Unwetter in Ulm: Folgen der schweren Gewitter in der Region: Blitzeinschlag, A8-Sperrung, Brände

Die heftigen Gewitter und Unwetter in der Nacht auf Mittwoch (12. Juli) haben in Ulm, der Region und darüber hinaus deutliche Spuren hinterlassen: Blitzeinschläge, Brände, Autobahnsperrung und Behinderungen bei der Bahn.
dpa Robert Michael, Christian Schulz, Thomas WarnackZahlreiche Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdiensten wegen schwerer Unwetter in der Nacht auf Mittwoch, den 12.07.2023: In Baden-Württemberg richtete die Gewitterfront nach Tageshöchsttemperaturen von stellenweise bis zu 37 Grad teils heftige Schäden an – und Behinderungen im Verkehr bei der Bahn und auf der Straße.
Bei der Polizei Ulm gingen in der Nacht 120 unwetterbedingte Anrufe ein, teilt ein Polizeisprecher der SÜDWEST PRESSE am frühen Morgen mit. Hier gab es glücklicherweise keine Schwerverletzten – andernorts dagegen schon.
Blitzeinschlag, A8-Sperrung, Brand – Unwetterfolgen in Ulm und Region
Die Liste ist lang: Von Blitzeinschlägen, Bränden, über Sperrungen von Autobahnen, Straßen und Bahnstrecken, bis hin zu Unfällen wegen abgebrochener Äste und Schaden durch umgestürzte Bäume. Wie heftig hat das Unwetter in Ulm direkt getobt und wie stark sind die Folgen der schweren Gewitter in der Region aktuell?
- Die A8 musste zwischen Ulm-West und Ulm-Ost gesperrt werden, weil ein umgestürzter Baum die Autobahn blockierte.
- Lange Sperrung der Bahnstrecke Ulm - Augsburg - München: Vermutlich ist der dortige Schienenverkehr sogar bis über den Mittwoch hinaus betroffen und es kommt zu zahlreichen weiteren Zugausfällen dort. Aber wie lange genau fahren dort keine Züge mehr?
- Ein Mehrfamilienhaus in Ulm-Jungingen ist durch einen Blitzschlag beim Gewitter in der Nacht in Brand geraten. Das Gebäude ist aber weitestgehend bewohnbar. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 100.000 Euro.
- Ebenfalls in Flammen standen eine Scheune bei Wiblingen sowie ein Wohnmobil.
- Auf der Bahnstrecke Ulm - Friedrichshafen sind mehrere Bäume auf die Oberleitungen gestürzt. Dadurch ist die Strecke südlich von Biberach streckenweise gesperrt. Über die Dauer der Sperrung konnte die Bahn noch keine Auskunft geben. Teilweise sind Fahrgäste noch ohne Informationen zu den Ausfällen und Verspätungen.
- In Ochsenhausen im Kreis Biberach deckte der Sturm Teile der Klosterkirche ab.
- Auf der B30 zwischen Ulm und Unteressendorf kam es zu Behinderungen.
- In Ulm-Wiblingen ist es in der Nacht zu einem Brand in einer Scheune in einem Wohngebiet gekommen. Dieser steht jedoch vermutlich in keinem Zusammenhang mit dem Gewitter.
- Supermarkt-Dach abgedeckt: In Schwendi hat das heftige Gewitter eine Netto-Fiale erwischt.
- In Leipheim ist ein Blitz in ein Einfamilienhaus eingeschlagen. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 50.000 Euro, so ein Sprecher der Polizei Kempten. „Das war ein bisschen viel in der Nacht“, sagt er weiter. Es kam zu einer Vielzahl an Einsätzen, vor allem in Zusammenhang mit Ästen und Bäumen auf Straßen.
- Im Raum Haigerloch gab es vermehrt Kurzschlüsse im Stromnetz und Stromausfälle. Der Energiedienstleister Netze BW bestätigt die zahlreichen Störungsmeldungen. Man arbeite mit Hochdruck an der Ursachenforschung und an der Behebung der Schäden.
Krasser Blitz über Donau in Ulm bei Gewitter vor zwei Wochen
Auf Youtube gibt es ein Video, dass einen „krassen Blitz“ zeigt, der bei dem Unwetter Ende Juni über der Donau zu sehen war. Das ohnehin schon eindrucksvolle Naturphänomen zeigt sich hier in einer besonderen Form und Art der Ausbreitung. Entsprechend beeindruckt reagieren die User zu den spektakulären Aufnahmen des Blitzes.
Supermarktdach abgedeckt: Unwetter erwischen Netto-Filiale in Schwendi
Wie viel Kraft in den Unwettern steckte, sieht man auch in Schwendi. Dort haben die heftigen Gewitter in der Nacht das Dach eines Supermarktes abgedeckt. Die Netto-Filiale dort hat es schwer getroffen.

Einen Supermarkt in Schwendi hat es bei den Unwettern in der Nacht auf den 12. Juli heftig getroffen: Das Dach der Netto-Filiale wurde beim Gewitter abgedeckt.
Feuerwehr SchwendiNach Unwetter auch im Kreis Freudenstadt zahlreiche Einsätze
Laut einem Sprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim hat es in der Nacht 30 Einsätze mit Schwerpunkt im Kreis Freudenstadt gegeben. Dabei handelte es sich vor allem um umgestürzte Bäume und herausgedrückte Gullydeckel. Der Schaden sei unbekannt. Es wurde nach bisherigen Informationen niemand verletzt.
Polizei Reutlingen kämpft mit Unwetter: „Bei uns geht es wirklich rund“
Auch im restlichen Bundesland kam es zu zahlreichen Einsätzen. Es habe eine Vielzahl von Einsätzen wegen umgestürzter Bäume gegeben, teilte die Polizei Freiburg mit. „Bei uns geht es wirklich rund“, berichtete ein Polizist in Reutlingen am Abend. Es gebe wegen des schweren Sturms mehrere Verkehrsunfälle mit Verletzten. Im Kreis Ludwigsburg schlug ein Blitz in das Dach eines Wohnhauses ein und löste einen Brand aus, der einen Schaden von geschätzt rund 250.000 Euro verursachte und das Haus unbewohnbar machte. Verletzt wurde niemand.
Polizei Ravensburg meldet zahlreiche Schäden nach Unwetter
Die Unwetter haben auch in der Region Ravensburg zahlreiche Schäden angerichtet. Vielerorts wurden Bäume durch den starken Wind umgeworfen oder Äste brachen ab. Sie blockierten die Straßen in den Landkreisen Sigmaringen, Ravensburg sowie dem Bodenseekreis und sorgten für Beschädigungen und Unfälle, bei denen teils hoher Sachschaden entstanden ist.
Unwetter bricht Ast ab - Rollerfahrer lebensgefährlich verletzt
In einigen Orten kam es infolge des Sturmes zu Stromausfällen. Auf der L260 zwischen Aitrach und Aichstetten verunglückte gegen 23.15 Uhr der Fahrer eines dreirädrigen Rollers und wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Der 53-Jährige erkannte während der Fahrt nach Aichstetten offenbar einen auf der Straße liegenden Baum zu spät und stieß mit diesem zusammen. Er wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht – aktuell besteht laut Polizei Lebensgefahr. Die Landesstraße war zur Unfallaufnahme und der Rettungs- und Aufräumarbeiten komplett gesperrt.
Schwierigkeiten bereitete eine abgerissene Stromleitung über der B30 bei Ravensburg. Für die Beseitigungsarbeiten musste die Bundesstraße zwischen den Abfahrten Ravensburg-Nord und -Süd von 23 Uhr bis 2.30 Uhr voll gesperrt werden.
Auf die Stromleitung an der Bahnstrecke zwischen Hergatz und Kißlegg fiel ebenfalls ein Baum. Hoher Schaden und Zug-Verspätungen sind die Folge. Viele Blockaden und Schäden wurden erst am Mittwoch bei Tageslicht entdeckt, sodass die Einsatzkräfte nach wie vor stark gefordert sind.
Heftige Unwetter und Gewitter wüten am Bodensee bei Konstanz
Die Gewitterfront in der Nacht auf Mittwoch zog vom Schwarzwald her nach Osten über den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums (PP) Konstanz hinweg. Zwischen 21.30 Uhr bis Mitternacht gingen im Führungs- und Lagezentrum des PP Konstanz mehr als 370 Notrufe, meist unwetterbedingt, ein. In Spitzenzeiten waren bis zu 180 aktuelle Einsätze geöffnet.
Durch eine Vielzahl an umgestürzten Bäumen und heruntergefallenen Ästen kam es zu Verkehrsbeeinträchtigungen und Straßensperrungen. Die B33 in Konstanz musste für mehrere Stunden bis in den frühen Morgen aufgrund von Aufräum- und Reinigungsarbeiten voll gesperrt werden. Die am Tunnel Waldsiedlung neu errichtete Lärmschutzwand musste wegen Unwetterschäden von der Straßenmeisterei gesichert werden. An mindestens vier Pkw entstanden durch umgestürzte Bäume oder heruntergefallene Äste teilweise erhebliche Beschädigungen. Bei fünf witterungsbedingten Verkehrsunfällen erlitten zwei Personen Verletzungen. Im Bereich Oberndorf und Sulz fielen Dachziegel von Häusern auf die Fahrbahn.
In Tuttlingen räumte der Veranstalter des „Honbergsommer“ auf dem Tuttlinger Hausberg nach Aufzug des Gewitters das Gelände. Betroffen hiervon waren rund 300 Besucher. Auch der Bahnverkehr zwischen Konstanz und Radolfzell war betroffen und musste aufgrund einer beschädigten Oberleitung eingestellt werden. Die Dauer des Zugausfalls ist nicht bekannt.
Nach Mitternacht war die Unwetterfront bereits weiter gezogen und die Lage beruhigte sich. Die Aufräumarbeiten dauern aber auch am Mittwochvormittag noch an und dürften sich über den ganzen Tag erstrecken. Angaben zur Schadenshöhe sind derzeit nicht möglich.
Mehrere Verletzte auf Campingplätzen
Auf einem Campingplatz in Allensbach (Kreis Konstanz) ist eine 70 Zentimeter dicke Eiche auf den Wohnwagen einer Familie gestürzt – die drei Insassen und eine 30 Jahre alte Camperin kamen ins Krankenhaus. Auch zwei Camper in Illmensee (Kreis Sigmaringen) erlitten Verletzungen durch umstürzende Bäume.
Erhebliche Schäden durch Unwetter im Saarland
Die schweren Gewitter haben am Dienstagabend und in der Nacht insbesondere im Saarland große Schäden angerichtet, laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa). In Asweiler in der Gemeinde Freisen (Landkreis St. Wendel) entwickelte der Sturm erhebliche Zerstörungskraft und wütete in einer Schneise von etwa 100 Metern, wie das Lagezentrum der Polizei mitteilte. Ob es sich dabei um einen Tornado handelte, war zunächst unklar. Ein Großaufgebot von Feuerwehr, THW und Polizei war im Einsatz.
Rund 30 Gebäude in Asweiler seien beschädigt worden, sagte der saarländische Innenminister Reinhold Jost (SPD). Glücklicherweise sei aber niemand verletzt worden. „Das Schadensbild hatte Schlimmeres befürchten lassen“, sagte Jost. Die Bevölkerung sei im Dorfgemeinschaftshaus versorgt worden.
Heftige Gewitter wüteten zuvor in Frankreich
Bevor es nach Deutschland weiterzog, hatte das Unwetter auch in Frankreich gewütet. In Dijon und Mulhouse wurden Sturmböen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Kilometern pro Stunde registriert. Die französische Bahn stellte auf einigen Strecken aus Sicherheitsgründen den Verkehr ein. In Dijon stürzte die Decke eines Supermarktes ein, in Vichy wurden Dutzende Bäume entwurzelt. Bewohner der Region verbreiteten Fotos von großen Hagelkörnern, die mit den Sturmböen herunterkamen, wie der Sender BFMTV und die Zeitung „Le Parisien“ berichteten. Menschen kamen zunächst nicht zu Schaden.




