Es ist die Gaudi vor der Gaudi: die Busfahrt zu Umzügen, Ringtreffen und Maskenbällen. Um benachbarte oder auch weiter entfernte Zünfte bei ihren Veranstaltungen zu besuchen, mieten die meisten Hästräger-Vereinigungen einen Bus. Doch genau das ist aktuell so schwierig wie selten zuvor. „Wir haben keine Busse mehr bekommen und werden alle mit Privatautos zu den Nachtumzügen in Heinstetten am Samstag fahren“, sagt Kevin Oswald, stellvertretender Vorsitzender der „Fels Deifl“ aus Bitz.
So wie den Teufeln geht es mehreren Zünften. Mögliche Probleme, Busse zu organisieren, oder gar Insolvenzen der Betriebe hatten sich bereits in der letzten Fasnetssaison rumgesprochen. Deshalb hat die Narrenzunft in Balingen im letzten Jahr kleinere Veranstaltungen organisiert und das Geld gespart. Außerdem haben sie sich früh mit ihrem lokalen Transportunternehmen abgesprochen, um sicherzugehen, dass alles klappt. Doch wenn Zünfte zu spät dran sind, oder noch keine Stammkontakte haben, wird‘s schwierig. Die Buskapazitäten sind schlicht erschöpft, die Fahrten ausgebucht.

Der Branche fehlt Nachwuchs

„Wir können unsere Stammkunden bedienen“, sagt Thomas Maas, Geschäftsführer des Busunternehmens Kopp in Albstadt. Die Zünfte, mit denen Kopp schon über Jahre zusammenarbeitet, mit denen plant Maas zu dieser Jahreszeit und schafft Kapazitäten.
Doch danach wird es eng. Warum ist die Busknappheit für Narren dieses Jahr so extrem? Thomas Beck ist Geschäftsführer des Reisebetriebs Beck-Bus mit Sitz in Sigmaringen; seine Busse sind während der Fasnet häufig auf dem Großen Heuberg unterwegs. „Es kommen eben mehrere Faktoren zusammen“, sagt er. Zum einen – natürlich – Corona. Einige Fahrer hätten sich in der Zeit, in der touristische Ausflüge per Bus verboten waren, neue Jobs gesucht. Daraufhin reagierten die Betriebe und reduzierten ihre Flotte – die nun nicht mehr hochgefahren wird. Zudem gibt es mehrere Regio-Linien, die morgens von 5 Uhr bis Mitternacht bedient werden – und das von Montag bis Sonntag. „Das bindet Kapazitäten, die für solche Fahrten am Wochenende fehlen“, sagt Beck.

Alkoholisierte Passagiere sind ein Problem

Ein weiterer Grund: Der Branche fehlt Nachwuchs. Busführerscheine sind teuer. 8000 bis 10 000 Euro müssen angehende Fahrerinnen und Fahrer investieren, bevor sie überhaupt ihre erste Fahrt antreten können. Beck sieht einen großen Nachteil im Vergleich zum Handwerk: „Dort können Berufstätige sofort loslegen.“
Die Rahmenbedingungen sind folglich schwierig – doch die Narren selbst tragen teilweise auch zur Situation bei. Bei alkoholisierten und euphorisierten Hästrägern sind die Fahrten kein Vergnügen. „Es gibt Fahrer, die sagen: Ich fahre alles, aber keine Fasnetsfahrten“, berichtet Thomas Beck. Busse, die aussehen wie unter aller Kanone. Nervige Passagiere, die pöbeln. Zu oft müssen sich Busfahrer respektloses Verhalten antun. Manche Zünfte werden schon gar nicht mehr als Kunden angenommen.

Manche Zünfte bieten ein Busfahrerstüble

„Wenn die Veranstaltungen sonntags sind, ist das weniger ein Problem“, sagt Beck. Da sind die Narren in der Regel von 11 bis 18 Uhr unterwegs. Doch samstags, bei Arbeitszeiten von 17 bis 2 Uhr nachts für die Busfahrer, sieht die Lage anders aus. Die großen Zünfte bieten bei ihren Veranstaltungen Busfahrerstüble und eine Verpflegung an. Das lobt Thomas Beck. „Aber es ist eben nicht der Standard.“

Wie wichtig ist das Narren-Geschäft?

Die Narren sorgen für Geschäft. Sowohl Veranstaltungsorte und deren Gastronomie als auch die Busunternehmen profitieren von der fünften Jahreszeit. „Es füllt eine Zeit, in der ansonsten wenige Reisen anstehen“, sagt Thomas Beck, Geschäftsführer des Sigmaringer Unternehmens Beck-Bus.
Doch so gut die Einnahmen sind, sind die Fasnetsfahrten laut Beck undankbar. Zu häufig benehmen sich betrunkene Hästrägerdaneben.