Flüchtlingsunterkunft in Albstadt: Sukzessive Belegung zur Konfliktvermeidung
Das Containerdorf auf dem Parkplatz des Tailfinger Thalia-Theaters steht kurz vor der Fertigstellung. Dort werden nicht, wie bislang angedacht, bereits am 1. Februar Flüchtlinge einziehen, sondern erst Mitte/Ende Februar. Das teilte das Landratsamt des Zollernalbkreises bei einer Pressebesichtigung am Mittwoch mit.
Auch die ehemalige Gaststätte „Grüne Au“ wird vorübergehende Unterkunft
Das liege nicht etwa an Verzögerungen beim Bau der Unterkunft, sondern daran, dass die Lage im Kreis nicht mehr so angespannt ist, wie sie es noch im Herbst war, erklärte Landrat Günther-Martin Pauli. Trotzdem rechnet er mit mehreren Hundert Flüchtlingen, die dieses Jahr im Zollernalbkreis untergebracht werden müssen.
Für die Tailfinger Unterkunft sei allerdings eine sukzessive Belegung geplant. 80 bis 100 Menschen können maximal untergebracht werden. Um ein friedliches Miteinander zu gewährleisten, sei zu Beginn geplant, das Maximum nicht auszuschöpfen und zunächst die Zimmer in Richtung Westen, hin zum Parkplatz und der Schmiecha, zu belegen. Auf der anderen Seite, zur Goethestraße hin, werden Bäume als Sichtschutz zu den angrenzenden Wohnhäusern dienen. Da diese Bäume saisonal bedingt derzeit allerdings keine Blätter tragen, soll eine Belegung der dort angrenzenden Zimmer erst später stattfinden.
Sorgen und Anregungen aus der Nachbarschaft
Damit reagiere das Landratsamt auf Sorgen der direkten Nachbarschaft, die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner könnten Einsicht in Wohnungen und Gärten erhalten. Insgesamt seien Stadt und Landratsamt bemüht gewesen, die Anregungen der Bürger aufzugreifen und umzusetzen. Auf einem „friedlichen Miteinander“ liege der Fokus, so Pauli. Daher soll der umliegende Bauzaun zum Parkplatz hin zunächst noch bleiben. So bleiben die Parkplätze und die Glascontainer weiter für die umliegenden Anwohner verfügbar.
Es ist die erste Containeranlage des Landkreises und das größte Projekt in Sachen Flüchtlingsunterkunft. Hintergrund der Anlage war die geplante Belegung der Kreissporthalle in Ebingen. Das wollten Stadt, Landratsamt und nicht zuletzt die Albstädter selbst vermeiden. Doch Alternativen mussten schnell her (wir berichteten). Schon früh wurde der Parkplatz neben dem Thalia-Theater als möglicher Standort geprüft. Die folgende Planung und der Bau wurden in Rekordzeit ermöglicht. Das liegt auch daran, dass das Landratsamt auf eine europaweite Ausschreibung verzichten konnte. Die nötigen Genehmigungen liegen dennoch vor, betont Pauli, und auch bei den Gewerken wurden bis zu drei Angebote eingeholt. Per Eilentscheidung wurden diese vergeben. „Wir haben Angebote aus der ganzen Republik erhalten“, sagt Pauli.
Nutzung für drei Jahre geplant
Für eine schnelle Umsetzung spricht auch die Containerbauweise. Neben dem Vorteil der schnellen Errichtung können die einzelnen Module nach der Nutzungszeit auch anderweitig eingesetzt werden, beispielsweise als Gartenhäuser oder Studentenwohnungen, nennt der Landrat Beispiele. Als Flüchtlingsunterkunft sollen sie etwa drei Jahre genutzt werden.
Die Module wurden größtenteils in Heinstetten gebaut und mit regionalem Holz verkleidet. Das Holz stammt von einem Meßkircher Unternehmen. Es soll unter anderem beruhigend wirken, so Pauli. So sind die Räume alle mit hellem Holz verkleidet. Ein Wohnraum umfasst 18 Quadratmeter und ist in Vollbelegung mit zwei Stockbetten, einem Tisch, einem Kühlschrank und vier Spinden ausgestattet. Die vier Aufenthaltsräume fassen etwa 35 Quadratmeter und könnten bei Bedarf auch zu weiteren Wohnräumen umgestaltet werden. Hinzukommen Sanitär- und Waschräume. Die passenden Waschmaschinen sind bereits da, Küchen ebenfalls. Während in den Außenbereich nicht groß eingegriffen werden soll, könne sich Pauli Blumenkübel und einen Sichtschutz vorstellen. Hier laufen die Planungen noch.
Schon früh gab es Proteste dagegen. „Die Location ist nicht ganz unumstritten“, sagte Oberbürgermeister Roland Tralmer und spielt damit auf die Demonstrationen an, die sich nicht nur wegen der Unterbringung von Flüchtlingen gebildet hatten, sondern auch, um gegen bundespolitische Entscheidungen zu wettern. „Wir haben uns solidarisch gezeigt“, fasst Tralmer die Suche nach möglichen Standorten zusammen. Die Anlage in Tailfingen diene als Vorzeigemodell, wie Albstadt und der Zollernalbkreis ihrer Verpflichtung nachkomme, Schutzsuchenden zu helfen und Integration zu ermöglichen, so der Oberbürgermeister weiter.
Info Die Caritas Schwarzwald Alb Donau ist mit der Betreuung der Flüchtlinge beauftragt. Unterstützt wird sie dabei von der Diakonie. Neben besorgten Anmerkungen erhielt Roland Tralmer auch zahlreiche Zuschriften von Bürgerinnen und Bürgern, die bei der Integration helfen wollen. Die Caritas dient dabei als zentrale Anlaufstelle. Landrat Pauli könne sich vorstellen, das Thalia-Theater für verschiedene Integrationsveranstaltungen zu nutzen.
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Millionen Euro hat der Bau der Anlage mitsamt Heizungs- und Sanitäranlage, Elektroarbeiten sowie Fundamente. Die Kosten trägt das Land.









