Vierbeiner am Arbeitsplatz
: Kollege Hund – wann er mit ins Büro darf und was das bringt

Ist der Vierbeiner gut erzogen und entspannt, kann er Besitzer und Kollegen Stress nehmen. Welche Regeln gelten und welche Probleme auftreten können.
Von
Caroline Strang
Ulm
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Hund liegt in einem Büro auf seiner Decke: ARCHIV - Wer seinen Hund mit zur Arbeit bringen möchte, braucht eine ausdrückliche Genehmigung des Arbeitgebers. (zu dpa: «Hund im Betrieb: Wann der Arbeitgeber mitreden darf») Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-mag - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes dpa-Magazin +++ dpa-Magazin +++

Wer seinen Hund mit zur Arbeit bringen möchte, braucht eine ausdrückliche Genehmigung des Arbeitgebers.

Frank Rumpenhorst/dpa-mag/dpa
  • Bürohunde können Stress reduzieren und das Betriebsklima verbessern.
  • Hundebesitzer brauchen die Erlaubnis des Arbeitgebers.
  • Parlamentskreis Hund setzt sich für Bürohunde ein.
  • Studien zeigen, Bürohunde fördern Anti-Stress-Hormon Oxytocin.
  • Bürohunde steigern Fachkräfte-Werbung und Mitarbeiterbindung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eigentlich fällt er gar nicht auf, wie er auf seinem Kissen neben dem Schreibtisch seines Frauchens liegt und döst. Der Golden Retriever ist ein sogenannter Bürohund. Das heißt, an manchen Tagen nimmt ihn seine Besitzerin mit zur Arbeit. Damit ist er nicht allein. Es existieren zwar keine genauen Zahlen darüber, wie viele Bürohunde es in Deutschland gibt. Laut einer Schätzung des Bundesverbandes Bürohund könnten es allerdings eine halbe Million sein. Das wären dann in etwa fünf Prozent aller Hunde in Deutschland.

Das klingt nach gar nicht soviel – oder doch? „Das Anliegen, den Hund mit ins Büro zu bringen, ist für viele Beschäftigte von großer Bedeutung“, erklärt Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), auf Anfrage.

Sie verweist auf die hohe Zahl von Hunden in Deutschland und die Initiativen, die sich rund um das Thema gebildet haben: „Im Bundestag gibt es seit 2023 mit dem ‚Parlamentskreis Hund‘ eine parteiübergreifende Gruppe von rund 80 Abgeordneten und Mitarbeitenden, die sich für mehr Akzeptanz und bessere Rahmenbedingungen für Bürohunde einsetzt“. Auch der Bundesverband Bürohund engagiert sich bundesweit für dieses Anliegen. Der Deutsche Tierschutzbund hat sogar einen bundesweiten einen Aktionstag ausgerufen – für Donnerstag, 6. Juni.

Anti-Stress-Hormon wird ausgeschüttet

Doch wie ist es überhaupt möglich, seinen Hund mitnehmen? Klar ist: Hundebesitzer müssen sich immer erst die Erlaubnis des Arbeitgebers einholen. „Es gibt kein grundsätzliches Recht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darauf, ihren Hund mit zur Arbeit zu bringen. Haus- und Weisungsrecht hat der jeweilige Arbeitgeber und kann die Mitnahme von Haustieren entweder erlauben oder untersagen, erklärt Piel.

Wer sich ohne Genehmigung über ein bestehendes Verbot des Arbeitgebers hinwegsetze, riskiere eine Abmahnung oder sogar die Kündigung. Ausnahmen für einen Anspruch gebe es in besonderen Fällen – etwa bei Blinden- oder anderen Assistenzhunden, oder wenn Gleichbehandlung eingefordert werden kann, weil anderen Kollegen die Mitnahme ihres Hundes bereits gestattet wurde.

Die Vor- und Nachteile von Hunden im Büro liegen dabei auf der Hand. Nachteile können durch unruhige oder laute Tiere entstehen, die den Betrieb stören, die Besitzer ablenken oder sogar Schäden verursachen. Probleme gibt es auch, wenn Kolleginnen und Kollegen Angst vor Hunden oder eine Tierhaarallergie haben.

Die Vorteile von Bürohunden sind in mehreren Studien nachgewiesen worden. So sorgt der Umgang mit den Tieren für die Ausschüttung des Hormons Oxytocin, das als Anti-Stress-Hormon gilt. Das bedeutet, dass Hunde im Büro den Stresslevel senken können. Das Betriebsklima kann sich verbessern, die Kreativität und Bewegung zunehmen. „Wenn Hunde zur Arbeit mitkommen dürfen, profitieren alle: Die Stimmung im Team steigt, die Pausen können durch eine Gassirunde aktiv gestaltet werden, und das Risiko, dass Tiere aus Zeitgründen ins Tierheim abgegeben werden, sinkt“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Gleichzeitig wachse die Hoffnung auf Adoption für viele Tierheimhunde, weil sich mehr Menschen trotz Beruf für ein Tier entscheiden können.

Fachkräfte-Werbung durch Vierbeiner

Eine Stellenmarkt-Auswertung der Berliner Personalmarktforschung Index Research zeigt, dass der Begriff „Bürohund“ allein zwischen Januar und Juli 2024 in rund 9100 Stellenausschreibungen aus den Index Anzeigendaten, laut eigenen Angaben die größte Stellenanzeigen-Datenbank Europas, auftauchte – insbesondere in Jobinseraten für Fachkräfte im Finanz- und Rechnungswesen.  Das entspricht einer Steigerung von fast 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

In den Jahren zuvor seien die prozentualen Zuwächse sogar noch höher gewesen. „Diese Entwicklung zeigt, dass einige Unternehmen aufgrund des Fachkräftemangels mit dem Bürohund verstärkt versuchen, gezielt spezielle Bewerberzielgruppen anzusprechen“, sagt Jürgen Grenz, Geschäftsführer der Index Gruppe.

Auch die Hunde profitieren laut Studien überwiegend von der Zeit im Büro mit ihren Besitzern. „Hunde möchten als soziale Tiere sieben Tage die Woche am Leben ihrer Menschen teilhaben können. Viele berufstätige Hundehalter verbringen aber den Großteil des Tages auf der Arbeitsstelle – ohne den Vierbeiner“, sagt Schröder. Laut Bundesverband Bürohunde haben Hunde mehr Bewegung, soziale Interaktion und mentale Anregung, wenn sie ihre Besitzer begleiten, was ihre Lebensqualität verbessere. „Bürohunde fühlen sich weniger isoliert, sind entspannter und ausgeglichener.“

Viel brauchen die Vierbeiner dabei nicht: Körbchen oder gewohnte Hundedecke, ein Napf mit Wasser, einen Kauknochen – und die Bereitschaft, in Pausen mit ihnen nach draußen zu gehen. Laut Tierschutzbund ist  außerdem wichtig: „Damit der Hund den Großteil des Arbeitstages dösend oder schlafend verbringt, muss er vor und nach der Arbeit körperlich und geistig ausgelastet werden.“

Viele Unternehmen zurückhaltend

Auch die Unternehmen könnten profitieren, unter anderem weil Hunde im Büro die Mitarbeiterbindung und das Image verbessern können. Apropos Bindung: Eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsunternehmens Ears and Eyes im Auftrag des Bundesverbands Bürohund zeigte jüngst auf, dass mehr als  ein Drittel der Büroangestellten in Deutschland dazu bereit wäre, den Job zu wechseln, wenn sie dadurch ihren Hund zur Arbeit mitnehmen könnten. Laut dieser Studie hat allerdings bereits jeder zweite Büroangestellte in Deutschland die Möglichkeit, seinen Hund zur Arbeit mitzunehmen. 47 Prozent der befragten Studienteilnehmer hatten einen Hund zu Hause.

Doch wie sehen Unternehmen das Thema? Fragt man bei den größten Arbeitgebern in Deutschland nach Bürohunden, fallen die Antworten sehr einsilbig aus. So erklärt die Deutsche Telekom, das sei für das Unternehmen kein Thema, da die Mitnahme von Hunden in unseren Mietverträgen für Bürogebäude in der Regel ausgeschlossen ist. Mögliche Einzelfälle würden vor Ort individuell geregelt. Ein SAP-Sprecher erklärt, dass es in der Hausordnung keine Klausel für Bürohunde gebe, Blindenhunde aber erlaubt seien.

Eine Allianz-Sprecherin schreibt:„ Bei der Allianz legen wir großen Wert auf ein angenehmes und produktives Arbeitsumfeld für alle Mitarbeitenden. Aus diesem Grund sind Haustiere, einschließlich Hunde, in unseren Bürogebäuden nicht gestattet“. Damit nehme das Unternehmen Rücksicht auf Mitarbeitende mit Allergien oder Angst vor Tieren und versuche darüber hinaus die Lärmbelästigung in den offenen Bürokonzepten so gering wie möglich zu halten.

Beispiele von Unternehmen, in denen laut Bundesverband Bürohunde Vierbeiner erlaubt sind, sind der US-Konzern Amazon, aber auch Xing und Jimdo in Deutschland. „Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels und dem Wunsch nach attraktiveren, gesünderen Arbeitsplätzen macht eine offenere Diskussion um Bürohunde Sinn“, findet Piel. „Mit pauschalen Verboten oder unsicherer Erlaubnis haben Beschäftigten in Deutschland es oft schwer, Verantwortung für einen Hund zu übernehmen.“

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