachtsfall. In Thüringen ist heute schon die Neubesetzung des Verfassungsgerichts nicht mehr möglich, weil die AfD mit einer Sperrminorität die Wahl von demokratischen Juristen verhindern kann. In Baden-Württemberg hat die AfD unter anderem gefordert, die Landeszentrale für politische Bildung und den Verfassungsschutz abzuschaffen. Dem Projekt ,Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage' soll jede Unterstützung entzogen werden. Emil Sänze, mit Markus Frohnmaier Landesvorsitzender der AfD in Baden-Württemberg, griff die Landtagspräsidentin Muhterem Aras rassistisch an, und erklärte, durch ihre Geburt in der Türkei sei sie nicht legitimiert, sich öffentlich zum Holocaust zu äußern.

„Die AfD ist keine normale Partei“

Die AfD ist keine normale Partei. Ihr Ziel ist die Verwandlung des demokratischen Rechtsstaats in eine andere Republik. Die Konsequenz aus unserer Erinnerungsarbeit kann nur bedeuten, dass wir die 1949 erreichte Demokratie verteidigen und jeder Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegentreten. Zu unserer Aufgabe gehört es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die beginnen, die demokratische Gesellschaft in Frage zu stellen und mit autoritären, rechtsextremen Lösungen liebäugeln. Funktionären der AfD werden wir keine Plattform geben, ihre demokratiefeindlichen, rassistischen Positionen zu vertreten, sondern ihnen immer entschieden entgegentreten. Allen Personen, die antisemitisch argumentieren, werden wir entschieden widersprechen.“

Sie gehören dem Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb e. V. an

Die Mitgliedsvereine des Gedenkstättenverbundes: Gedenkstätten KZ Bisingen, KZ-Gedenkstätten Eckerwald/Schörzingen und Dautmergen-Schömberg, Begegnungs- und Ausstellungszentrum Ehemalige Synagoge Haigerloch, KZ-Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen, Alte Synagoge Hechingen, Museum Jüdischer Betsaal Horb, Stauffenberg Gedenkstätte Lautlingen, Löwenstein-Forschungsverein e.V. Mössingen, Ehemalige Synagoge Rexingen, Gedenkstätte Synagoge Rottenburg-Baisingen, Ehemalige Synagoge Rottweil, Förderverein Lichtspielhaus Schramberg e.V., Initiative KZ-Gedenken in Spaichingen e.V, Geschichtswerkstatt Tübingen – Denkmal Synagogenplatz.