Ulm Krippenfiguren: Melchior und Rassismus: Heilige Drei Könige 2020 nicht im Ulmer Münster

Die Heiligen Drei Könige werden 2020 aus der Weihnachtskrippe des Ulmer Münsters verbannt. Grund dafür ist die aktuelle Rassismusdebatte.
Volkmar Könneke, Sebastian Gollnow, DPAKrippenfiguren aus Ulm im bundesweiten Fokus: Die Verbannung des „Mohren“ Melchior aus der Krippe des evangelischen Ulmer Münsters sorgt mittlerweile bundesweit für Diskussion. Dabei ist nicht der Mohr als schwarzer König das Problem, sondern seine klischeehafte Darstellung. Dekan Gohl verteidigt die Verbannung aller drei Könige 2020 und betont das Thema Alltags–Rassismus.
Bei Ernst–Wilhelm Gohl steht das Telefon nicht mehr still. Sogar die Bild–Zeitung hat ihm am Donnerstag eine halbe Seite gewidmet. Die Emotionen schlagen hoch in den sozialen Medien, Gohl hat zahlreiche hass– und wuterfüllte Mails bekommen. „Viele haben nicht verstanden, um was es geht“, sagt der Dekan.
Heilige Drei Könige an Weihnachten 2020 nicht in der Krippe des Ulmer Münsters
Der schwarze König, vom Ulmer Künstler Martin Scheible in den 1920er Jahren geschnitzt, sieht mit seinen wulstigen Lippen und dem Feder–Kopfschmuck aus wie ein Stereotyp aus der Zeit des deutschen Kolonialismus. Diese Figur des Melchior ist aus heutiger Sicht problematisch. Die Kirchengemeinde ringt jetzt um den richtigen Umgang damit. Im Jahr 2020 wird die Weihnachtskrippe daher ohne die Heiligen Drei Könige aufgestellt.
Rassismusdiskussion: Der ehrenhafte Mohr und die Nationalsozialisten
Afrikaner im Wappen galten früher als ehrenhaft, was den Nationalsozialisten nicht passte. Der Mohr wurde aus dem Stadtwappen getilgt, die „Mohrenstraße“ umbenannt: Was heute in Ulm und Neu–Ulm von vielen gefordert wird, ist in der Stadt Coburg längst geschehen — allerdings auch längst wieder rückgängig gemacht.
Bekanntlich haben sich die Nazis auch an den Straßennamen vergriffen, die das Wort „Jude„ enthielten. In Ulm etwa wurde der Judenhof 1938 in „Golschenhof“ umbenannt, um 1945 seinen alten Namen zurückzuerhalten. Die Ulmer „Mohrengasse“ blieb damals unbehelligt. Ihr Name geht auf das Wirtshaus zum Mohren zurück, das diesen Namen bereits im 16. Jahrhundert führte.
Keine Umbenennung der „Mohrengasse“ in Ulm
Eine Arbeitsgruppe stimmte einstimmig für den Kompromissvorschlag von Bürgermeisterin Iris Mann: Die Mohrengasse soll ihren Namen behalten. Aber es gibt eine Voraussetzung.
Luxushotel „Drei Mohren“ benennt sich nach Rassismus–Vorwürfen um
Nach jahrelangen Diskussionen über den Hotelnamen wird sich Augsburgs bekanntestes Luxushotel „Drei Mohren“ umbenennen. Augsburgs bekanntestes Luxushotel wird sich umbenennen und künftig „Maximilian’s Hotel“ heißen, wie das Unternehmen selbst mitteilte.
Neuer Straßenname? Das ist die Geschichte von Rudolf Duala Manga Bell
Auf einen Vorschlag der Ulmer SPD soll die Mohrengasse in Ulm nach Rudolf Duala Manga Bell umbenannt werden. Wer war der kamerunische „King“, der in Ulm zur Schule ging und 1914 hingerichtet wurde?




