Engineering People: Was ein Ulmer Unternehmen so attraktiv für junge Leute macht
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Der Ulmer Unternehmen Winfried Keppler ist zum zweiten Mal in seiner Karriere als Unternehmer mit einem Ingenieur-Dienstleister erfolgreich. Seit 2003 führt er Engineering People, zuvor war er mit Euro Engineering erfolgreich.
Matthias Kessler- Engineering People (EP) bietet Berufseinsteigern 50.000-70.000 Euro Jahresgehalt.
- EP erhält 40.000 Bewerbungen pro Jahr und beschäftigt 600 Mitarbeitende an 14 Standorten.
- EP ist in Industriezweigen wie Fahrzeugbau, IT, und Life Science aktiv.
- EP bietet umfangreiche Mitarbeiterbenefits, z.B. Firmenwagen, Fitnessprogramme und vegane Mahlzeiten.
- EP wächst trotz wirtschaftlicher Herausforderungen weiter und plant Expansion in Zukunftsbranchen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Winfried Keppler hat tausenden Ingenieurinnen und Ingenieuren bei deren Karrieren geholfen – und tut das immer noch. Der Ulmer Unternehmer führt den Ingenieur-Dienstleister Engineering People (EP), der an 14 deutschen Standorten 600 Menschen beschäftigt. Mit der Mischung aus Arbeitnehmer-Überlassung und Auftragsentwicklung ist EP ein gefragter Partner namhafter Industriekonzerne. „Pro Jahr haben wir rund 40.000 Bewerberinnen und Bewerber, von denen wir rund ein Viertel über unsere 30 Recruiter aktiv ansprechen“, sagt Keppler. Dabei hilft, dass Engineering People überdurchschnittlich gut bezahlt und der Gehaltsanstieg für Berufseinsteiger kräftig ausfallen kann - bis zu 65 Prozent nach 15 Monaten. Warum das so ist, und warum der Ingenieur-Dienstleister ein Karrierehelfer für Absolventinnen und Absolventen ist, erklärt Keppler im großen Interview. Ein Gespräch über Arbeitgeberattraktivität, die Gefahren des Ingenieurmangels für den Standort Deutschland und die Nachfolge im Familienunternehmen.
Herr Keppler, wann hat Ihnen das letzte Mal ein Recruiter einen Job angeboten?
Das war unmittelbar vor unserem Gespräch, aber der Recruiter hat offensichtlich vor seinem Anruf nicht gut recherchiert.
Es ist ungewöhnlich, dass einem Familienunternehmer ein Job angeboten wird. Was war das für einer?
Man mag es kaum glauben: ein Job als Geschäftsführer in Süddeutschland.
„Wir wollen ein perfektes Matching“
Sie beschäftigen selbst 30 Recruiter. Ich hoffe für Sie, dass die sorgfältiger arbeiten.
Da bin ich mir sicher. Das gehört zu unserem Qualitätsanspruch. Wir sind sehr klar in unserem Matching und machen für jeden Kandidaten nur einen einzigen Vorschlag. Unsere Recruiter informieren sich vorab genau und wissen, wen sie ansprechen. Nur wenn die Anforderungen der Stelle und des Unternehmens zu den Kompetenzen der Kandidatinnen und Kandidaten wirklich passt und umgekehrt, bieten wir diese an. Wir wollen keine Zeit verschwenden, sondern ein perfektes Matching.
Wie oft am Tag bieten Ihre Recruiter Kandidatinnen und Kandidaten aus Ihrem Talentpool Stellen an?
Das geschieht täglich dutzende Male. Bei 600 Mitarbeitern und unserem Geschäftsmodell würde alles andere sehr schnell zu einem wirtschaftlichen Problem.
Was steckt hinter dem Begriff Talentpool?
Wir haben annähernd 40.000 Bewerberinnen und Bewerber pro Jahr, von denen wir rund ein Viertel aktiv ansprechen. Ein großer Teil bewirbt sich über unterschiedliche Plattformen bei uns. Wir haben eine sehr gute Sichtbarkeit über unsere Stellenangebote auf Social Media sowie anderen Online-Kanälen. Für uns ist es eine Frage der Wertschätzung, dass wir jede Bewerbung persönlich ansehen und prüfen.
Dienstleister für die Branchen Industrie, IT und Life Science
Wie beschreiben Sie in drei Sätzen, was Ihr Unternehmen macht?
Wir sind einer der führenden Dienstleister in den klassischen Ingenieurdienstleistungen, in Software, IT und Life Science, also Biotechnologie und Pharma. Unsere Kunden erleben uns als Entwicklungspartner. Wir übernehmen komplexe Projektaufgaben für unsere Kunden. Das geht bis zur Übernahme ganzer Entwicklungspakete in unseren EP-Kompetenz-Zentren. Unsere Kunden bekommen eine fertige Entwicklung oder ein fertiges Produkt. Unser zweites Standbein ist die Unterstützung unserer Kunden vor Ort mit EP-Experten in Arbeitnehmerüberlassung. Hochqualifizierte Spezialisten unterstützen die Projekte in den Unternehmen für mehrere Monate oder sogar Jahre.
Was ist der Unterschied zwischen einer Zeitarbeitsfirma und einem Ingenieur-Dienstleister?
Das sind unterschiedliche Welten. Bei der klassischen Zeitarbeit handelt es sich meistens um eine befristete Anstellung meist im Niedriglohnsektor. Der Antrieb der Entleiher ist häufig, die eigenen Lohnkosten zu senken. Die Leiharbeitskräfte sind in vielen Fällen oft im Helferbereich angesiedelt und wissen häufig nicht, wo sie am nächsten Tag eingesetzt werden.
Wie ist das bei Ihnen?
Engineering People und andere Ingenieurdienstleister verfügen über hochqualifizierte Expertinnen und Experten, oftmals Akademiker, die unbefristet eingestellt sind. Unsere Kunden geben die genaue Beschreibung der Funktion und der erforderlichen Fähigkeiten an. Die passenden EP-Mitarbeiter arbeiten dann viele Monate oder Jahre am Projekt beim Kunden. Oft dauert schon die Einarbeitung Monate. Wir verstehen uns als ganzheitlichen Lösungsanbieter und bieten unseren Kunden ein Rundum-Sorglos-Paket aus Beratung, Know-how und Kompetenz im Recruiting, der Organisation und in juristischen Fragen.
Was sind das für Projekte, die die EP in seinen Kompetenz-Zentren umsetzt?
Die Bandbreite ist groß und reicht von der Entwicklung ganzer Fahrzeugkomponenten, die leichter sind oder günstiger herzustellen sind, über den Bereich Weiße Ware, also Kühlschränke, Spülmaschinen und ähnliche Geräte, bis hin zu Sprachsteuerungen. EP hat seine Wurzeln in der mechanischen Konstruktion und Berechnungsthemen für Nutzfahrzeuge und im Automotivbereich. Über die Jahre haben wir uns weiterentwickelt. Heute geht es sehr viel um eingebettete und allgemeine Softwareentwicklung, Elektronik-Konstruktion, Hardware-Planung und IT-Themen. Von den Branchen her sind wir neben dem Maschinen- und Anlagenbau, der Fahrzeug-, der Elektronik- und der Pharmaindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrt und vielen weiteren tätig.
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"Wir bieten den Vorteil, dass wir den besten Kontakt zu spannenden Kunden und Projekten haben", sagt EP-Firmenchef Keppler.
Matthias KesslerWie hat sich EP zuletzt entwickelt?
Wir sind in den vergangenen 21 Jahren von 0 auf 600 Mitarbeiter gewachsen. Corona war eine Herausforderung, aber wir haben die Pandemiezeit gut überstanden, obwohl zeitweise 60 Prozent der Projekte weggefallen sind oder pausiert haben. Eine Entlassungswelle war nicht nötig. In schwierigen gesamtwirtschaftlichen Situationen hilft uns, dass wir für viele Branchen tätig sind. Von 2021 an hatten wir wieder Rekordjahre mit zweistelligen Wachstumsraten.
Wie sieht es aktuell aus?
Wir stehen gut da. Die Automobilbranche schwächelt, dafür verzeichnen wir aus der Luft- und Raumfahrt sowie den Branchen Pharma und Verteidigung eine hohe Nachfrage. Aber natürlich hemmt die gesamtwirtschaftliche Schwäche unser Wachstum. Daher haben wir unsere Vertriebsaktivitäten nochmal ausgeweitet.
Welche Besonderheiten gibt es im Ulmer Ingenieur-Arbeitsmarkt?
Der Wirtschaftsstandort Ulm zeichnet sich durch eine breite Mischung aus, sowohl bei den Branchen als auch bei den Themen. Zudem profitiert Ulm von der Nähe zu den anderen starken Wirtschaftsstandorten Stuttgart, Augsburg und München. Wirtschaftlich gesehen spielt hier die Musik. Es wird weiter kräftig investiert. Daher gehe ich von einer weiterhin hohen Nachfrage nach Fachkräften in technischen Berufen aus.
Wie schwer ist es, Ingenieure von außerhalb für die Region und Arbeitgeber in der Region zu gewinnen?
Ulm ist eine attraktive Region und laut einer aktuellen Prognos-Studie die lebenswerteste Stadt Deutschlands. Zu den Pluspunkten gehören die Nähe zu Alpen und dem Bodensee, aber auch die Nähe zu Großstädten wie München, Augsburg und Stuttgart sowie die sehr gute Verkehrsanbindung. Auch wenn Ulm zum Wohnen nicht wirklich günstig ist, bleibt doch aber mehr vom Gehalt als in den genannten Großstädten zum Leben. Diese Vorteile helfen. Dennoch müssen Arbeitgeber viel bieten und überzeugen, denn die Mobilität von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland ist nicht wirklich hoch.
Welche Entwicklungen sehen Sie Sie auf dem Arbeitsmarkt?
Aktuell nimmt die Zahl der Jobsuchenden leicht zu und die offenen Positionen in den Unternehmen leicht ab. Unternehmen, die gute Kandidaten suchen, tun sich also momentan etwas leichter, aber immer noch auf einem niedrigen Niveau.
Wie kommen junge, gut ausgebildete Kräfte in Ihren Talentpool?
Nur wer eine realistische Chance auf ein Projekt bei uns hat, landet im Talentpool. Anderen Bewerberinnen und Bewerber sagen wir ab. Das ist fairer für beide Seiten. Auch unsere bestehenden Mitarbeiter sind Teil dieses Pools. Für Kundenprojekte suchen wir aus diesem Pool gezielt die passenden Talente für die jeweiligen Anforderungen und Aufträge heraus.
Sind bei Ihnen wirklich 70.000 potenzielle Bewerber in Ihrem Talentpool registriert?
Ja, das klingt erstmal sehr viel, ist aber die Folge unserer Investitionen und die Arbeit unseres Recruitings und Marketings. Die Größe des Pools, den wir über Jahre aufgebaut haben und ständig aktuell halten, ist für uns ein wichtiger Erfolgsfaktor. Es gibt Kandidaten, die aus dem Talentpool sehr schnell in einen neuen Job kommen. Andere sind gerne auch länger im Pool und hören sich regelmäßig von uns Updates und neue Jobvorschläge an.
Warum sollten junge, gut ausgebildete Absolventinnen und Absolventen bei EP einsteigen?
Sie erleben einen dynamischen, jungen und familiär geprägten Arbeitgeber, der auf dem Online-Bewertungsportal Kununu mit 4,5 von 5 möglichen Punkten bewertet worden ist und vom Magazin „Focus“ in den vergangenen Jahren mehrmals als bester Dienstleister ausgezeichnet worden ist. Wir sind für unsere Mitarbeiter flexibler Karrierepartner und begleiten Sie nicht nur auf ihrem beruflichen Weg, sondern auch bei privaten Themen.
So viel verdient man bei Engineering People
Was heißt das konkret?
EP ist für gut ausgebildete Absolventinnen und Absolventen der einfachste, schnellste und beste Weg in den Job. Sie erstellen eine Bewerbung, den Rest übernehmen wir. Wir bieten den Vorteil, dass wir den besten Kontakt zu spannenden Kunden und Projekten haben. Oftmals werden exklusive Jobs nur über EP besetzt. Außerdem ermöglichen wir eine flexible Karriereplanung.
Was meinen Sie damit?
Am Anfang wissen Ingenieurinnen und Ingenieure oft noch nicht, in welchem Bereich sie genau arbeiten wollen. Auf Wunsch können Sie das bei EP in unterschiedlichen Projekten bei unterschiedlichen Kunden herausfinden - ohne Knick im Lebenslauf. Sie können bei uns innerhalb weniger Monate ein breites Spektrum an Fähigkeiten in diversen Projekten aufbauen. Für uns stehen zudem Wertschätzung, persönlicher Kontakt und eine enge persönliche Betreuung im Fokus. Wir sehen die Mitarbeiter als unsere Partner und Menschen und nicht nur als Ressource.
Wie sieht es mit der Vergütung aus?
Unsere Beschäftigten bekommen ein Top-Gehalt. Wir haben Tarifbindung und bezahlen oft sogar mehr als der Kunde direkt. Ein Ingenieur, Softwareentwickler oder jemand im Bereich Life Science unterschreibt sonst gar nicht.

Arbeitsszene aus dem EP-Kompetenz-Zentrum: Zwei Mitarbeiter besprechen Details einer Konstruktion für ein Kundenprojekt
rampant picturesWas heißt das in Zahlen?
Das lässt sich pauschal so nicht sagen. Das hängt von der Qualifikation, der beruflichen Erfahrung und von der Funktion ab, welche die Beschäftigten übernehmen. Zu uns kommen viele junge Ingenieurinnen und Ingenieure. Die Spanne bei den Einstiegsgehältern liegt zwischen 50.000 und 70.000 Euro. Doch steigen die Gehälter wegen unserer Tarifbindung und gesetzlichen Vorgaben schnell an.
Wie kommt es zu dem schnellen Anstieg?
Hintergrund sind die so genannten Branchen-Zuschläge. Diese sollen eigentlich verhindern, dass Helfer in der Produktion zu lange eingesetzt werden und nicht nur für einen kurzfristigen Bedarf. Diese Regel gilt aber auch für unsere Ingenieurinnen und Ingenieure, die nach 15 Monaten auf der gleichen Stelle beim Kunden bis zu 65 Prozent mehr Gehalt erhalten.
„Köchin Andrea zaubert leckeres veganes Essen“
Welche weitere Vergünstigungen gibt es bei EP?
Jeder, der möchte, kann einen Firmenwagen als Gehaltsbestandteil haben. Wir bieten Firmenprogramme für Fitness, Fahrradleasing, eine gute betriebliche Altersvorsorge und vieles mehr. In Ulm haben wir zudem eine Köchin engagiert.
Eine Köchin?
Genau, unsere Köchin Andrea kommt einmal pro Woche und kocht vegan. Anfangs waren wir uns nicht sicher, wie das unsere Mitarbeitenden annehmen. Als Arbeitgeber wollen wir unsere Beschäftigten bei einer gesunden Ernährung unterstützen. Mittlerweile hat sich das zu einem wichtigen Treffpunkt entwickelt. Mitarbeitende aus allen Bereichen kommen an dem Tag, an dem Andrea ein leckeres Essen zaubert, gerne ins Büro. Linsen und Spätzle als veganes Gericht geht sehr gut mit Tofu-Würstchen. Das schmeckt lecker und unsere Mitarbeitenden finden das Angebot sehr attraktiv.
Wie gehen Sie mit dem Wunsch um, dass sich Beruf und Freizeit gut vereinbaren lassen?
Das geht schon bei Vertragsbeginn los. Unsere Mitarbeiter können sich aussuchen, wie viel Stunden sie arbeiten wollen. Da geht fast alles. Genauso sieht es beim Thema Remote-Arbeit aus, da reicht die Bandbreite von null bis hundert Prozent. Wir sind da recht flexibel, wenn es keine zwingenden Anforderungen gibt.
Wie lässt sich in Zeiten von Homeoffice eine familiäre Unternehmenskultur aufrechterhalten?
Das hat viel mit „Beziehungsarbeit“ und Wertschätzung zu tun. Über diesen Begriff wird viel geredet. Um Wertschätzung zu leben, muss man die Menschen abholen, Zeit investieren und den Menschen Zeit schenken, ob als Führungskraft, Vertriebskollege oder Recruiter. Das ist in einem Unternehmen nicht anders als in der Familie und auch ein anstrengendes Thema. Aber es ist uns wichtig. Für mich ist das die Basis einer Unternehmenskultur, die auf Vertrauen fußt, und uns gemeinsam auch große Aufgaben meistern lässt.
Unternehmensporträt: EP verbindet seit mehr als 20 Jahren Mensch und Technik
Wie lange ist die durchschnittliche Beschäftigungsdauer bei EP?
Über alle Bereiche hinweg sind das 2,5 Jahre, Tendenz steigend. Berufseinsteiger nutzen uns gerne auch als Sprungbrett in ihr Wunsch-Unternehmen, das ist für uns ok. Das heißt ja im Umkehrschluss, dass wir einen guten Job gemacht haben und der Kunde uns wieder beauftragt. Die Beschäftigungsdauer wird aber auch in hohem Maß von den gesetzlichen Vorgaben beeinflusst.
Was bedeutet eine so kurze Verweildauer für die Firmenkultur?
Das erfordert hohe Ausgaben für das Onboarding, also die Integration neuer Mitarbeiter, aber auch für die interne Kommunikation, das Wissensmanagment und für Teambuilding-Maßnahmen. Um alle zusammenzubringen, veranstalten wir regelmäßig große Feste und Partys für die Beschäftigten von allen Standorten, ob an Weihnachten oder im Sommer. Die haben Legendenstatus. Zudem organisieren wir eine Vielzahl von Sportevents. Das Feiern ist Teil unserer Firmenkultur. Das schätzen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Wie ist es möglich bei so einem raschen Personalwechsel die Firmenkultur aufrechtzuerhalten?
Darüber diskutieren wir jeden Tag lebhaft mit unseren Kunden, aber auch intern. Letztlich müssen verschiedene Maßnahmen wie „Zeitschenken“ und unsere Arbeit mit Leidenschaft und ehrlichem Interesse umgesetzt werden. Zugleich leiden diese Themen durch den Druck, der am Markt herrscht. Meist folgen die Kunden unseren Empfehlungen für eine hohe Verweildauer, weil wir dann auch in der Lage sind, die Leute entsprechend weiter zu qualifizieren. Das ist auch ein Kernthema unserer EP-Akademie.
Was meinen Sie konkret?
Dort qualifizieren wir Mitarbeiter weiter, die höchstmotiviert und wirklich sehr gut sind. Wenn diese uns nach nur wenigen Monaten von Kunden abgezogen werden, können wir diese Aufwendungen nicht refinanzieren.
Wie sehen Sie dieses frühe Abwerben Ihrer Beschäftigten?
Für Kunden ist es natürlich attraktiv, EP-Kollegen, die bereits für das Unternehmen oder in Projekten arbeiten, ein Angebot zu machen. Dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch mal zu namhaften Industrie-Konzernen wechseln wollen, ist für uns ok. Dabei begleiten wir sie auch.
Aber?
Für uns ist ein frühes Abwerben schwierig, weil wir nicht unsere Firmenkultur aufgeben wollen und auch nicht die Maßnahmen, um diese zu pflegen. Wir können manche Kunden dann einfach nicht mehr begleiten. Denn das setzt ein partnerschaftliches Verständnis voraus.
Erhebungen zufolge kommen aktuell auf 100 arbeitssuchende Ingenieure 387 offene Stellen. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?
Absolut. EP hat viele Kunden in sehr spezialisierten Bereichen, da ist das Verhältnis oft noch extremer. Die andere Seite der Medaille ist, dass es oft sehr viele Bewerber auf die offenen Stellen gibt, diese aber von den Qualifikationen nicht passen. Wir haben im Moment mehrere hundert Anfragen von unseren Kunden, können aber pro Jahr nur einen Teil davon bedienen. Der Renteneintritt der Baby-Boomer verschärft diesen Engpass noch.
Welche Folgen hat der Ingenieurmangel für die deutsche Wirtschaft?
Kurzfristig hemmt das unser Wachstum, das sehen wir aktuell. Noch schlimmer sind jedoch die langfristigen Folgen. Wenn wir so weitermachen wie bisher, verlieren wir den Status als Ingenieurland. Dann leidet die Innovationskraft. Keine innovativen Produkte, die auf dem Weltmarkt nachgefragt werden, heißt in einem weiteren Schritt, dass die Industrieproduktion zurückgeht, Stellen abgebaut werden und wir Wohlstand verlieren. Das ist eine große Gefahr, doch hat dieser Prozess schon begonnen. Denn Unternehmen sind nicht bereit, in eine unsichere Zukunft zu investieren.
Warum ergreifen immer weniger junge Leute ingenieurwirtschaftliche Studiengänge?
Zunächst kommen insgesamt weniger junge Menschen nach. Bei uns im Land wird aber auch wenig Begeisterung für Technik geweckt. In den USA beispielsweise werden Unternehmen und Entwickler für Innovationen gefeiert. Diese Kultur fehlt in Deutschland. Daher fehlen Vorbilder. Auch ist der Technikunterricht an Schulen oft wenig attraktiv und praxisnah. Auch hat der Ingenieur-Beruf nicht das beste Image.
Was müsste sich ändern?
Mehr Sichtbarkeit und Anerkennung für die Menschen, die Großartiges leisten, wären wichtige Schritte. Genauso, dass wir das Leistungsprinzip in der Gesellschaft fördern und fordern, und tolle Leistungen anerkennen. In den Schulen müsste strukturell die technische Kompetenz gefördert und die vielen engagierten Lehrerinnen und Lehrer mehr unterstützt werden. Die werden leider oft allein gelassen.
Wie sehen Sie die Zukunft von EP?
EP ist hervorragend aufgestellt. Unsere Dienstleistungen sind für den Markt attraktiv. Wir haben große Zukunftschancen und wollen unsere Stellung als Qualitätsführer in unserer Branche ausbauen und auch unsere Kompetenz-Center. Dabei wird sich EP auch stärker auf die Zukunftsbranchen Erneuerbare Energien, Halbleiter und Life Science ausrichten.
Das klingt sehr zuversichtlich.
Das bin ich, auch weil meine Söhne Dominik und Christofer seit drei und vier Jahren im Unternehmen tätig sind und Prokura haben. Zudem haben wir mit Alexander Körner sozusagen ein Eigengewächs, der als Geschäftsführer den Vertrieb verantwortet. Ich habe große Lust in den nächsten Jahren mit den Dreien EP nach vorne zu entwickeln.
Wie sieht Ihre Nachfolge aus?
Da gibt es einen klaren Plan, den wir – wie alle wichtige Themen – auch der Belegschaft kommuniziert haben. Es gibt eine klare Rollenverteilung zwischen den drei Jungen, die das operative Geschäft bereits weitgehend alleine managen. Andere Themen wie Erfahrung und natürliche Autorität lassen sich nicht einfach übertragen. Daher begleiten wir uns gegenseitig. Mir ist auch wichtig, dass die drei Jungen von außen gecoacht werden. Ich komme in diesem Prozess immer mehr in die Rolle eines Beirats und Beraters. Es freut mich sehr, dass dieser stufenweise Übergang gut klappt. Das macht mir das Loslassen etwas einfacher.
Rund 600 Beschäftigte an 14 Standorten
Winfried Keppler, 1960 in Stuttgart geboren, ist Sohn eines evangelischen Pfarrers. Er wuchs in Calw auf, wo er auch zur Schule ging, und absolvierte eine Lehre als Werkzeugmacher, bevor er an der Hochschule Ulm Maschinenbau studierte und bei einem Ingenieur-Dienstleister einstieg. Später gründete er mit seinem Kompagnon und Freund Jochen Lang das Dienstleistungsunternehmen Euro Engineering, das rasant wuchs. Nach dem Verkauf an einen großen Personaldienstleister waren die Gründer für die Engineering-Strategie des Unternehmens verantwortlich. Zwei Jahre später verließen beide das Unternehmen. Winfried Keppler gründete daraufhin 2003 den Ingenieur-Dienstleister Engineering People. Keppler (verheiratet, drei Kinder) hört zum Entspannen gerne klassische Musik und hat eine Leidenschaft für Oldtimer.
Im Jahr 2003 gründete Keppler die Engineering People GmbH (EP/Ulm). Nach den schwierigen Corona-Jahren ist das Unternehmen in den vergangenen Jahren wieder stark gewachsen. Zuletzt erwirtschafteten rund 600 Beschäftigte an 14 Standorten einen Jahresumsatz in Rekordhöhe von knapp 50 Millionen Euro. Etwa vier Fünftel der Belegschaft sind Ingenieurinnen und Ingenieure. Rund 100 Beschäftigte arbeiten in der Verwaltung, davon 30 Recruiter. EP gliedert sich unter einer Dachgesellschaft in drei Business Units. Das ist der Bereich Arbeitnehmerüberlassung, in dem Ingenieure bei Kunden vor Ort arbeiten. Die vor drei Jahren gegründete Einheit Life Science wird mit Blick auf die Kunden aus der Pharma- und Chemiebranche als separate Business Unit geführt. Die dritte Einheit sind die Kompetenz-Center, in denen Entwicklungsprojekte für Kunden realisiert werden.






