Urban Gardening in Albstadt
: Erbsen und Bohnen mitten in der Innenstadt

In der Oberen Vorstadt wächst in Kübeln Gemüse statt Blumen. Es ist ein Projekt der Caritas, das von NABU und Stadtverwaltung unterstützt wird.
Von
Vera Bender
Albstadt
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Das Urban Gardening in der Oberen Vorstadt in Ebingen mit Vertretern von Caritas, BUND und Stadtverwaltung

Urban Gardening in der Oberen Vorstadt in Ebingen: unter anderem mit Ingeborg Schumann, Michaela Schneevoigt von der Caritas, Ronja Schumacher vom Stadtplanungsamt und Mathias Stauß vom NABU (von links).

Vera Bender

Nicht jammern oder schimpfen, sondern anpacken. Was Tolles entstehen kann, wenn viele die Ärmel hochkrempeln und zusammenarbeiten, wenn sich einzelne zusammentun und ihre Ideen verflechten, kann man ab sofort in der Oberen Vorstadt in Ebingen sehen. Die Pflanzkübel, die dort aufgestellt und am Freitagmorgen (17. Mai) bepflanzt wurden, sind auch kaum zu übersehen. Den Kritikern, die sich am Anblick stören, sei gesagt, dass die Kübel noch verschönert werden, wie Ronja Schumacher, stellvertretende Leiterin des Stadtplanungsamts, versichert. Denn auch argwöhnische Stimmen wurden scheinbar laut, als die Kübel per Kran an ihren Bestimmungsort einschwebten. Dabei verträgt die Obere Vorstadt durchaus mehr Grün. Bei diesen Grünpflanzen handelt es sich allerdings nicht um Büsche, Sträucher oder Blumen – es ist Gemüse, das dort ab sofort wächst.

Zur Pflanzaktion haben sich die Macher einen verregneten Tag ausgesucht, aber das Beste daraus gemacht. „Da sparen wir uns schon das Gießen“, meint Ronja Schumacher lachend, die selbst von der Aktion ganz begeistert ist. „Karotten und Zwiebeln säen wir zu einem anderen Zeitpunkt, wenn es nicht so sehr regnet“, ergänzt Ingeborg Schumann, die in Bezug auf ihre Person meint: „Auch mit 75 Jahren kann man noch Jugendbegleiterin sein.“ Als solche hatte sie beim ZIZ-Programm (zukunftsfähige Innenstädte und Zentren)  im Rahmen der „Ideenwerkstatt“ der Stadt Albstadt ein Projekt an der Kirchgrabenschule, wo sie schon seit fünf Jahren als Jugendbegleiterin ehrenamtlich tätig ist, eingereicht. Dabei ging es um das Anpflanzen und Kochen von Kartoffeln. Dieses Projekt bekam ebenfalls den Zuschlag der Jury. Allerdings finden gerade an der Kirchgrabenschule Bauarbeiten statt und deshalb wäre die Pflanzaktion wenig realisierbar gewesen.

Nachhaltig und integrierend

Die Kartoffelaktion hat Schumann schon einmal an der Kirchgrabenschule durchgeführt und seit dieser Zeit engen Kontakt mit dem NABU. Und so haben sich NABU-Mann Mathias Stauß und Jugendbegleiterin Ingeborg Schumann kurzerhand dem „Cariditas“-Projekt der Caritas Albstadt angeschlossen. Denn auch innerhalb dieses Projektes will man das Urban Gardening in Ebingen vorantreiben – sucht auch aktuell noch einen möglichst zentrumsnahen Garten, den man bewirtschaften darf. Denn die Stadt soll nicht nur grüner werden, sondern gleichzeitig sollen Lebensmittel selbst erzeugt und beim sozialen Mittagstisch verwertet werden. Und dann gibt es noch einen dritten Aspekt: Langzeitarbeitslose sollen durch diese Gartenarbeit wieder an einen geregelten Tagesablauf gewöhnt und langfristig in den Arbeitsmarkt überführt werden. Also gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Die Kübel für das Urban Gardening in der Oberen Vorstadt werden gesetzt.

Die Kübel für das Urban Gardening in der Oberen Vorstadt werden gesetzt.

NABU Albstadt

„Die sind spitze“, freute sich Michaela Schneevoigt von der Caritas über die tolle Mithilfe der Langzeitarbeitslosen, für die ja unter anderem das Projekt gedacht ist. Aber auch Ehrenamtliche sind mit im Boot. „Ohne die geht es nicht“, erläutert Schneevoigt. Zwei Familien haben ganz spontan mit angepackt, als es zeitlich etwas eng wurde. Das Stadtplanungsamt hatte die Kübel gestellt, der NABU diese befüllt und dann wurde gemeinsam gepflanzt, auch wenn manche Anwohner zunächst noch skeptisch waren. Im Vorfeld hat die Stadtverwaltung schon alle über das Urban Gardening informiert. Die Caritas übernimmt mit den Langzeitarbeitslosen und Ehrenamtlichen die Pflege der Kübel und sogar ein Anwohner und der benachbarte Weltladen haben sich dazu bereiterklärt, freut sich Michaela Schneevoigt.

Drei Partner haben sich gefunden und werden gefördert

Spinat, Mangold, Kohlrabi, Sellerie, Lauch, Zucchini, Bohnen, Erbsen sowie verschiedene Tomatensorten und Salate wachsen und gedeihen – hoffentlich – in der Oberen Vorstadt, bis sie – wiederum von Langzeitarbeitslosen und Ehrenamtlichen verarbeitet – in den Töpfen und dann auf den Tellern des offenen sozialen Mittagstisches der Caritas landen. Das „Opening von Cariditas“ ist schon mal gelungen. „Wir sind drei ungewöhnliche Partner mit den gleichen Schnittpunkten“, fasst Mathias Stauß vom NABU den Auftakt zusammen. Bleibt zu hoffen, dass niemand die Kübel verwüstet oder sich vor der Ernte Mundraub begeht – nicht, dass man noch zu „Erbsenzählern“ werden muss.

Die Ideenwerkstadt der Stadt Albstadt gibt finanzielle Zuschüsse

Bei der Ideenwerkstatt konnte jeder, der eine Idee hat, wie man die Innenstadt Ebingens attraktiver gestalten kann, mitmachen. Ob Bürger oder Vereine, Schulen oder kirchliche Einrichtungen, Unternehmen oder Initiativen. Wird die eingereichte Idee ausgewählt, dann müssen nur 50 Prozent der Kosten dafür selbst aufgebracht werden, die andere Hälfte übernehmen der Bund und die Stadt Albstadt.

Die diesjährigen Preisträger stehen fest. Aber man kann sich immer noch bewerben über www.zukunft-ebingen.de und mit seinem Projekt vielleicht im nächsten Jahr dabei sein.