Geldstrafen für den SSV Ulm: 37.000 Euro! Acht DFB-Urteile gegen die Spatzen

Die Ulmer Fans zündelten nicht nur beim Spiel SSV Ulm 1846 Fußball gegen Jahn Regensburg (Bild). Nein, für solche Vergehen bat der DFB die Spatzen regelmäßig zur Kasse.
Matthias KesslerDer Stadionsprecher hatte viel zu tun am 34. Spieltag der vergangenen Saison. Jahn Regensburg war zu Gast beim SSV Ulm 1846 Fußball. Es waren keine Tore, die dem Stadionsprecher Arbeit machten – das Spiel endete 1:0 für die Spatzen. Es waren die Fanlager beider Teams. In der zweiten Halbzeit der Flutlichtpartie zündelten sie unablässig. Weit mehr als zehn Durchsagen halfen nichts. Rauchschwaden zogen permanent durch das Donaustadion. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gibt an, auf Seiten der Ulmer insgesamt 35 „pyrotechnische Gegenstände“ gezählt zu haben, bei den Regensburgern sollen es mindestens 26 Blinker und Bengalos gewesen sein.
Das kostete. 12.250 Euro für die Ulmer, 9100 Euro für die Regensburger. Es war die höchste Summe, aber bei Weitem nicht die einzige. Wie berichtet, verhängte der DFB regelmäßig Geldstrafen gegen den SSV Ulm 1846 Fußball. Insgesamt berappelten die Spatzen 37.250 Euro. „Sowas tut natürlich weh. Das ist ganz klar. Gerade für einen Verein wie uns ist das eine Summe, die man gerne auch anders investiert hätte“, sagt SSV-Pressesprecher Max Rieck.
SSV Ulm: Bußgelder entsprachen 15 Stadionmieten
Zum Beispiel in Stadiongebühren. Mit den 37.250 Euro hätte der Verein 15 Mieten im Donaustadion begleichen können. In der vergangenen Drittligasaison waren noch 2450 Euro pro Spiel fällig – künftig muss der Zweitligist pro Spiel 8310 Euro der Stadt Ulm überweisen.
Die Geldstrafen machen sich also bemerkbar. Deshalb versucht der Verein, die Täter ausfindig zu machen. „Das ist uns in der Vergangenheit auch mal gelungen“, sagt Rieck. Im Erfolgsfall erhält der Verein eine Strafmilderung. Billiger ist es, Vergehen zu verhindern. Es gebe Gespräche und Pläne, um sich besser aufzustellen, sagt Rieck. Besonders die Videoüberwachung solle ausgeweitet werden.
DFB-Sportgericht verurteilte Ulm achtmal
- 6. Spieltag (gegen Waldhof Mannheim): 4200 Euro musste der SSV Ulm zahlen, da Ulmer Zuschauer mindestens zehn pyrotechnische Gegenstände abgebrannt haben sollen. Der Schiedsrichter unterbrach darauf hin in der 51. Spielminute für ungefähr eine Minute die Partie.
- 9. Spieltag (gegen 1860 München): Schon vor Spielbeginn zündeten Fans im Ulmer Fanblock mindestens 16 bengalische Fackeln an. Dafür verlangte das DFB-Sportgericht 5600 Euro von den Spatzen.
- 16. Spieltag (gegen SC Freiburg II): Beleidigende und obszöne Rufe von vier bis fünf Männern auf der Haupttribüne gegenüber einem weiblichen Mitglied des SC Freiburg II kosteten den SSV Ulm 5000 Euro. Der SSV Ulm legte zunächst Einspruch ein. Diesen wies der DFB zurück. Im Nachhinein sagt Rieck: „Wir hätten uns gewünscht, dass die Strafe in ein gezieltes Projekt fließt. Das wurde abgelehnt. Damit müssen wir leben.“
- 17. Spieltag (gegen Viktoria Köln): In der 55. Spielminute zündeten Fans im Ulmer Fanblock laut dem DFB mindestens sieben pyrotechnische Gegenstände. Die Strafe betrug 2450 Euro.
- 29. Spieltag (gegen SV Sandhausen): Fünf Blinker, die vor Anpfiff im Ulmer Fanblock gezündet wurden, führten zu einer Geldstrafe von 1750 Euro.
- 33. Spieltag (gegen Preußen Münster): In der 59. Minute stürmte ein „Flitzer“ aufs Spielfeld, schlug ein Rad und umarmte Leo Scienza – 1000 Euro Bußgeld. „Die Strafe, die wir an den DFB zahlen müssen, wird auf ihn umgelegt“, sagte Sebastian Basler, der Sicherheitschef des SSV Ulm, schon damals.
- 34. Spieltag (gegen Jahn Regensburg): Die Rekordsumme von 12.250 Euro verhängte der DFB für ein wahres Pyro-Festival: „Während des Spiels sowie danach wurden im Ulmer Zuschauerbereich insgesamt 35 pyrotechnische Gegenstände gezündet“, begründete der Kontrollausschuss des DFB den Strafantrag.
- 36. Spieltag (gegen Viktoria Köln): Auch den Aufstiegsjubel bestrafte der DFB. Ein Ulmer Anhänger brannte mindestens einen Pyro ab. Zudem feierten die Fans den Durchmarsch mit der Mannschaft auf dem Spielfeld. 5000 Euro kassierte der Verband für den Platzsturm ein.
Pyro-Vergehen in der 2. Bundesliga teurer
In der nächsten Saison könnte sich die Summe erhöhen – zumindest dann, wenn sich die Fans ähnlich verhalten. Vergehen im Profi-Unterhaus sind teurer. Für das Abbrennen von Pyro sind in der 2. Bundesliga 600 Euro je Gegenstand fällig; 250 Euro mehr als in der 3. Liga. Ein Flitzer – der DFB nennt das „Eindringen auf das Spielfeld“ – kostet gar das doppelte: 2000 statt 1000 Euro.



