Hier essen oder mitnehmen? Wenn es in der Mittagspause schnell gehen muss, ist die Antwort klar: „To go“. Ob Hackbraten mit Spätzle beim Metzger oder Caesar Salad in der Salat-Bar: Die Mahlzeit geht meist in der Einwegschale über die Theke. Die Folge der To-go-­Kultur: überfüllte Mülleimer. „Gerade während des Lockdowns, als die Lokale ihr Essen nur noch zum Mitnehmen anbieten durften, hat sich das Problem verschärft“, berichtet Silke Leibold, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Zollernalbkreis (WFG).
Die Politik versucht, gegenzusteuern. Seit dem neuen Jahr sind Restaurants, Cafés und Imbisse bundesweit dazu verpflichtet, ihren Gästen neben Einwegverpackungen auch eine umweltfreundliche Mehrwegvariante anzubieten. Firmen, die auf nachhaltige To-go-Systeme spezialisiert sind, gibt es einige.
In Balingen und Region möchte man erreichen, dass möglichst viele Gastronomiebetriebe auf dasselbe Mehrwegsystem setzen und als Annahme- und Abgabestelle fungieren. Denn so ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass der Prozess auch von möglichst vielen Kunden angenommen wird und sich der Verpackungsmüll in der Stadt nachhaltig reduziert.

Zehn Euro Pfand für die Box

Kreisvertreter des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, der Industrie- und Handelskammer sowie der Bäckerinnung haben sich gemeinsam für das System von Recircle entschieden. Das Stuttgarter Unternehmen zählt zu den größten Anbietern Deutschlands und das Konzept funktioniert so: Gäste zahlen zehn Euro Pfand für die Boxen und fünf Euro für die Becher. Die Ausleihe wird im Kassensystem verbucht. Bringen Gäste das Geschirr zurück, bekommen sie das Pfand erstattet, die Rückgabe wird verbucht und der Behälter für die nächste Ausleihe gespült.
Marcus Holweger, Chef des Cafés Catrina in der Ebinger Straße, bietet das Mehrweggeschirr bereits seit mehreren Monaten an. Er zeigt sich erstaunt: Das Konzept werde von seinen Gästen „wirklich sehr gut angenommen“. Er habe schon dreimal Geschirr nachbestellt.
Es gebe aber durchaus auch Verbesserungsbedarf. Bei Gerichten mit mehreren Komponenten – beispielsweise Braten, Spätzle und Gemüse – „wäre es besser, wenn man sie in drei getrennte Bereiche innerhalb der Schüssel geben könnte“. Außerdem stellten die vielen Spülvorgänge einen Mehraufwand dar, so Holweger.
An und für sich ist die Mehrwegpflicht mit Blick auf die Umwelt aber „eine gute Sache“. Holweger gibt seinen Gästen einen Anreiz, die Mehrwegvariante zu wählen: Das Tagesessen in Einweg-Schale kostet acht Euro. Wer es in der Recircle-Box mitnimmt, bezahlt 50 Cent weniger.
Auch Pierre Hugendubel von der Savo-Lounge nutzt Recircle. Das Geschirr hat er Mitte Dezember erhalten. Nun gelte es, die Gäste darauf aufmerksam zu machen. Der Gastronom möchte unter anderem einen Aufkleber an der Tür anbringen. Das Thema Nachhaltigkeit sei ihm wichtig, betont er. Bereits vor drei Jahren habe Hugendubel auf biologisch abbaubare Strohhalme umgestellt. Mittelfristig könnte er sich vorstellen, bei To-go-Bestellungen nur noch die Mehrweg-Variante anzubieten.

Fördergeld für Restaurants

WFG-Geschäftsführerin Silke Leibold freut sich über die überwiegend positiven Rückmeldungen aus der Gastronomie. Ihr Büro hatte vom Kreistag den Auftrag erhalten, das Projekt Mehrweg im Zollernalbkreis mit Werbung und Aufklärungsarbeit voranzutreiben. Mit dem Ergebnis zeigt sie sich zufrieden. Knapp 30 Betriebe aus Balingen, Albstadt und Umgebung nutzen Recircle. Mehr als zehn verwenden andere Systeme. „Auch das ist völlig okay, wir wollen niemanden zwingen, Recircle zu nutzen“, betont Leibold.
Was die Nutzungs- und Mitmachquote angeht, müsse sich der Zollernalbkreis nicht verstecken, im Vergleich mit anderen Landkreisen stehe man gut da. Das hänge auch mit der Förderung zusammen, die der Kreis den Betrieben, die das System frühzeitig eingeführt haben, ausgeschüttet hat. So konnten Wirte die ersten Nutzungsgebühren für Recircle decken. Die beträgt pro Box 13,5 Cent und pro Becher acht Cent. Die Lokale bekamen bis zu 200 Euro. „Das hat auf jeden Fall geholfen“, resümiert Leibold.

Gesetz: Ausnahmen und Kontrolle

Umweltschutz Die Mehrwegpflicht gilt seit 1. Januar – und zwar nicht nur für Lokale, sondern auch für Bäckereien und Metzgereien. Ausgenommen sind Betriebe mit weniger als fünf Angestellten und einer Verkaufsfläche von bis zu 80 Quadratmetern. Zudem dürfen auch Lieferdienste weiterhin auf Mehrwegverpackungen verzichten. Im Zollernalbkreis kontrolliert die Abfallwirtschaftsbehörde des Landratsamtes die Einhaltung des Gesetzes.