Caritas in Albstadt
: Neue Chance durch „Cariditas“: Projekt verbindet Solidarität und Ökologie

Mit dem sozial-ökologischen Beschäftigungsprojekt „Cariditas“ will die Caritas in Ebingen etwas Neues schaffen und Ehrenamtliche mit ins Boot holen. Es darf gegärtnert und gekocht werden.
Von
Vera Bender
Albstadt
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  • Ulrike Irion, Volker Reinauer, Monika Hipp und Michaela Schneevoigt (von links) von der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau präsentieren das geplante Projekt „Cariditas“ in Ebingen.⇥

    Ulrike Irion, Volker Reinauer, Monika Hipp und Michaela Schneevoigt (von links) von der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau präsentieren das geplante Projekt „Cariditas“ in Ebingen.⇥

    Vera Bender
  • Es soll gesät und geerntet werden.⇥

    Es soll gesät und geerntet werden.⇥

    Jens Wolf
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Die Idee ist eigentlich ganz simpel. Nur, dass sie noch niemand im Zollernalbkreis hatte. Aber dieses Jahr soll in Ebingen verwirklicht werden, was man sich bei der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau in Albstadt ausgedacht hat: ein sozial-ökologisches Beschäftigungsprojekt mit dem Namen „Cariditas“.

Neues Projekt der Caritas

Auf den Punkt gebracht, soll ein Urban-Gardening-Projekt, bei dem man Obst und Gemüse erntet, mit einem Mittagstisch – nicht nur für Bedürftige – kombiniert werden. Hier wird das Geerntete gleich verwertet. Und noch dazu sollen in beiden Themenfeldern Langzeitarbeitslose involviert und so wieder für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Beim Mittagstisch wird zudem etwas gegen die Einsamkeit mancher Menschen getan und überhaupt geht es um Begegnung, Solidarität, Wertschöpfung und Ökologie.

„Cariditas“ ist natürlich ein Kunstname, der sich aus den Wörtern Caritas, Nächstenliebe, und Viriditas, Grünkraft, zusammensetzt. Volker Reinauer, Leiter Teilhabe und Nachhaltigkeit, die Projektverantwortliche Michaela Schneevoigt, Ulrike Irion, Fachleiterin Solidarität, und Monika Hipp, Stabsstelle Kommunikation, freuen sich, wenn das Projekt Anhänger findet und umgesetzt werden kann. Doch dazu bedarf es noch einiger Faktoren. Man will dieses Sozialprojekt nämlich nicht einfach jemandem „überstülpen“, sondern Menschen an der Konzeption beteiligen.

Niemand wird ausgeschlossen

Also sucht man bei der Caritas zunächst einmal nach Ehrenamtlichen, die Lust darauf haben, sich einzubringen. „Das können Leute mit Erfahrung sein, die andere beim Gärtnern anleiten, oder Menschen ganz ohne praktischen Hintergrund, die ab und zu mal mithelfen wollen. Beispielsweise einmal in der Woche gießen“, so Ulrike Irion. Egal, ob Mitarbeit bei der Konzeption oder hin und wieder mit anpacken, willkommen ist jede und jeder. Und genau das ist ja auch das Grundprinzip des Ganzen. Niemand wird ausgeschlossen.

Langzeitarbeitslose, Menschen mit Fluchthintergrund, alleinstehende Senioren, aber auch alle anderen, die einfach Lust haben, sich einzubringen – alle dürfen mitmachen. Man freut sich über jeden einzelnen, betont Michaela Schneevoigt. Zunächst geht es mal um das Urban Gardening. Hier braucht man die entsprechende Fläche. Wenn also jemand in Ebingen beispielsweise einen Garten hat, den er nicht mehr selbst bewirtschaften kann und den er deshalb für das Projekt zur Verfügung stellen würde, oder wenn es einen Schrebergarten gibt oder vielleicht auch einen Hof, den man mit Hochbeeten betreiben kann, dann würde man sich bei der Caritas sehr freuen, wenn sich diese Garten-Eigentümer melden würden.

Brachfläche in Ebingen gesucht

Der Standort sollte schon in Ebingen sein, verdeutlicht Monika Hipp, denn es soll ja auch für jedermann ohne Auto erreichbar sein. Die vier Verantwortlichen, Schneevoigt, Irion, Hipp und Reinauer, würden es auch schön finden, wenn vielleicht sogar eine Gärtnerei oder sonst irgendwer Saatgut, Erde oder Setzlinge spenden könnte. Salat, Gemüse, Kräuter könnte man dann wieder beim Mittagstisch verwenden. Eventuell könnte man auch eine Streuobstwiese pflegen, spinnt Monika Hipp den Faden weiter. Und somit könnte auch Obst oder Saft zur Verfügung stehen.

Nach dem Aufruf an Mitstreitern und der Suche nach einem Garten oder einer Streuobstwiese will man als drittes eben noch den Mittagstisch auf den Weg bringen. Einmal im Monat ein warmes Mittagessen kochen, wobei auch hier Ehrenamtliche und Langzeitarbeitslose gemeinsam in der Küche stehen können. Man könnte die selbst angebauten und geernteten Lebensmittel verwenden, eventuell sogar Früchte und Gemüse verwenden, welche nicht mehr in den Läden verkäuflich sind und so als Lebensmittelretter agieren, erklärt Michaela Schneevoigt.

Einerseits könnten sozial schwache Menschen von diesem Angebot eines warmen Mittagstisches profitieren, für den man lediglich Spendenkässchen aufstellen will. Andererseits könnte es auch für Berufstätige attraktiv sein, die in ihrer Mittagspause etwas in den Magen wollen und dafür eine kleine Spende einlegen. Oder für Alleinstehende, die beim Essen Gesellschaft suchen, Ältere, die selbst nicht mehr kochen können oder wer auch immer. Es könnte eine schöne Gemeinschaft werden, ist sich Volker Reinauer sicher.

Das alles soll ohnehin ein Gemeinschaftsprojekt „Menschen für Menschen“ sein, erklärt Monika Hipp. Es ermöglicht zudem andere Blickwinkel. Gute Erfahrungen hat man bei der Caritas nämlich schon mit der Kooperation mit dem Jobcenter gemacht, wenn Arbeitslose wieder eine sinnvolle Beschäftigung und eine geordnete Tagesstruktur haben. Bestens sind auch die Erfolge bei Geflüchteten, die von ihrem Schicksal erzählen und, ganz nebenbei im Ehrenamt, Deutsch lernen. „Es werden Hemmschwellen abgebaut, Zeichen gesetzt, Vielfalt gelebt und Begegnung ermöglicht“, so Hipp.

Gute Kooperationen gepflegt

Und überhaupt pflege man schon sehr gute Kooperationen. Beispielsweise mit dem Nabu. Im Rahmen des ZIZ-Programms (Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren), welches durch den Bund finanziell gefördert wird, hat die Caritas gemeinsam mit dem Nabu Pflanzkübel in der Nähe des Weltladens in Ebingen aufgestellt. Hier wird unter anderem darauf geachtet, dass die Pflanzen insekten- und bienenfreundlich sind. Vielleicht könnte man auch hier Gemüse anbauen, rätseln die drei Damen und sprechen von der „essbaren Stadt“. Man merkt, dass alle bei der Caritas mit Leib und Seele hinter dem Projekt „Cariditas“ stehen.

Und auch im Marienheim in der August-Sauter-Straße soll dieses Jahr noch auf dem kleinen Hof eine Wohlfühloase entstehen. Dazu will die Holzbaufirma Braun aus Bitz eine Sitzgruppe spenden. Unter der großen Linde könnten Menschen aus der Umgebung sich hier niederlassen und eine Pause einlegen. Deshalb soll auch hier alles schön grünen und blühen. Eine Verschattung wäre noch gut, meint Volker Reinauer.

Infoabend für alle Interessenten

Ideen gibt es viele und vielfältige. Fehlen also noch die Mitstreiter. Diese werden eingeladen, sich am Donnerstag, 15. Februar, um 17 Uhr im Marienheim in der August-Sauter-Straße 21 in Ebingen mit den Projekt-Verantwortlichen zu treffen. Wer vorab Fragen hat, kann sich gerne an Volker Reinauer unter Telefon (07431) 9 57 32 14 oder per E-Mail an Reinauer.v@caritas-schwarzwald-alb-donau.de zu wenden.

Die Eckdaten von „Carididas“

Ein Info-Treffen soll am Donnerstag, 15. Februar, um 17 Uhr im Marienheim in der August-Sauter-Straße 21 in Ebingen stattfinden.

Ehrenamtliche werden gesucht, die sich gerne beim Pflanzprojekt oder beim Mittagstisch einbringen wollen. Ob regelmäßig oder nur ab und zu.

Brachflächen in Ebingen sind nötig, um das Urban Gardening verwirklichen zu können. Wer stellt seinen Garten zur Verfügung?

Saatgut, Erde, Setzlinge oder andere Spenden sowie Geldspenden werden gerne entgegengenommen und für das Projekt eingesetzt.

Wer Erfahrung beim Gärtnern hat und andere anleiten kann, sollte sich melden. Aber auch Neulinge sind willkommen.

Beim Mittagstisch braucht es ebenfalls Helfer, Mitstreiter und Anleiter, damit das soziale Projekt anlaufen kann. Ideen sind hilfreich.