Erleichterung nach einem alarmierenden Fahndungsaufruf des Landeskriminalamts, der Staatsanwaltschaften Stuttgart und Reutlingen, sowie der Polizeipräsidien Ulm und Ravensburg: Ein wegen Gewaltdelikten polizeibekannter 21-Jähriger, der bereits seit Freitag flüchtig gewesen war, und nach dem seit Montag öffentlich gesucht worden war, ist gefasst.

Flüchtiger in Esslingen von Fahndungskräften festgenommen

Nach Angaben der Polizei Ulm wurde der Ausbrecher am Dienstagmorgen festgenommen. Fahndungskräfte der Kriminalpolizei schnappten den Mann nach einem Zeugenhinweis in Esslingen, wo er eigentlich wohnt, und wo er im Sommer 2022 einen 27-Jährigen niedergestochen haben soll. Sie entdeckten ihn gegen 7.20 Uhr im Stadtgebiet. Er wird nun in das Zentrum für Psychiatrie nach Ravensburg-Weißenau zurückgebracht.

Wegen Gewaltdelikten bekannter Mann schon am Freitag auf Flucht

Der 21-Jährige war am Freitagnachmittag, 06.01.2023, aus der forensischen Abteilung des Zentrums für Psychiatrie Südwürttemberg in Ravensburg geflüchtet. Der Mann ist wegen gefährlicher Körperverletzung in dem Psychiatrie-Zentrum untergebracht. Bis Dienstagmorgen, 10.01.2023, fehlte von dem Flüchtigen immer noch jede Spur. Die Polizei in Ulm hatte morgens auf Twitter den Fahndungsaufruf des LKA erneuert.
Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ravensburg teilte am Dienstag auf Nachfrage mit, dass die Ermittler auch in der Nacht nach ihm gefahndet hatten. „Es gehen weiterhin Hinweise ein, manche Leute wollen den Flüchtigen sogar gesehen haben.“ Nach Hinweisen auf Orte, an denen sich Trost möglicherweise aufhält, würden regelmäßig Streifen hinausgeschickt. Solch ein Hinweis hat nun zum Erfolg geführt: Kurz vor 9 Uhr kam die Nachricht, dass der Mann gefasst sei.

Polizei fahndet: 21-Jähriger aus Psychiatrie Ravensburg geflohen

Der Gesuchte stammt aus Esslingen und soll am 07.07.2022 in Brühl einen 27-Jährigen mit einem Messer unvermittelt angegriffen und schwer verletzt haben. Er wurde am Tag nach der Tat vom SEK gefasst und in Untersuchungshaft genommen. Später kam er in das Ravensburger Psychiatrie-Zentrum, von wo er am Freitag geflohen war.

Polizei warnt: Gesuchten nicht ansprechen und den Notruf wählen

Die Polizei warnte davor, den Flüchtigen anzusprechen. Wer den 21-Jährigen sehe, solle sofort die Notrufnummer 110 wählen. Der Mann hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Freitag, 6.1.2023, gegen 16.15 Uhr einen begleiteten Spaziergang auf dem Gelände des Psychiatriezentrums zur Flucht genutzt. Die Polizei leitete umgehend eine Fahndung ein. Unter anderem suchten mehrere Streifenwagenbesatzungen nach ihm, auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz. Doch die Suche blieb erfolglos.

Polizei warnt: Keine Anhalter mitnehmen

Laut der Nachrichtenagentur lsw hatte die Polizei bereits am Freitagnachmittag per Verkehrsmeldung davor gewarnt, im Stadtgebiet Ravensburg Anhalter mitzunehmen. Aus ermittlungstaktischen Gründe könnten jedoch keine weiteren Details veröffentlicht werden.

Immer wieder Ausbrüche aus der Psychiatrie Ravensburg

Es kommt in letzter Zeit offenbar gehäuft zu Ausbrüchen aus dem Psychiatrie-Zentrum Südwürttemberg in Ravensburg-Weißenau. Die letzten Fälle:
  • 8.12.2022: Polizei und Staatsanwaltschaft Ravensburg wenden sich mit einem Fahndungsaufruf an die Öffentlichkeit: Gesucht wird ein 37-Jähriger, er verschwand aus der Einrichtung und gilt insbesondere im Umgang mit Feuer als fremd- und eigengefährdend.
  • 24.11.2022: Ein 38-Jähriger flieht aus dem Psychiatriezentrum Ravensburg während eines unbegleiteten Ausgangs. Es sei möglich, dass eine Gefahr von dem 38-Jährigen ausgehe, sagte ein Pressesprecher der Polizei.
  • 12.11.2022: Ein 33-jähriger, wegen Körperverletzungen verurteilter Straftäter entwischt seinen Bewachern in Ravensburg bei einem Ausgang. Er wird zwei Tage später in Stuttgart gefasst.

Sind Psychiatrien in Baden-Württemberg sicher?

  • Bereits im September 2021 gab es eine öffentliche Diskussion zur Frage, ob die geschlossenen Psychiatrien im Südwesten sicher genug sind. Anlass waren vier Patienten, die in Weinsberg ausgebrochen waren.
  • Auch im April 2019 diskutierte die Politik das Thema, nachdem vier Ausbrecher aus der Psychiatrie in Hirsau geflohen waren. Sie verbüßten mehrjährige Haftstrafen wegen Raubstraftaten und waren zur Suchttherapie im Maßregelvollzug untergebracht. Sie überwältigten eine Pflegerin und einen Pfleger und nahmen ihnen die Schlüssel ab.