Ein DJ legt einen Mix aus Dance, Elektro und Pop auf. Nach und nach füllen Frauen und Männer in Feierlaune die Tanzfläche. Eine Party ohne Motto, ohne Star-DJ, ohne großes Pipapo – was eigentlich cool klingt, funktioniert nicht mehr. „Die jungen Leute gehen deutlich gezielter feiern. Ein klassisches Disco-Wochenende lockt sie kaum mehr an“, sagt Dominique Brandt. Die Erwartungshaltung in der Partyszene ist gestiegen. Der Betreiber mehrerer Discos und Eventlocations in Albstadt und Umgebung weiß das genau.
Brandt ist seit langem in der Branche. Social Media und schnelle Kommunikationskanäle wie WhatsApp haben mittlerweile einen immensen Einfluss auf die Eventsszene. „Entweder, es füllt sich extrem schnell und die Location ist voll, oder es kommen nur wenige Gäste.“
Die Erklärung: Wenn Brandt die Kulturfabrik um 22 Uhr öffnet und eine Viertelstunde nur wenige Feiernde da sind, teilen diese wenigen das über WhatsApp und Co. mit. Dann heißt es, in der Disco sei nichts los. „Früher wären die Leute einfach ohnehin nach und nach gekommen, und es hätte sich gefüllt. So passiert das nicht mehr“, sagt Brandt. Das Gegenteil: Die Party ist von Beginn an der Renner, die Leute stehen draußen bereits Schlange. Dann spricht sich das über Social Media rum – die Location wird voll.

Katja Krasavice kommt nach Albstadt

Hauspartys, höhere Ansprüche: Discothekenbetreiber müssen sich auf das neue Feierverhalten der Jungen einstellen. Nur wie? Was noch immer zieht, sind Themenpartys. „Aber ich kann nicht alle zwei Wochen eine 90er-Party machen. Dann zieht das auch schnell nicht mehr“, sagt Brandt. Ein feines Gespür und viel Abwechslung sind gefordert. Gelingt das – und es kommen besondere Gäste und DJs in die Kulturfabrik – nehmen die Gäste auch lange Anfahrtswege in Kauf. Pietro Lombardi, bekannt geworden durch Deutschland sucht den Superstar, war bereits in der Kulturfabrik – Rapperin Katja Krasavice kommt am 24. März nach Albstadt.

Neue Events zum 45-jährigen Bestehen

Doch nur auf Disco möchte sich Dominique Brandt nicht verlassen. „Die Kultur ist mir extrem wichtig. Dieser Bereich hat so sehr während Corona gelitten.“ Wenn Anfang Februar die Narren viel unterwegs sind, bietet sich für Brandt die Chance, neue Wege zu gehen. Vom 8. bis 10. Februar lädt die Kulturfabrik zu den „Schwabentagen“ – drei Abende werden die Besucherinnen und Besucher von schwäbischen Künstlern unterhalten. Mit dem „Dark Dinner“ und dem „Musical Dinner“ geht Brandt ebenso neue Wege.
Firmenfeiern und Hochzeiten mit speziellem Motto wie einer 20er-Jahre-Galaparty ergänzen das Angebot rund um die Albstädter Eventlocation. Ein Neon-Dinner für ein Unternehmen mit 250 Leuten kam bereits sehr gut an. „Wir stellen uns breiter auf“, sagt Brandt. Im 45. Jahr des „Tropi“ gibt es folglich gleich mehrere neue Formate. Apropos „Tropi“: Den ein oder anderen Gast hat die Namensänderung etwas gestört, sagt Brandt, doch im Großen und Ganzen kommt der Titel als Kulturfabrik gut an.

Alles wird teurer – selbst Toilettenpapier

Denn die Herausforderungen für die Branche steigen. Die gestiegenen Energiekosten spürt der Eventbetreiber ebenso wie die Inflation. Alles kostet mehr. „Der Mindestlohn wurde erhöht, die Mietkosten steigen und selbst Toilettenpapier wird teurer“, sagt Dominique Brandt. Auch die Brauerei hat aufgeschlagen – Brandt wiederum muss die Getränkepreise anpassen. Und das sorgt bei manchen Gästen für Unverständnis. „Viele sprechen von fairer Bezahlung fürs Personal und davon, dass die Kultur mehr unterstützt werden muss, regen sich dann aber über ein zehn Cent teureres Getränk auf. Das passt nicht zusammen.“

Optimistisch in die Zukunft

Generell habe die Wertschätzung in vielen Bereichen nachgelassen. Kaum müssen Gäste 20 Minuten vor dem Eingang anstehen, gibt es eine schlechte Google-Bewertung. Das Personal, egal ob hinter der Bar oder die Security, muss sich immer wieder mit meckernden Leuten beschäftigen.
Trotz allen Herausforderungen: Dominique Brandt ist ein positiver Mensch mit viel Energie. Er glaubt fest an eine gute Zukunft für die Clubszene. „Disco ist Kultur“, sagt er. Das zeigt sich an großen Namen wie Robin Schulz, Alle Farben, Zedd oder Felix Jaehn. „DJ zu sein, wird immer mehr zur Kunstform“, sagt Brandt. „Das tut der gesamten Szene gut.“

Die nächsten Veranstaltungen

Am Freitag, 20. Januar, kommt Olexesh zum Event „Hype“ von Das Ding. Am Freitag, 27. Januar, gibt es die Rave Factory mit Felix Kröcher und Saxofrancis. Am 1. und 2. Februar die Premiere von „Dark Dinner“ in der Kulturfabrik. Vom 8. bis 10. Februar die Schwabentage. Am 2. März kommt Comedian Nizar und am 24. März Katja Krasavice.