Alb-Donau-Kreis Kommt ein Atommüll-Endlager in die Region?

Atommüll will niemand in seiner Nähe haben - aber irgendwo muss er auch entsorgt werden. (Symbolbild)
Atommüll will niemand in seiner Nähe haben - aber irgendwo muss er auch entsorgt werden. (Symbolbild) © Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Ulm / dpa/Niko Dirner 09.01.2019
In der Ulmer Donauhalle findet die süddeutsche Infoveranstaltung zur Suche nach einer Atommülldeponie statt. Die Region wäre geologisch dafür geeignet.

Ein Indiz dafür, dass das Endlager für Atommüll in die Region Ulm kommt. So könnte man es interpretieren, dass das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) ausgerechnet in der Donauhalle zu einer seiner bundesweit vier „Dialogveranstaltungen“ für die Vertreter von Landkreisen und Kommunen lädt. Ist es doch die einzige derartige Runde, die inmitten einer Region stattfindet, die geologisch für ein Endlager geeignet ist. Ein Zusammenhang, den die Sprecherin des BfE freilich zurückweist.

Ulm sei nur ausgewählt worden, um den Süden der Republik abzudecken, betont Ina Stelljes. Mit weiteren Veranstaltungen in Frankfurt am Main, Hamburg und Leipzig werden die anderen Himmelsrichtungen bedient. Zudem sei entscheidend gewesen, dass es in Ulm „Raumkapazitäten“ gibt und die Stadt „gut von vielen aus den verschiedenen Ecken Deutschlands erreichbar ist“.

Die Entscheidung, wo das Endlager gebaut werden soll, liegt – folgt man dem gesetzlich vorgegeben Weg – tatsächlich in weiter Ferne und soll 2031 im Bundestag fallen. „Das Dialogangebot“, heißt es auf der Webseite des BfE, „findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem noch keine Zwischenergebnisse zu potenziellen Standortregionen vorliegen“. Die Experten sprechen von einer „weißen Landkarte“.

Potenzielles Wirtsgestein in der Schwäbischen Alb

Auf der anderen Seite steht die Geologie der Schwäbischen Alb. Das dort vorhandene Tongestein ist nach Einschätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften ein „potenzielles Wirtsgestein für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle“ (siehe Info-Kasten). Auch Ulm und Neu-Ulm sowie das Illertal bis nach Senden sind eine Untersuchung wert.

Die „Dialogveranstaltungen“, jene in Ulm ist am 16. Januar 2019, sollen den Landräten und Bürgermeistern oder den Fachleuten in ihren Verwaltungen das Suchverfahren verdeutlichen – so dass diese kompetent auf Bürgerfragen antworten können. Der Suchprozess sieht vor, sagt Stelljes, dass bis Mitte 2020 konkrete Gebiete definiert werden. Die betroffenen Bürger und Gemeindevertreter sollen dann mit Fachleuten diskutieren. Im Gegensatz zum bisherigen Verfahren etwa in Gorleben – „der Bund fällt die Standortentscheidung, und das war es dann“ – sollen die Bürger eingebunden werden, solle maximale Transparenz herrschen.

Nach 2020 werden weitere Standorte ausgesiebt, an den verbliebenen finden Erkundungsbohrungen und seismische Messungen statt. Letztlich werden an mindestens zwei Stellen Erkundungsbergwerke gebaut – und letztlich entsteht das Endlager.

Öffentlichkeit von der Dialog-Runde ausgeschlossen

Damit diese Entscheidung „von den Betroffenen toleriert werden kann“, komme Städten, Landkreisen und Gemeinden „eine wichtige Rolle und Verantwortung zu“, schreibt das BfE auch. Rund 100 Teilnehmer aus ganz Bayern und Baden-Württemberg werden zum Dialog in der Ulmer Donauhalle erwartet. Bisher hätten sich allerdings erst rund 20 Vertreter von Kreisen und Kommunen angemeldet, sagt Sprecherin Stelljes. „Das Thema ist offenbar nicht präsent, soll nicht präsent sein.“

Die Öffentlichkeit ist übrigens ausgeschlossen, das „Format“ ist nur für die Verwaltungschefs und ihre Fachleute gedacht. Auch Vertreter von Umweltschutzverbänden sind nicht zugelassen. „Dafür gibt es andere Verfahren“, sagt Stelljes. „Es macht keinen Sinn, alle beglücken zu wollen.“ Es sei aber daran gedacht, vor Beginn ein Pressegespräch zu machen.

Maximale Sicherheit für eine Millionen Jahre

Deutschlands hoch radioaktiver Atommüll soll unterirdisch endgelagert werden. Bis zum Jahr 2031 will der Bund dafür einen geeigneten Standort finden - maximale Sicherheit für eine Millionen Jahre lautet das Ziel. Auf Basis vorhandener Informationen und festgeschriebener Kriterien suchen Experten entsprechende Standorte aus. Erste Ergebnisse sind für 2020 angekündigt. Die Entscheidung über einen Endlager-Standort treffen am Ende Bundestag und Bundesrat.

Das könnte dich auch interessieren:

„Abstrakte Betroffenheit“ schon festgestellt

Standort Vor allem am Südrand der Schwäbischen Alb sind die Mindestanforderungen an ein Atommüll-Endlager wegen des mächtigen Tongesteins zumindest teilweise erfüllt, hieß es im Oktober vom Landratsamt Alb-Donau. Die Gesteinsschicht, in die das Endlager gebaut werden soll, muss mindestens 100 Meter mächtig sein, sie muss mindestens 300 Meter unter der Erdoberfläche liegen. Zudem könnte in der Region keines der Ausschlusskriterien erfüllt sein, die ein Gebiet für ein Endlager untauglich machen, also etwa Erdbebengefahr, früherer Bergbau, Vulkanismus, Grundwasser in der Endlager-Gesteinsschicht. Daraus ergebe sich eine „abstrakte Betroffenheit“ der Region.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel