Biopharma-Cluster Ulm
: Rentschler stärkt mit Rekordinvestition die Region

Rentschler Biopharma steckt einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in den Ausbau des Standortes Laupheim. Das soll auch die Versorgungssicherheit erhöhen.
Von
Alexander Bögelein
Laupheim
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Eine Rentschler-Mitarbeiterin in Laupheim: In solchen Bioreaktoren werden Biopharmazeutika hergestellt.

Rentschler Biopharma Produktion

Eine Rentschler-Mitarbeiterin in Laupheim: In solchen Bioreaktoren werden Biopharmazeutika hergestellt.

Peter Oppenlaender
  • Rentschler Biopharma investiert einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in Laupheim.
  • Größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte, Baustart Frühjahr 2025.
  • Anlage stellt Medien für Bioreaktoren her, Betrieb ab 2028 geplant.
  • Ziel: Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit stärken.
  • Rentschler beschäftigt weltweit 1400 Mitarbeiter, 1100 in Laupheim.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Positive Nachricht für die Wirtschaftsregion Ulm:  Rentschler Biopharma investiert einen hohen zweistelligen Millionenbetrag an seinem Firmensitz in Laupheim – und tätigt damit die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte in Deutschland. Das 152 Jahre alte Familienunternehmen ist – auch aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung – einer der weltweit führenden Dienstleister in der weltweiten Pharma- und Biotech-Branche, sowohl was die Unterstützung seiner Kunden bei der Entwicklung von Wirkstoffen als auch die Fertigung von Wirkstoffen angeht. Wenig bekannt in der breiten Öffentlichkeit ist, dass Rentschler Pharma für das Mainzer Unternehmen Biontech zu Corona-Zeiten mehr als zwei Milliarden Impfdosen hergestellt hat.

Das Unternehmen ist in den vergangenen acht Jahren stark gewachsen und beschäftigt aktuell 1400 Frauen und Männer, davon 1100 in Laupheim. Benedikt von Braunmühl, der seit einem Jahr an der Spitze von Rentschler Pharma steht, sieht in der Investition ein klares Bekenntnis zum Standort Laupheim. Der gehört zum Biopharma Cluster South Germany und bildet unter anderem mit den Pharmakonzernen Teva in Ulm und Boehringer Ingelheim in Biberach eines der wichtigsten biopharmazeutischen Cluster in Europa. „Der Ausbau wird unsere Wettbewerbsfähigkeit in einer der global bedeutendsten Wachstumsbranchen stärken“, wird von Braunmühl in einer Pressemitteilung zitiert.

Schon 2025 soll Bau starten

Baustart für das Projekt ist im Frühjahr 2025, drei Jahre später soll die Anlage in Betrieb gehen. In der neuen Anlage werden künftig sogenannte Medien hergestellt. Das sind spezielle Flüssigkeiten, die in Bioreaktoren benötigt werden. Dort produzieren lebende, gentechnisch veränderte Säugetierzellen unter höchsten Reinheitskriterien biopharmazeutische Wirkstoffe.

Dieser sogenannte Upstream-Prozess, in dem Zellkulturen vermehrt werden, ist ein äußerst komplexes Verfahren, das sich über mehrere Wochen erstreckt. Dabei geht es unter anderem darum, Wachstumsbedingungen wie Temperatur, pH-Wert und Nährstoffversorgung sorgfältig zu kontrollieren. Daran schließt sich das sogenannte Downstreaming an, bei dem die gewonnenen Wirkstoffe aufbereitet und gereinigt werden. Mit den so gewonnenen Wirkstoffen lassen sich beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle, Blutgerinnungsstörungen oder Osteoporose sehr zielgerichtet behandeln, weil diese Biopharmezeutika zielgerichtet im Körper direkt auf biologische Prozesse einwirken.

Rentschler will Versorgung sicherstellen

Die Investition in Laupheim spiele eine entscheidende Rolle, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und unsere langfristige Wachstumsstrategie voranzutreiben, betonte von Braunmühl. Bis 2028 soll nach seinen Worten in dem noch zu errichtenden, vierstöckigen Gebäude eine hochmoderne Puffer-Medien-Station auf einer Fläche von 34.000 Quadratmetern in Betrieb gehen.  Das neue Gebäude werde mit der bestehenden Infrastruktur verbunden sein und durch schnellere und effizientere Abläufe sowie ergonomisch ausgelegte Arbeitsstationen einen hervorragenden, operativen Arbeitsplatz für die Mitarbeitenden bieten, erklärt der Vorstandschef.

Außer Laupheim verfügt Rentschler Biopharma über zwei weitere Standorte mit unterschiedlicher Ausrichtung. Stevenage,  nördlich von London, ist mit etwa drei Dutzend Beschäftigten auf die Zell- und Gentherapie spezialisiert. Am US-Standort Milford (nahe Boston) hat Rentschler Biopharma in den vergangenen Jahren umgerechnet 185 Millionen Euro investiert und mit der Inbetriebnahme der neuen Produktionslinie im Juli seine Produktionskapazität verdoppelt. Milford mit seinen rund 250 Beschäftigten ist dafür ausgelegt, dass dort größere Mengen an Wirkstoffen für Kunden hergestellt werden können.

Seit mehr als 50 Jahren Entwicklungs- und Produktionspartner

Als Auftragsentwicklungsunternehmen entwickelt und produziert Rentschler Biopharma seit mehr als 50 Jahren Biopharmazeutika für die Behandlung von Patienten mit einer Vielzahl von Erkrankungen, darunter auch schweren und seltenen Krankheiten, wie beispielsweise Krebs, Autoimmunerkrankungen, Erbkrankheiten oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Jahresumsatz lag im Geschäftsjahr 22/23 in der Größenordnung von 320 Millionen Euro. Aktuellere Zahlen hat das Unternehmen bisher nicht kommuniziert.